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Der neue US-Präsident Donald Trump ist mittlerweile hinlänglich bekannt dafür, kein Blatt vor dem Mund zu nehmen, auch nicht im Internet.

Dem Kurznachrichtendienst „Twitter“ wurde dies scheinbar zuviel: Sein Account soll wegen Pöbeleien gelöscht werden! Wirklich?

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Twitter Deletes Donald Trump’s Twitter Account: „We Will Not Tolerate Racism & Hate“ – CNN

Schaut man sich die Überschrift und die unten angegebene Adresse an, so scheint diese Nachricht tatsächlich von CNN zu kommen, einer seriösen Quelle also (auch wenn Trump sie in seiner Rede vom 11.1.2017 als „Fake-News“ bezeichnet).

Werfen wir doch mal einen Blick auf den Artikel:

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Quelle: cnn.com.de

Seriös wirkende URL… aber auch seriöser Inhalt?

Wenn man einen Blick auf die URL wirft, fällt einem kaum etwas Ungewöhnliches auf. Auch die Seite selbst wirkt mit dem Logo original wie CNN. Der Artikel selbst ist ebenfalls sehr ausführlich und mit diversen Links versehen. Sogar ein angeblicher Twitter-Ersatzaccount Donald Trumps (@WHDonaldTrump) existiert bereits, auf dem Trump nach seiner Sperrung weiterpoltern soll. Alles wirkt also richtig echt.

Ist das wirklich von CNN?

Dies sollte ja einfach zu überprüfen sein, indem wir einen Blick auf den Disclaimer der Seite werfen, der uns schon ein wenig stutzig macht:

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Auf Englisch finden wir dort folgende flapsige Sätze:

„Haben Sie ein Problem mit Selbst-Vergewaltigung? Möchten Sie des Teufels Spielwiese entfliehen? Fappy, der Anti-Masturbations Delfin kann helfen! Preiset Fappy!“

Fappy? Was ist denn da los?

Für eine angebliche Nachrichtenseite klingt das schon ein wenig… bizzar. Also schauen wir mal weiter, ob diese Seite wirklich CNN gehört.

Ein Blick in die Whois-Datenbank offenbart uns folgendes:

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Huch? Paul Horner? Ist das vielleicht der CEO von CNN oder eine anderweitig wichtige Person? Nun werden wir neugierig!

Schnell fanden wir raus, dass Paul Horner ebenfalls Inhaber einer Seite namens „Super Official News“ ist, und da finden wir auch einen Artikel über „Fappy“:

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Auch bei dieser, von den Kollegen von „Snopes“ als Fake enttarnte Story, steht ein gewisser „Jimmy Rustling“ als Autor.

Forschen wir ein wenig weiter. Was hat es mit dem ominösen „self-rape“ im Disclaimer zu tun?
Jener bezieht sich auf einen Artikel von 2014 auf der Seite „National Report“, die berichtet, dass eine Mutter die Polizei rief, nachdem sie ihren Sohn beim Masturbieren erwischte, und die Polizei ihn wegen „Selbst-Vergewaltigung“ verhaftete.

Und wer ist Mitarbeiter dieser Seite? Richtig, schon wieder Paul Horner (als einziger Mitarbeiter ohne Bild und Beschreibung:

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Auch diese skurrile Geschichte wurde von Snopes als Fake enttarnt.

Wer ist Paul Horner?

Nun wollen wir es genau wissen, wer dieser Paul Horner ist und warum er überall, wo eigentlich fett „Fake“ oder „Satire“ drüberstehen sollte, auftaucht. Und Überraschung, Paul hat eine Facebook-Seite:

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Man beachte, dass auch hier wieder Fappy erwähnt wird, der in sämtlichen Fake-News im Zusammenhang mit Paul Horner so langsam zu einem Running Gag wird. Auch teilt er auf seiner Seite sämtliche vermeintlichen Fake-News, in die er irgendwie involviert ist, auch die Meldung, dass Trumps Twitter-Account gelöscht wird.

Klären wir mal auf:

Paul Horner ist ein Profi-Hoaxer.

Die „Washington Post“ veröffentlichte im Oktober 2014 einen langen und ausführlichen Artikel über Horner, in dem auch seine vielen anderen berühmten Fakes und Hoaxes beschrieben werden, u.a. das er der berühmte Graffiti-Künstler „Banksy“ sei, das Facebook eine monatliche Gebühr erheben würde und das Obama ein Muslim-Museum erbauen wolle.

Horner selbst sieht seine Arbeiten nicht als Lügen oder Hoaxes, sondern als „teils Aktivismus, teils Fanfiction, teils unterschwellige, absurde Comedy“.

Fazit:

Nein, Donald Trumps Account wird nicht gelöscht. Die Story ist von einer Seite, die CNN täuschend ähnlich sieht, aber mit dem Nachrichtensender absolut nichts zu tun hat. Urheber ist Paul Horner, ein absoluter Profi, wenn es darum geht, nahezu glaubwürdige Nachrichten zu erstellen.

Manchmal muss man ziemlich tief wühlen, um die Wahrheiten über Artikel im Internet herauszufinden. Nicht jede Seite ist so deutlich in seiner Satire wie beispielsweise der „Postillon“. Deswegen sollte man auch solche vermeintlich seriösen Artikel genauestens hinterfragen, um sich nicht aufs Glatteis führen zu lassen.

Autor: Ralf, mimikama.at