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Steht ein Krisenfall bevor? Die Bürger sollen wieder Vorräte anlegen.

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Im Moment erreichen uns unzählige Anfragen zu folgendem Thema:

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Katastrophenfall: Bundesregierung rät Bevölkerung zu Hamsterkäufen” oder “Notfallplan der Bundesregierung Bürger sollen Vorräte für Katastrophenfall horten

VORAB!

Es besteht kein Grund zur Aufregung, ein Konzept für den Zivilschutz gibt es bereits seit den 1960er Jahren, es wird immer mal wieder angepasst und aufgefrischt.

Man kann also sagen „Ja, das stimmt so, aber das war auch schon fast immer so.“

Warum ist dem so?

Es kann einem vorkommen, wie ein zeitlicher Rückfall in die Zeit des kalten Krieges, damals, als jeder Haushalt eine mehr oder weniger prall gefüllte Speisekammer hatte. Nicht nur selbst eingemachtes Obst und Gemüse, Marmelade aus eigener Herstellung, nein auch die Regale waren voll mit Konserven. Aus einem Artikel der F.A.S. geht hervor, dass die Bundesregierung die Bevölkerung wieder zur Vorratshaltung animieren will, damit sie im Katastrophenfall in der Lage ist, sich vorrübergehend selber zu versorgen. In der „Konzeption zivile Verteidigung“, die am Mittwoch vom Kabinett beschlossen werden soll, heißt es

„Die Bevölkerung wird angehalten, einen individuellen Vorrat an Lebensmitteln von zehn Tagen vorzuhalten.“.

Auch ein angemessener Vorrat an Trinkwasser wird empfohlen,

„Die Bevölkerung soll durch geeignete Maßnahmen angehalten werden, zur Eigen-/Erstversorgung bis zur Installation staatlicher Einzelmaßnahmen für einen Zeitraum von fünf Tagen je zwei Liter Wasser pro Person und Tag in nicht gesundheitsschädlicher Qualität vorzuhalten.“

So steht es im Konzept. Nach Angaben der F.A.S. soll es sich um die erste Strategie der zivilen Verteidigung seit Ende des Kalten Krieges handeln. 2012 war sie vom Haushaltsausschuss des Bundestages beauftragt worden, und entstand parallel zum Weißbuch für die Sicherheitspolitik. In beiden Papieren steht unter anderem

„dass ein Angriff auf des Territorium Deutschlands, der eine konventionelle Landesverteidigung erfordert, unwahrscheinlich“

sei. Doch die Sicherheitsvorsorge verlange

„sich trotzdem auf eine solche für die Zukunft nicht grundsätzlich auszuschließende existenzbedrohende Entwicklung angemessen vorzubereiten.“.

Im Konzept geht es um die notwendigen Felder und Herausforderungen, im Notfall soll die Bevölkerung zum Selbstschutz fähig sein, damit sie die Zeit überbrücken kann, bis staatliche Maßnahmen anlaufen.


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Eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser, Energie und Bargeld soll sichergestellt sein. Ebenso wird die Notwendigkeit eines verlässlichen Alarmsystems, die Härtung von Gebäuden und ausreichende Kapazitäten im Gesundheitswesen erörtert.

Die zivile Unterstützung der Streitkräfte soll wieder priorisiert werden, unter anderem auch Eingriffe in die Verkehrslenkung, wenn die Bundeswehr Kampfverbände verlegen muss. Das liest sich doch so als habe sich da jemand mal Gedanken gemacht, was kann eigentlich passieren.

Warum kommt es gerade jetzt auf den Tisch?

Nun, das ist recht einfach: der Beschluss durch das Kabinett am nächsten Mittwoch steht bevor (24.08.2016).

Ist das jetzt eine spontane Dringlichkeitssitzung? Bestimmt nicht, denn zum einen wurde diese Überarbeitung bereits im Jahr 2012 in Auftrag gegeben, zum anderen gibt es diese Empfehlung schon länger (siehe hier):

Mit einem Vorrat an Lebensmitteln und Getränken für zwei Wochen sind Sie hierfür gerüstet.

Was hier gerade zu beobachten ist, ist ein wunderbarer Überschriftenhype zu einem Thema, welches seit mehreren Jahren in Auftrag ist, in der kommenden Woche beschlossen werden soll und sowieso schon länger empfohlen wird.

 

Hamsterkäufe?

Man kann natürlich im Zeitalter der „Kohle für Klicks“ auch andere Titel wählen:

„Katastrophenfall: Bundesregierung will Bevölkerung zu Hamsterkäufen raten“

Hamsterkäufe? Euer Ernst? – Natürlich ist es grundsätzlich richtig, denn auch Hamsterkäufe dienen zunächst, von der Wortbedeutung her, dem Anlegen von Vorräten, sind aber in den letzten Jahrzehnten immer mehr auf die Handlungen kurz vor einem meteorologischen Großereignis, oder einer längeren Feiertagsperiode reduziert worden.

Also die Momente in denen Massen von Käufern gemeinsam in ein Geschäft strömen und die Regale plündern.

Das ist aber eben das genaue Gegenteil von dem was das Konzept eigentlich erreichen soll, das planvolle Anlegen von Vorräten ohne große Panik.

Manche Medien schreiben unter anderem, dass der Bevölkerung „zum ersten Mal seit 1989 geraten werde, Vorräte anzulegen.“ Wir gehen von einem Versehen aus, denn wenn man in älteren Artikel diverser Medien blättert, dann wären sie in den Ausgaben von 2004 über einen Artikel gestolpert, in dem der über eine Empfehlung des Ministeriums für eine 14-tägige Grundversorgung im Krisenfall berichtet.

Ein solches Missgeschick kann vorkommen und ist auch nicht weiter schlimm.

Man kann es aber auch von Anfang an so handhaben, dass man „Hamsterkäufe“ in den Titel setzt, um dem besorgten Publikum Raum zur Entfaltung der Besorgnis zu geben.

Wenn man bedenkt, dass es, wie bereits eingangs erwähnt, ein Zivilschutzkonzept bereits seit den 60er Jahren gibt, dann ist es, um es mit einem Filmklassiker auszudrücken „Viel Rauch um Nichts“.

via FAS