HAARP und die EU

Faktencheck: HAARP und das europäische Parlament

Von | 8. November 2019, 13:21

HAARP ist ein prima Aufhänger für alle möglichen Verschwörungstheorien. Sogar das Europäische Parlament musste sich angeblich damit beschäftigen.

Und angeblich wird die Methode von HAARP (High Frequency Active Auroral Research Program) sogar vom Euorpäischen Parlament selbst erklärt. Zumindest findet sich da etwas auf deren Internetseiten, weswegen uns ein Nutzer in unserer Facebook-Community diese Anfrage stellte:

Die Anfrage zu HAARP

Screenshot: mimikama.at

Nun können wir unmöglich verlangen, dass jeder weiß, was HAARP nun genau ist, deswegen erklären wir das kurz, bevor wir uns der Frage des Nutzers zuweden.

Was ist HAARP?

HAARP ist die Kurzform für „High Frequency Active Auroral Research Program“, ein ursprünglich militärisches Programm der USA, bei dem Radiowellen zur Untersuchung der oberen Atmosphäre und der Ionosphäre eingesetzt wurden. Das Programm wurde 2014 beendet, im August wurde die Anlage in Alaska an die dortige Universität in Fairbanks übergeben, welche sie an Forscher vermietet. Was die Anlage wirklich macht, und was sie garantiert nicht macht (bzw. gar nicht machen kann), hat der Astronom Florian Freistetter einmal hier sehr schön beschrieben.

Obwohl die Anlage mit 960 Kilowatt gerade einmal die Sendeleistung von 680 Haushaltsstaubsaugern oder ein Siebtel einer Elektrolokomotive der Deutschen Bahn hat, vermuten Verschwörungstheoretiker, dass mit jener Anlage weltweit das Wetter manipuliert wird.

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Was ist das für ein Bericht im Screenshot?

Dort sieht man Artikel 26 – 28 einer EU-Entschließung von 1999, die das HAARP-Projekt namentlich benennen.
Die Artikel besagen folgendes:

Rechtliche Aspekte militärischer Tätigkeiten

26. fordert die Europäische Union auf, sich dafür einzusetzen, daß auch die neuen sogenannten nichttödlichen Waffensysteme und die Entwicklung neuer Waffenstrategien durch internationale Übereinkommen erfaßt und geregelt werden;

27. hält HAARP (High Frequency Active Auroral Research Project) wegen der weitreichenden Umweltauswirkungen für eine globale Angelegenheit und fordert, die rechtlichen, ökologischen und ethischen Auswirkungen von einem unabhängigen internationalen Organ untersuchen zu lassen, bevor weitere Forschungsarbeiten und Versuche stattfinden; bedauert die wiederholte Weigerung der Regierung der Vereinigten Staaten, einen Vertreter zu der öffentlichen Anhörung oder den folgenden Sitzungen seines zuständigen Ausschusses über die Auswirkungen des Forschungsprogramms über hochfrequente Strahlen (High Frequency Active Auroral Research Project – HAARP), das gegenwärtig in Alaska durchgeführt wird, zu entsenden;

28. fordert die STOA-Lenkungsgruppe (Scientific and Technological Options Assessment) auf, ihre Zustimmung zu geben, daß die wissenschaftlichen und technischen Beweise, die in allen vorliegenden Forschungsergebnissen über HAARP vorliegen, untersucht werden, um die genaue Art und das Gefährdungspotential, das HAARP sowohl für die lokale als auch für die globale Umwelt sowie für die Gesundheit der Menschen generell darstellt, zu ermitteln;

Das wirkt nun so, als ob die EU diese Methoden und die Möglichkeiten von HAARP als real ansieht, aber eines wird dabei nie beachtet:

Es handelt sich dabei um einen Antrag, der im obigen Wortlaut von einer Frau Rehn Rouva eingereicht wurde! Über Frau Rouva lässt sich, außer ihrer Erwähnung in dem Antrag, nichts im Internet finden, auch nicht, ob dem Antrag in einzelnen Punkten oder im Ganzen zugestimmt wurde. Einzig ihr Antrag wurde angenommen, doch über einen weiteren Verlauf ist nichts bekannt.

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Der Antrag sowie „Rehn Rouva“ findet sich nur noch, außer auf den Seiten der EU, auf zahlreichen Seiten, die sich der HAARP-Verschwörungstheorie widmen und die Technik als reale Bedrohung ansehen, welche bei der Wettermanipulation eine große Rolle spiele.

Wir widersprechen dieser Ansicht:

Bemerkenswert sei noch, dass ausgerechnet Nick Begich Jr. als „Sachverständiger“ hinzugezogen wurde. Jener Herr hat einen Ehrendoktor in Alternativmedizin und ist Autor von verschwörungstheoretischen Büchern wie „Angels don’t play this HAARP„, in denen er behauptet, dass HAARP Löcher in die Ionosphäre bohre und für weltweite Naturkatastrophen verantwortlich sei.

Fazit

Es handelt sich dabei nur um einen bei der EU eingereichten Antrag, welcher von der Antragsstellerin so im Wortlaut formuliert wurde, nicht etwa um einen offiziellen EU-Beschluss! Das Protokoll jenes Antrages entstammt einer Sitzung des „Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Sicherheit und Verteidigung“, welches aus etwa 30 Personen besteht, die zudem noch einen Verschwörungstheoretiker als Sachverständigen einluden.

Im Endeffekt also nur das Protokoll einer ungewöhnlichen Sitzung eines EU-Ausschusses vor 20 Jahren, welches keine Folgen hatte.

Artikelbild: Shutterstock / Tashatuvango
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