Grüß Gott bald verboten?

Das „Grüß Gott Verbot“: Ein Faktencheck“!

Von | 25. Juli 2019, 9:41

Den Nordlichtern dürfte es egal sein, jedoch im süddeutschen Raum, sowie auch Österreich, gilt „Grüß Gott“ als feste Grußformel. Und diese soll laut einem Kettenbrief nun verboten werden.

Weil sich muslimische Mitschüler beleidigt fühlen, dürfe man ab kommendem Schuljahr in Baden-Württemberg an Schulen nicht mehr „Grüß Gott“ sagen.

Neben dem „Grüß Gott“ Verbot liest man in dem Kettenbrief noch die Aufforderung, dass sich Einwanderer anzupassen haben und dass dieses Verbot zu weit geht. Was genau in dem Kettenbrief zu lesen ist:

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Nachdem die „Zigeunersauce“ wegen Diskriminierung umbenannt werden soll…

!!!Bitte Durchlesen, gerade unsere Moslems etc. hier!!!

Da hat sich Jemand was vom Herzen geschrieben. Und Recht hat sie. Das ist der HAMMER!!! (kommt von einer jungen Lehrerin!)
Liebe verantwortliche Landes- und Bezirksschulräte und Politiker, liebe Ausländer! Wenn wir nicht mehr ‚Grüß Gott‘ sagen dürfen, gibt es nur eine Alternative:
Ihr habt das RECHT, Deutschland zu verlassen, wenn es euch nicht passt!
Schön langsam sollten auch wir in Deutschland wach werden! Zu Schulbeginn wurden in Stuttgarter Schulen, die Kinder von ihren Klassenvorständen informiert, wie man sich in der Gesellschaft zu verhalten hätte. Grüßen, Bitte und Danke sagen, einfach höflich und freundlich sein. Soweit in Ordnung, aber des Weiteren wurde ihnen auch mitgeteilt, dass das uns in Baden Württemberg vertraute ‚Grüß Gott‘ nicht mehr verwendet werden darf, da das die moslemischen Mitschüler beleidigen könnte.
Dazu kann man als Otto Normalbürger eigentlich nichts mehr anfügen und nur mehr den Kopf schütteln.
Ich kann’s gar nicht glauben. Ist aber wahr. Ihr könnt Euch gerne in Stuttgart in den Volksschulen erkundigen.
EINWANDERER UND NICHT DIE Deutschen SOLLEN SICH ANPASSEN!

[…]

Screenshot Mimikama.at

Screenshot Mimikama.at

Der Kettenbrief ist noch um einiges länger, wird haben ihn auf das Wesentliche an dieser Stelle gekürzt dargestellt. Der Kettenbrief in voller Länge ist hier zu finden.

Der Faktencheck!

Kann man diese Grußformel verbieten? Haben Muslime ein Problem damit? Unsinn! Wir haben es hier mit einem sehr alten Kettenbrief zu tun, der komplett falsch ist. Dieser reicht weit zurück und wir haben bereits im April 2013 das erste Mal darüber berichtet (hier).

Das „Grüß Gott“ Verbot in dieser Form mit der Angabe aus Baden-Württemberg geht auf das Jahr 2011 zurück. Seinerzeit wurde der Kettenbrief schon in dieser Form verteilt, verschiedene Medien haben damals schon den Inhalt als Falschmeldung entlarven können. DIE WELT schrieb über den Kettenbrief:

In Baden-Württemberg herrscht Sorge um die landesübliche Grußformel „Grüß Gott“. Die Landesregierung sah sich jetzt zu einer Beschwichtigung der besonderen Art veranlasst: Der süddeutsche Segensgruß werde nicht verboten, hieß es aus der Staatskanzlei. … Ammicht Quinn stellte klar: „Eine Anweisung gegen das ‚Grüß Gott‘ ist in Baden-Württemberg undenkbar. Und es haben sich im Übrigen auch nie Muslime darüber beschwert, dass im Namen Gottes gegrüßt wird.“ Fremdenfeindliche Ängste würden in der „böswilligen Mail“ gezielt aufgegriffen und geschürt.

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Auch das tagblatt.de verööfentlichte einen Artikel dazu:

Stuttgart Schneckenpost aus Österreich: 2008 landete im Nachbarland ein Kettenbrief in E-Mailpostfächern, in dem sich eine Lehrerin beschwerte, weil an Schulen ein Grüß-Gott-Verbot verhängt worden sei. Gegen die Grußformel gelte der Bann, „um moslemische Mitschüler nicht zu beleidigen“. Eine Schimpftirade über Ausländer, die sich gefälligst anpassen sollen, folgt. Die Hetze fiel auf fruchtbaren Boden: Adressaten hielten den Brief für echt, beklagten sich bei Behörden über das angebliche Verbot und kommentierten im Internet: „Wer sich nicht anpasst, soll verschwinden!“ … Die Stuttgarter Mail sei eine „regional angepasste Variante der österreichischen Kettenbriefe“, sagt Frank Ziemann vom Hoax-Infoservice der TU Berlin. Hoax steht für eine gefälschte Mail.

Ursprung: Österreich!

Wer genau liest, erkennt an der Wortwahl, dass der Kettenbrief dynamisch geworden ist. Sein Ursprung liegt nicht in Deutschland, sondern in Österreich. Dass kann man wunderbar an Begriffen wie Volksschulen anstatt Grundschulen oder “reklamieren” und “Reklamierer” anstatt “beschweren” und den “Beschwerern” erkennen.

Und tatsächlich hat der ORF bereits über diesen Kettenbrief im November 2008 berichtet. Damals lautete es:

Immer wieder tauchen Falschmeldungen auf, wonach es an manchen Linzer Schulen Kindern verboten sei, „Grüß Gott“ zu sagen. Recherchen des Landesschulrats ergaben, dass das absolut unzutreffend sei.

Heute, also mehr als 10 Jahre späte, kann man deutlich erkennen: Dieses „Grüß Gott“ Verbot hat nie stattgefunden, der Kettenbrief und die damit geschürte Wut hat jedoch überlebt.

 

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