“Grünen-Politikerin verteidigt Mord an vergewaltigter Studentin” lautet die Falschmeldung. Doch Vorsicht! Ein Screenshot dieser Falschmeldung  hat ein Eigenleben entwickelt. Abgekoppelt von seiner Quelle und der ursprünglichen Intention ist dieser Screenshot nicht mehr zu verstehen und kann die eigentliche Wirkung, zu welcher er erfunden wurde, nicht mehr leisten.

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Fassen wir zunächst den Screenshot. Sebnst wenn man die Herkunft des Screenshots NICHT kennt, so kann man ihn problemlos als Fake identifizieren. Drei mehr oder weniger einfache Punkte beweisen, dass es sich um eine Fälschung handelt:

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1. Der Name

Es gibt keine Politikerin der GRÜNEN, die diesen Namen trägt. Eine einfache Google-Suche nach dem Namen bringt kein Ergebnis in diese Richtung [1].

2. Der Tweet

Wer mit Twitter bereits in Berührung gekommen ist, erkennt direkt: so einen Tweet kann es nicht geben! Twitter hat eine Begrenzung von maximal 140 Zeichen pro Tweet, dieser angebliche Tweet liegt mit 164 Zeichen weit darüber.

3. Das Foto

Die Suche nach dem Gesicht hat ergeben: es handelt sich um ein sogenanntes Stockfoto, also ein Bild aus einer Bilderdatenbank. Dieses Foto ist beispielsweise bei Pixabay zu finden und wird auf einer Vielzahl von Webseiten verwendet [2].

So weit hätte man also schon den Screenshot entlarven können. Doch wir gehen weiter und bringen ihn zu seiner Herkunft zurück:

Der Mosel-Kurier

Das ist eigentlich dass Schlimmste, was dem Projekt “Mosel-Kurier geschehen konnte: ein Bild wird ohne seine Herkunft geteilt. Abgekoppelt und selbstständig in Form eines Screenshots. In seiner ursprünglichen Form, also nicht als Screenshot, wirkt dieses Bild als Vorschaubild auf Facebook und wenn man es anklickt, öffnet sich folgende Information der Webeite Mosel-Kurier:

REINGEFALLEN!!!!!!

Tjaha, so schnell kann’s gehen. Da biegt man einmal auf Facebook falsch ab und fällt auf eine Fake News Seite rein. Das ist nicht schlimm und Du bist nicht dumm. Aber es gibt da draußen wahnsinnig viele Leute, die Dich dafür instrumentalisieren wollen, dass Du ihre Botschaften verbreitest. Das können die gerne machen, aber dann sollen sie Dich auch dafür bezahlen. [3]

Dies ist übrigens bei allen Artikeln des Mossel-Kuriers so: es handelt sich um ein Projekt, in dem reißerische Fakenews in den Vorschauelementen auf Facebook zu sehen sind, wenn man diese dann anklickt, wird man auf eine Seite mit einer erklärenden Auflösung geleitet.

Wer steckt dahinter?

Dies haben wir bereits in einem anderen Artikel schon beschrieben: nach Angabe der Seite “Moselkurier” ist im Impressum ein “Alfonso Mbambe”. Hierzu gibt es auch ein ganz tolles Erklärvideo, wer dieser Alfonso sein soll.

Doch Vorsicht, dieses Video ist natürlich ebenso Unsinn. Die recht junge Webseite “Moselkurier” weist zwar bereits so einige knackige Fake-News auf, der älteste Artikel stammt jedoch vom 30. November 2016. Die echte Impressumsanschrift ist in diesem Falle die Turbokultur GmbH in Berlin. Turbokultur beschreibt sich selbst:

Turbokultur entwickelt unkonventionelle Kommunikations-Strategien, produziert Branded-Entertainment Inhalte und vermarktet diese im Web. Durch eine Prise Humor inklusive Überraschungseffekt katapultieren wir den Content mit dem einflussreichsten Blog für Webkultur SchleckySilberstein und angeschlossenem Influencer Netzwerk in die sozialen Medien.

Ob frische Werbekampagne, Content-Format oder Social-Media-Konzept. Wir entwickeln die Inhalte, die auch Ihre Zielgruppe mit einem “Aha!“ quittiert. Damit Sie zum talk-of-the-town werden. Und Marken wieder cool sein können.

PSSSST!
Unser Lieblings-Projekt “Bohemian Browser Ballett” ist aktuell das lauteste Web-Comedy-Angebot im Netz.

Aha, und wenn man nun genauer hinschaut, dann findet man auf der Webseite der Turbokultur GmbH den Moselkurier unter der Rubrik “Bohemian Browser Ballett” wieder. Sprich: beim Moselkurier handelt es sich letztendlich garantiert um ein Projekt, welches für einiges an Aufsehen sorgen wird. Gewollt – mit Pointe und Knalleffekt am Ende. Wir lassen uns überraschen.

Bester Test: kopiere mal den Link „www.moselkurier.de“ auf Facebook in das Beitragsfeld und schaue, was sich für ein Vorschaubild lädt. Ebenso empfehlen wir also Lektüre hierzu „Schlecky Silberstein”.

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-Mimikama unterstützen-