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Dieser Statusbeitrag möchte Facebook Nutzern Glauben machen, dass es sich bei Pokémon Go um eine hinterlistige, manipulative Falle handele.

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Der Statusbeitrag als Wortlaut: (sic!)

HÖRT AUF POKEMON GO ZU SPIELEN DAS IST EINE FALLE !!! Der Gründer der App ist ein CIA Agent. Sie sammeln eure Informationen und sie wissen genau wo du bist. Hier in der Türkei wurden die Meistens Pokemons in die Moscheen verlegt ? komisch oder ? Sie können die Pokemons so verlegen das sich eine größere Menschen Masse zum Punkt versammelt und ein Selbstmordattäntäter hat es ganz leicht !!!!! Es gibt schon einige todesfälle wegen der App da sich einige wegen eines pokemnons gestritten haben… glaubt mir das ist nichts gutes

Stimmt das?

Der erste, in Caps Lock verfasste Ausruf hat noch keinerlei argumentativen Gehalt, dafür wird es im nachfolgenden Satz abenteuerlich:

“Der Gründer der App sei ein CIA Agent.”

Pokémon Go wurde von der US-amerikanischen Firma Niantic entwickelt. Der Gründer heißt John Hanke, und ist weniger bei einem Geheimdienst tätig, als vielmehr ein ehemaliger Google-Mitarbeiter

“Pokémon Go „sammel[t] eure Informationen und sie wissen genau wo du bist“.

Ja genau und zwar wenn GPS und WLAN eingeschaltet sind. Das tun zahlreiche andere Apps auch, und den Berechtigungen habt ihr, sofern ihr das Spiel auf eurem Smartphone installiert habt, ausdrücklich zugestimmt. Insbesondere mit deutschem Recht ist diese Praxis übrigens nicht vereinbar, wie bereits die Zeitschrift c‘t klarstellte.

Nichtsdestotrotz ist eine Panik maßlos übertrieben – Ähnliche Datenschutzbestimmungen fehlen auch Google und damit auch jede Gewissheit, wie eure Daten, die ihr durch Google Maps Navigation, Google Drive Nutzung und bloßer Google Recherche preisgebt, genutzt werden.

Der nächste Punkt des Facebook Beitrags behauptet, dass in der Türkei Pokémon in Moscheen verlegt worden seien.

“Hier in der Türkei wurden die Meistens Pokemons in die Moscheen verlegt”

Dafür muss man sich mit dem Prinzip, wann welche Pokémon wo erscheinen, etwas auskennen. Die Orte, an denen Pokémon erscheinen, Arenen oder sogenannte Pokéstops zu finden sind, sind an Datensätze aus dem augmented reality Spiel „Ingress“ angelehnt.

Millionen Nutzer dieses Spiels haben also mehr oder weniger aktiv daran mitgewirkt, wo Pokémon erscheinen.

Es sind also Pokémon in Moscheen zu finden, aber nicht, weil Niantic sie dorthin „verlegt“ hat, sondern weil Spieler diese Orte als „Portale“ für Ingress vorgeschlagen haben.

Um die Pokémon zu fangen muss man die, beispielsweise Moschee, übrigens nicht(!) betreten.

In den nächsten Sätzen des Beitrags wird behauptet, dass ein Selbstmordattentäter es damit einfach habe, gezielte Menschenmassen ausfindig zu machen.

“Sie können die Pokemons so verlegen das sich eine größere Menschen Masse zum Punkt versammelt und ein Selbstmordattäntäter hat es ganz leicht”

Ja, das stimmt prinzipiell, in der Theorie. In der Praxis ist es so, dass häufig besuchte Orte und Parkanlagen die gleiche (minimale!) Wahrscheinlichkeit vorzuweisen haben. Um ein vielfaches wahrscheinlicher ist es, von einem Blitz getroffen zu werden, zumindest, wenn man in einem sicheren Land wie Deutschland oder einem anderen europäischen Land lebt.

Die im letzten Abschnitt erwähnten Todesfälle durch Pokémon Go beziehen sich nicht, wie der Beitrag fälschlicherweise impliziert, auf Terroranschläge, sondern auf die Unachtsamkeit diverser Nutzer der App während des Fangens von Pokémon.

Und das ist „wirklich nichts [G]utes“, wenn Menschen, statt beispielsweise auf den Straßenverkehr zu achten, konzentriert auf den Bildschirm ihres Smartphones starren und ihre Umwelt gänzlich ausblenden.

“Es gibt schon einige todesfälle wegen der App da sich einige wegen eines pokemnons gestritten haben”

Diese Entscheidung ist eine reale Gefahr, aber durch verantwortungsvollen Umgang beeinflussbar.

Fazit:

Der Beitrag stützt sich auf bloßen, willkürlichen Behauptungen. Ob dieser Beitrag aus Unwissenheit oder bewusst gestreut wurde, können auch wir nicht sagen!

Die Datenschutzbestimmungen von Pokémon Go haben in der Vergangenheit bereits massive Kritik erfahren, die fehlenden Richtlinien zum Schutz der Privatsphäre fehlen aber auch in vielen anderen Apps und sind kein Indikator dafür, dass Pokémon Go ihre Nutzer ausspioniert um Selbstmordattentätern in irgendeiner Form zu zuspielen.

Autor: Lena F., mimikama.at