Ungeklärt!
Ungeklärt!

Ein Bild sorgt für Aufregung in vielen Ländern: Eine Gruppe von Menschen grillt auf einem Friedhof.

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Das Bild tauchte Ende April 2019 auf und wurde auf verschiedenen Twitteraccounts und Facebookseiten auf verschiedenen Sprachen veröffentlicht. Einigkeit herrschte aber überall: Dieses Bild zeigt angeblich Migranten, die christliche Gräber schänden.

Besonders interessant an diesem Bild: Egal, in welchem Land es veröffentlicht wurde – immer wird behauptet, dass es sich dabei um einen heimischen Friedhof handelt.

Screenshot: Facebook
Screenshot: Facebook

Man nehme also ein Bild ohne Herkunftsnachweis und ohne Kontext, paare dies mit einer dramatischen Aussage und bette es in ein bestehendes Narrativ. Schon entsteht eine länderübergreifende Geschichte.

Bildanalyse

Schauen wir nochmals genauer auf das, was auf dem Bild zu sehen ist. Leider sind weder Inschriften, noch deutliche Merkmale zu erkennen.

Was wir sehen: Das Bild wurde in einer humiden und hügeligen, ländlichen Landschaft aufgenommen. Anhand der Kleidung und der Bäume wurde es nicht im Winter aufgenommen. Ein Blütenstand ist nicht erkennbar.

Herkunft: Ungeklärt!

Wo genau dieses Bild aufgenommen wurde, ist nicht hinreichend geklärt – auch wenn verschiedene Quellen Serbien als Ort angeben. Am 28. April 2019 wurde auf der Webseite des Online-Newsmagazins Telegraf.rs ein Artikel zu diesem Bild veröffentlicht (siehe hier).

Telegraf.rs nennt einen Friedhof in der Nähe der Stadt Šabac in Zentralserbien an der Grenze zu Bosnien und Herzegowina als Ort des Geschehens. Um welchen Friedhof es sich genau handelt, bleibt offen. In Šabac gibt es drei Friedhöfe: novo groblje, Donjošorsko groblje und den muslimischen Friedhof. Letzterer kann es nicht sein, da auf dem Foto Kreuze zu sehen sind.

Das Foto wurde in einer eher ländlichen und hügeligen Region aufgenommen. Das trifft auf die Friedhöfe von Šabac aber nicht zu.

Hügeliger wird es erst ca. 20 km südlich von Šabac. Da nicht auszuschließen ist, dass dieses Foto vielleicht aus der südlicheren Region von Šabac stammt, haben wir die Redaktion des Telegraf.rs angeschrieben und gefragt, ob sie den genauen Standort kennen und uns hier helfen können.

Grillen auf dem Friedhof

Um den genauen Anlass zu klären, müsste man wissen, wann und wo dieses Bild aufgenommen wurde. Da im Hintergrund ein Camping-Klapptisch mit Sitzgelegenheit zu erkennen ist und auch der Grill nicht sehr improvisiert aussieht, dürfte es sich um einen geplanten Ausflug handeln.

Die Webseite hronograf.net, die die Szene ebenfalls nach Serbien verortet, beschreibt eine heidnische Sitte, bei Begräbnissen Speisen und Getränke anzubieten. Dies werde jedoch von der orthodoxen Kirche streng verboten.

Dennoch gibt es in Südosteuropa eine Tradition, zur Erinnerung der Verstorbenen auf dem Friedhof ein Picknick zu veranstalten. Davon sprechen beispielsweise die Blogartikel auf Youthreporter.eu und Mein Kiew Blog. Das spräche tatsächlich für die Theorie, dass diese ungewöhnliche Situation in Südosteuropa aufgenommen wurde.

Weitere Traditionen

Was für viele Menschen in Mitteleuropa befremdlich anmutet, ist in anderen Teilen der Welt ein wichtiges Kulturgut. Es gibt tatsächlich Traditionen, die Feierlichkeiten auf Friedhöfen beinhalten – beispielsweise der „Día de los Muertos“ (Tag der Toten), der in Mexiko sogar von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe eingestuft wurde (vergleiche).

Der Día de los Muertos erinnert an die vorübergehende Rückkehr verstorbener Verwandter und Lieben zur Erde. Die Feierlichkeiten finden jedes Jahr von Ende Oktober bis Anfang November statt. Familien erleichtern die Rückkehr der Seelen zur Erde, indem sie Blumenblätter, Kerzen und Opfergaben auf dem Weg vom Friedhof zu ihren Häusern legen.

Die Lieblingsgerichte der Verstorbenen werden zubereitet und um das Grab platziert. Auch in Equador oder Peru (Südamerika) gibt es nachweislich Feierlichkeiten auf Friedhöfen.

Fazit

Es bleibt weiterhin offen, wo, wann und warum dieses Bild aufgenommen wurde. Das Bild selbst liefert leider zu wenig Informationen über die eigene Herkunft. Die häufig genannte Angabe Šabac in Zentralserbien kann zwar nicht nachvollziehbar bewiesen werden, einige Indizien sprechen jedoch dafür.

Deutschland als Ort der Aufnahme ist eher auszuschließen, Südosteuropa ist durchaus möglich. Allerdings lässt sich das allein anhand des Bildes nicht mit Sicherheit sagen. Dennoch sprechen die lokalen Bräuche unter Umständen dafür.

Sobald wir weitere verifizierbare Informationen haben, erweitern wir den Artikel.

 

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