Seit Tagen bekommen wir Anfragen zu einem Gewinnspiel auf Facebook.

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Es handelt sich dabei um einen Statusbeitrag vom 22.1.2018, der im Moment immer wieder geteilt wird. Bei dem Statusbeitrag geht es darum, dass man Nutzer sucht, die ihr Badezimmer renovieren lassen möchten. Voraussetzung ist jedoch, dass dieses Badezimmer mindestens 10 Jahre alt ist!

Es handelt sich dabei um diesen Statusbeitrag auf Facebook:

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Der Statusbeitrag als Wortlaut:

Wir suchen ein Badezimmer älter als 10 Jahre für eine komplette Renovierung! Auslosung 20 Februar.
Like Vrouwen Dingen & antworte mit geteilt!

Doch stimmt das wirklich und handelt es sich dabei um ein seriöses Gewinnspiel?

Unser Faktencheck: Was uns sofort auffällt, es handelt sich dabei um eine Seite aus den Niederlanden, die sich “Win nu”nennt. “Win nu” bedeutet übersetzt: “Gewinne jetzt”.

Das jedoch nimmt man im ersten Moment gar nicht wahr, denn Facebook ist so nett und übersetzt automatisch Statusbeiträge in die jeweilige Landessprache des Nutzers. In unserem Falle wird uns also der Statusbeitrag auf DEUTSCH angezeigt. Dies ist auch der Grund, warum so viele Nutzer aus dem deutschsprachigen Raum an diesem Gewinnspiel teilnehmen.

Zu erkennen an dem Verweis: “Original anzeigen”

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Im Original sieht der Statusbeitrag so aus:

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Der Original-Statusbeitrag als Wortlaut

Wij zoeken een badkamer ouder dan 10 jaar voor een complete renovatie! Loting 20 februari.
Like Vrouwen Dingen & reageer met gedeeld!

Um am Gewinnspiel teilnehmen zu können, muss man als Nutzer den Statusbeitrag mit dem Wort Geteilt” kommentieren, sowie eine zusätzliche Facebook-Seite die sich “Vrouwen Dingen” nennt, liken. Die Verlosung selbst findet angeblich am 20. Februar statt!

Kann man nun was gewinnen?

Unserer Erfahrung nach können wir dies mit einem NEIN beantworten, denn es fehlen auf der genannte Facebook-Seite wichtige Hinweise, die man normalerweise in der “Info” sehen müsste. Diese ist aber leer!

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Es fehlen folgende Merkmale bzw. Informationen

  • Inhaber der Seite / Ansprechperson
  • Impressum
  • Kontaktmöglichkeit
  • Teilnahmebedingungen
  • Freistellung gegenüber Facebook

Hinweis: Seriöse Unternehmen beschäftigen sich mit dem Thema Gewinnspiele auf Facebook und stellen diese auch korrekt dar. Unter anderem achten seriöse Veranstalter darauf, dass ein Impressum, ein Kontakt sowie Teilnahmebedingungen zur Verfügung stehen, die auch aus rechtlicher Sicht notwendig sind.

Außerdem ist die genannte Seite voll mit anderen Gewinnspielen! Unserer Erfahrung nach werden hier nur LIKES gesammelt und dies nicht nur für die Seite “Win nu”- sondern auch für eine zweite Seite mit dem Namen “Vrouwen Dinge” und beide Seiten bekommen laufend neue “Likes”.

Fragt sich eigentlich keiner der Teilnehmer, bis WANN das Gewinnspiel stattfindet und wer eigentlich daran teilnehmen darf?

Fake-Gewinnspiele kann man recht einfach erkennen:

Ein Blick auf den Veranstalter reicht da völlig aus. Folgende Merkmale sind bei seriösen Gewinnspielveranstaltern vorhanden:

  • Inhaber der Seite / Ansprechperson
  • Impressum
  • Kontaktmöglichkeit
  • Teilnahmebedingungen

Bei der genannten Seite gibt es keine Angaben zu diesen Punkten.

Unsere Checkliste zu unseriösen Gewinnspielen auf Facebook:

  • Nutzer werden zum “Liken” und “Teilen” gezwungen
  • es gibt kein (glaubwürdiges) Impressum
  • keine Teilnahmebedingungen
  • keine Kontaktmöglichkeit
  • kein korrektes Unternehmen vorhanden
  • Seite existiert erst sehr kurz
  • Es werden keine Gewinner bekannt gegeben
  • Gewinne werden von Sponsoren zur Verfügung gestellt, die “nicht genannt werden wollen”
  • Die Gewinne werden mit kopierten Bildern aus dem Internet beworben
  • Achte bei (scheinbar) bekannten Unternehmen auf den häufig vorhandenen blauen Verifizierungshaken hinter dem Seitennamen im Titelbild

Was noch passieren kann

Merke: Warum gibt / gab es dieses Gewinnspiel? Natürlich steckt hinter diesen Seiten ein finanzielles Interesse. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man aus erfolgreich verlaufenden Fakegewinnspielen Profit schlagen kann. Angefangen von eher harmlosen Seitenverkäufen bis hin zu bösen Abofallen ist alles drin. Wir haben bisher bei sehr sehr vielen Fake-Gewinnspielen beobachten können, dass diese Art der Gewinnspiele immer recht ähnlich verlaufen. In einer ersten Stufe verführen sie mit ihrer einfachen Teilnahme. Man soll einen hochwertigen potentiellen Gewinn teilen und liken. Kann jeder, das ist keine Hürde. Damit werden Menschen angelockt.

Möglichkeit „Seitenverkauf” / „Likefarming”

Mit Hilfe dieser Lockveranstaltungen wird dann die Seite “gezüchtet”. Der Seitenbetreiber arbeitet daran, die Fanzahlen in die Höhe zu treiben. Ab einem bestimmten Punkt findet sich diese Seite dann zum Verkauf. Die Fans wundern sich lediglich irgendwann, welche Inhalte sie nach dem Verkauf zu Gesicht bekommen und warum sie diese Seite je gelikt haben.

Möglichkeit „Affiliate”

Ab einer bestimmten Teilnehmerzahl wird die Beschreibung des Gewinnspiels verändert. Die Teilnahmebedingungen bekommen einen Zusatz und meist wird ein Link eingefügt, den man besuchen soll. Dort warten dann irgendwelche Partnerprogramme, über welche der “Veranstalter” Provisionen einsackt. Im harmlosen Fall sind es Partnerprogramme, die dem Teilnehmer einen Haufen Werbung bescheren, im extremen Fall verbirgt sich für die Besucher via Smartphone eine WAP-Billing Abofalle hinter dem Link (bei welcher der Veranstalter natürlich ebenso Provisionen kassiert). Hin und wieder findet man diese hochgezüchteten Facebookseiten dann auch bei eBay zum Verkauf angeboten.

Egal was da noch passiert: Den angepriesenen Gewinn gibt es nicht! Daher merke Dir: es ist niemand da, der dieses Haus, dieses Wohnmobil, diesen Audi, 100.000 iPhones oder 50.000 PS4 verlost. Nein, es gibt sie nicht, diese ritterlichen Wohltäter des Netzes. Sie sind eher Gaukler, die ihre Nutzer dazu verleiten, brav wie Klickvieh aus der Hand zu fressen.

Na und – so ein Klick kostet doch nichts!

Ja, das stimmt. Ein Klick auf verführerischen Gewinnspielseiten kostet dich meistens nichts (wenn es nicht mal wieder eine Abofalle ist, die dahinter steckt). Wenn Du “es kostet nichts” rein über materielle Werte definierst, dann wird es wohl so sein.

Aber etwas kosten kann mehr als nur Geld sein, denn was es Dich hier kostet, ist unbezahlbar: Es kostet Dich die Würde – es kostet Dich Deine Glaubwürdigkeit.

Es kostet Dich Deinen Namen, wenn Du an schmierigen Gewinnspielen teilnimmst, bei denen Du in Deinem Inneren eigentlich weißt, dass sie Mist sind, aber Dein Verlangen so groß ist, dass Du am Ende doch klickst.

Es ist Dein innerer Zwang, dem Du unterliegst und alle Menschen können Deine Niederlage sehen – sie können alle sehen, dass Du Dich der hohlen Verlockung hingegeben hast. Und es wäre uns ein Leichtes, Euch hier öffentlich an den Pranger zu stellen. Alle würden Deinen Avatar und Deinen Namen sehen, denn Du hast Dich ja selbst dort verewigt und gezeigt, dass Du Dich der Seite hingegeben hast.

Du verrätst allen Deine finanzielle Situation, Du verrätst uns Deine Lebensplanung, selbst Deine Lieblingsfarbe nennst Du uns. Und für was? Für eine kleine lumpige Hoffnung, ohne großen Einsatz etwas zu gewinnen, für ein Stückchen Spannung „im Internet”? Für Dein Vertrauen in irgendwelche unbekannten Hinterleute, die Dir doch eigentlich gar nichts schenken wollen?

Nein, Geld kostet Dich der Klick hier nicht. Aber wenn Du Dich in Zukunft fragst, warum Dich der ein oder andere Mensch nicht mehr so ganz ernst nimmt, dann hast Du vielleicht doch teuer gezahlt.

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