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Nichts wird argwöhnischer betrachtet, wenn es um die Gesundheit geht, als Lebensmittel und deren Zusatzstoffe. Ganze Seiten und Youtube-Kanäle verschreiben sich dem Kampf gegen Chemie in Lebensmitteln.

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Eines der neueren Ziele ist der sogenannte Maissirup, ein angeblich gefährlicher Industriezucker, der zu vermehrten Diabetes-2 Erkrankungen führen soll.

Stimmt das? Werden wir nun alle dick und krank? Um das herauszufinden, lernen wir heute mal ein wenig Chemie!

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So schreibt die Seite „Netzfrauen“:

„Isoglucose soll besonders gesundheitsgefährdend sein. Isoglucose – auch bekannt als Maissirup oder high fructose syrup. (…) Dann können z. B. die amerikanischen Produzenten den europäischen Markt mit dem künstlichen Zucker, der vorwiegend aus Maisstärke hergestellt wird und viel gefährlichen Fruchtzucker enthält, regelrecht überzuckern. Besonders schon bei jungen Menschen könnte das vermehrt zu Typ-2-Diabetes führen.“

Die Antwort für alle Ungeduldigen

Maissirup ist ein Zuckersirup, der ein ähnliches Verhältnis von Fruktose und Glukose wie Trauben hat. Auch wenn es einen für manche Leute gruseligen Namen hat (High Fructose Corn Syrup = HFCS), bedeutet das nicht, dass es aus fiesen Chemikalien hergestellt wurde. Fruktose-Moleküle sind in jedem Produkt gleich, egal ob es sich um Honig, Früchten, Tafelzucker oder anderen Produkte handelt.

Maissirup besteht nur aus zwei Zuckerarten, die mittels Wasser verbunden werden. Die Fruktose und Glukose im Maissirup hat exakt dieselben Moleküle wie in allen anderen Produkten der Natur oder der Industrie. Es gibt keine stichhaltigen Studien, dass Maissirup dicker macht oder Diabetes-2 stärker fördert als alle anderen Produkte mit Zucker.


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Die ausführliche Antwort

Vorweg sei den Chemikern unter den Lesern gesagt, dass wir die Erklärungen stark vereinfachen, damit man kein Studium braucht, um den Text zu verstehen. Man möge es uns verzeihen.

Was ist Zucker?

In der Natur gibt es über zwanzig verschiedene Zuckerarten, aber für die menschliche Ernährung sind nur vier Zuckerarten nennenswert: Glukose (Traubenzucker), Fruktose, Galaktose und Ribose.
Alle anderen Zuckerarten können ignoriert werden, da sie von der menschlichen Darmflora immer in eines der vier oben genannten Zuckerarten zersetzt werden. Jeglicher Industriezucker besteht immer aus zwei oder mehreren der oben genannten Zuckerarten.

Beispiel Tafelzucker:
Das weiße Zeugs, das wir uns in den Kaffee schütten, nennt man Sukrose. Das ist nicht etwa eine besondere Zuckersorte, sondern besteht aus einem Molekül Glukose, welches an ein Molekül Fruktose gebunden ist. Wenn man den Zucker nun in den Kaffe gibt, spaltet dieser die Sukrose wieder in die beiden Bestandmoleküle, welche von unserem Körper verarbeitet werden können.

Beispiel Milch:
Einer der in Milch enthaltenen Zucker wird Laktose genannt und besteht aus Glukose und Galaktose. Wenn der Körper es nicht schafft, jene beiden Moleküle ausreichend voneinander zu trennen, beginnen die Bakterien im Dickdarm diese Verbindung zu vergären: man spricht von einer Laktoseintoleranz.

Eines noch, was man wissen muss

Der oben genannte Tafelzucker, also Sukrose, wird zum großen Teil auch in Lebensmitteln verwendet. Reine Fruktose aber ist 1.73x süßer als jener Tafelzucker. Somit braucht man mathematisch 58% weniger Zucker in einem Produkt, wenn man statt Sukrose reine Fruktose verwendet, um die gleiche Süße zu erhalten.

Was ist nun Maissirup?

Kurz gesagt besteht Maissirup aus 24% Wasser, der Rest besteht aus Fruktose und Glukose. Es gibt drei verschiedene Sorten von Maissirup (HFCS), welche verwendet werden:

1. HFCS 55 – enthält 55% Fruktose und 42% Glukose, findet man hauptsächlich in Softdrinks

2. HFCS 42 – enthält 42% Fruktose und 53% Glukose, findet sich in Getränken und Lebensmittel

3. HFCS 90 – enthält 90% Fruktose und 10% Glukose, findet sich in kalorienarmen Getränken, da durch die erhöhte Süße weniger Zucker gebraucht wird und somit 33% weniger Kalorien enthält

Warum wurde HFCS überhaupt entwickelt?

Erst einmal ist er weitaus billiger als Sukrose, also unser Tafelzucker, aber süßer, da er mehr Fruktose als Glukose enthält. Zweitens bindet er Flüssigkeit besser als Tafelzucker. Drittens kann man HFCS in flüssiger Form gewinnen, es karamellisiert nicht so schnell wie Tafelzucker.

Der wichtigste Punkt aber:
Durch die erhöhte Süße braucht man weniger Zucker, damit auch weniger Kalorien in Lebensmitteln, im Durchschnitt braucht man 20% weniger Zucker als normaler Tafelzucker.

Ist „natürlich“ aber nicht trotzdem besser?

Dazu rufen wir uns nochmal in Erinnerung, dass im Prinzip die komplette Natur aus Chemie besteht. Die Pflanzen, die Luft, Tiere, Menschen: alles Chemie. Zucker fand sich schon in der Natur, als das Wort „Chemie“ noch nicht mal erfunden war. Von Chemie zu sprechen, wenn ein Produkt im Labor zusammengebastelt wurde, macht wenig Sinn, wenn man natürliche Produkte bevorzugt, die aber auch nur aus chemischen Komponenten bestehen.

Werfen wir doch mal einen Blick auf einige natürliche Produkte:

  • Honig: 17% Wasser, 38% Fruktose, 31% Glukose, 7% Maltose, 1.3% Sukrose, 1.5% andere Zuckerarten. So gesehen ist Honig eine natürliche Form von HFCS.
  • Ahornsirup: 60% Zucker, davon sind 95% Sukrose, 4% Glukose, 1% Fruktose
  • Apfel: über 10% Zucker, davon sind 57% Fruktose, 23% Glukose, 20% Sukrose. Also eine weitere natürliche Form von HFCS.
  • Pfirsich: 8.4% Zucker, davon sind 57% Sukrose, 23% Glukose, 18% Fruktose
  • Birnen: 9.8% Zucker, davon sind 64% Fruktose, 28% Glukose, 8% Sukrose. Und wieder eine natürliche Form von HFCS.
  • Trauben: 15% Zucker, davon sind 53% Fruktose, 47% Glukose

Wie wir sehen, enthalten einige Naturprodukte sogar weitaus mehr Fruktose als der verteufelte Maissirup. Trotzdem liest man nirgendwo von ungesunden Trauben oder gefährlichen Äpfeln. Die Fruktosemoleküle im künstlich hergestellten Maissirup sind die gleichen Moleküle wie in Honig, Pfirsichen, Birnen und anderen Naturprodukten.

Fruktose ist Fruktose ist Fruktose. Egal, ob in der Natur oder im Labor. Da gibt es wirklich keinerlei Unterschied.

Aber Fruktose ist nicht gut! Oder?

Zuviel Zucker ist ungesund, darüber sind wir uns einig. Zuviel Fruktose ist demnach auch ungesund, z.B. führt es bei Menschen, die zu Gicht neigen, zu einer sogenannten Hyperurikämie, also einer Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut, welches Gicht auslöst oder verstärkt. Mehrere Studien haben sich den gesundheitlichen Auswirkungen von erhöhtem Fruktose-Gehalt in Lebensmitteln bereits angenommen, zusammenfassend ist zu sagen, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen erhöhtem Fruktose-Gehalt und diversen Krankheiten gibt. Zuviel Fruktose hat die gleichen Auswirkungen wie zuviel Tafelzucker: Es macht dick und schlimmstenfalls krank. Auch der Zusammenhang zwischen erhöhtem Fruktose-Gehalt und Diabetes-2 beruht auf mangelhaften Studien, die mehr auf epidemiologische Daten beruhen, also auf den gesundheitlichen Gesamtzustand einer Bevölkerungsgruppe, ohne auf Fruktose im Speziellen einzugehen, wie kritisiert wird.

Und jetzt müssen wir nochmal den Logikfehler in der Argumentation betonen:
Da Fruktose süßer als die anderen Zuckersorten ist, braucht man weniger davon in Lebensmitteln.

Tafelzucker wird nicht 1:1 durch HFCS ersetzt, da ein Produkt dann viel zu süß wäre. Man hat also dann weniger Zucker und somit auch weniger Kalorien im Lebensmittel.

Fazit

Im Prinzip wird der Maissirup also nur verteufelt, weil er aus einem Labor kommt. Chemisch aber ist der verbreitetste Maissirup fast gleichwertig mit normalen Trauben. Es ist nicht „natürlich“, also muss es böse sein, so die Kritiker, ohne sich mal ein wenig mit der Chemie dahinter befasst zu haben.

Wichtig ist immer noch der Gesamt-Zuckergehalt in einem Lebensmittel. Ist der sehr hoch, ist das nicht gesund. Durch die Verwendung von Maissirup wird der Zuckergehalt künftig in vielen Lebensmitteln niedriger werden, somit sind auch weniger Kalorien vorhanden. Es ist also im Prinzip etwas Gutes: Ein Laborprodukt, welches aber aus natürlichen Bestandteilen künstlich fabriziert wurde, sich aber von den Bestandteilen nicht viel von natürlichen Produkten unterscheidet.

Zucker aus Trauben zu gewinnen, um diesen zu verwenden, wäre im Prinzip dasselbe, aber viel zu teuer. Also stellt man es künstlich her. Ansonsten gibt es keinen Unterschied.

Wir wünschen euch einen Fruktose-süßen Tag.

Ausführlichere Quelle:
Sceptical Raptor’s Blog