Fressnapf: Dieses Foto ist uns seit Jahren bekannt, ebenso die Warnung, welche bereits seit Anfang 2016 geteilt wird
Fressnapf: Dieses Foto ist uns seit Jahren bekannt, ebenso die Warnung, welche bereits seit Anfang 2016 geteilt wird

Derzeit wird erneut ein Foto verteilt, welches vor giftigen Futterproben in Briefkästen warnt.

- Sponsorenliebe | Werbung -

Dieses Foto ist uns seit Jahren bekannt, ebenso die Warnung, welche bereits seit Anfang 2016 geteilt wird, die darin beschriebenen giftigen Futterproben wurden jedoch nie nachgewiesen, bzw. gefunden. Diese Warnung wurde in der Vergangenheit mehrfach auf WhatsApp in Form eines Kettenbriefes verteilt, trat aber auch immer wieder wellenweise auf Facebook als Statusmeldung auf.

Eine dieser Wellen tritt derzeit wieder auf, die Warnung wird in Form eines Screenshots ohne Statuskommentar verteilt. Insofern werden Alter und Herkunft des Bildes nicht deutlich. Der abgebildete Inhalt lautet:

“!!!!ACHTUNG !!!! Fressnapf hat Warnung gegeben !! Es werden Futterproben in Briefkästen verteilt, die angeblich von Fressnapf kommen .. Das ist Gift !!”

image

Stimmt das?

NEIN! Es wurden nie eine giftige Futterprobe nachgewiesen. Es handelt sich um einen Kettenbrief, bzw. mittlerweile sogar um eine urbane Legende.

Die Entstehung dieser Warnung ist am Ende jedoch schon ein Wahnsinn, denn das Problem ist schon ein wenig hausgebacken, da im Februar 2016 eine Information seitens der Facebookseite Fressnapf Solingen Werderstraße herausgegeben wurde, die lediglich auf Mutmaßungen basierte.

Unsicherer und unkonkreter kann ein Anlass für eine Warnung eigentlich kaum sein. Der ursprüngliche – und übrigens nie nachgewiesene – Inhalt lautet:

image

Man bemerkt beim Lesen bereits selbst, wie unkonkret hier geschrieben wird. Die Proben seien „angeblich” versendet worden und man spricht vom „norddeutschen Raum”. Ebenso wird schlichtweg spekuliert und ohne jeden Anlass das Schreckgespenst einer Giftwarnung aufgebaut. Nochmals, und das kann man retrospektiv nun anmerken, es wurden nie wirklich diese Art der Futterproben aufgefunden.

Andere Seiten und User haben auf Facebook diese Warnung nun auf ihre Weise interpretativ aufgenommen und aus den vagen Vermutungen und Konjunktiven auf einmal Bestätigungen und Indikative erstellt:

image

Wir haben seinerzeit beim Fressnapf Solingen Werderstraße DIREKT angefragt und haben am 29.2.2016 folgende Antwort bekommen:

29.2.2016: Antwort Fressnapf

Es handelte sich bei dieser Veröffentlichung laut Antwort um einen Bezug auf ein Internschreiben. Aus diesem konnte die Filiale in Solingen entnehmen, dass es versendete Päckchen gab und dass ein Foto dieser Päckchen intern vorliege.

Fressnapf Solingen Werderstraße

Unter anderem steht in diesem Schreiben: “Es gibt bisher keine Information ob das darin enthaltene Futter in irgendeiner Art manipuliert wurde.”

2.3.2016: Fressnapf Deutschland

Unterdessen ging die Warnung vor vergifteten Futterproben Anfang  März 2016 stark viral. Nochmals zur Erinnerung: Gift wurde nicht gefunden. Aufgrund der starken Viralität sah sich Fressnapf DEUTSCHLAND in Zugzwang und antworte auf auf der Facebookseite der Kette unzähligen User-Anfragen:

image

Man tappte also immer noch im Dunkeln, bat gleichzeitig jedoch potentielle Empfänger von Futtermittelsendungen, diese zu Untersuchungszwecken in einer Filiale abzugeben. Es wurden übrigens zu diesem Zeitpunkt weiterhin keine vergifteten Proben gefunden.

2.3.2016: Fressnapf Österreich

Wie es sich für eine gute urbane Legende gehört, muss diese natürlich grenzübergreifend sein. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich Menschen in Österreich Gedanken um vergiftete Futtermittelproben machten.  Der Statusbeitrag von “Fressnapf Solingen Werdersstraße” ist in Form eines Screenshots als Nutzeranfrage natürlich auch bei “Fressnapf ÖSTERREICH” angekommen:

image

Besonders pikant an dieser Stelle ist ein Kommentar, in dem von angeblich 22 solcher Futterproben in Wien die Rede ist. „Man habe gehört, dass …”. Einen entsprechenden Nachweis hierfür hat es übrigens nie gegeben, es darf die Frage gestellt werden, ob hier nicht die ursprüngliche Warnung in Form einer Eigendynamik auf Wien übertragen und mit der Zahl 22 konkretisiert wurde.

2.3.2016: Fressnapf Schweiz

Auch in der Schweiz geisterte die Meldung umher. Das Social Media Team für die Fressnapf Schweiz Facebookseite griff das Thema auf und ging ebenso auf verunsicherte Kunden ein. Der Inhalt der Statusmeldung ist jetzt nichts weiter Neues, man bittet weiterhin darum, eine solche Futtermittelprobe doch dringend zu Untersuchungszwecken abzugeben.

2016-03-03 18_41_22-Fotos

Was nun?

Eine vergiftete Futtermittelpackung wurde bis heute, also über zwei Jahre nach der ersten Warnung, nie hinreichend nachweislich abgegeben. Haben wir es, wie so häufig bei urbanen Legenden, mit einem Phänomen zu tun, das aus der Dynamik seiner selbst entstanden ist?

In dem Moment, als die Komponente des Gifts ins Spiel kam, bekam die Warnung natürlich eine gewisse Dramatik und erreichte auch eine größere Viralität. Diese Viralität kann man nicht mehr einfangen und sie hat bis heute überlebt. Überlebt in Form von Screenshots, welche weiterhin von Privatprofilen verteilt werden.

-Mimikama unterstützen-

Weil du diesen Bericht zu Ende gelesen hast…

Kannst du uns bitte einen kleinen Gefallen tun? Mehr Menschen denn je lesen die Artikel von mimikama.at, aber die Werbeerträge sinken rapide. Anders als andere Organisationen haben wir keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten so offen wie möglich halten. Der unabhängige Enthüllungsjournalismus von mimikama.at bedeutet jedoch harte Arbeit, er kostet eine Menge Zeit und auch Geld. Aber wir tun es, weil es wichtig und richtig ist, in Zeiten wie diesen Internetnutzer mit transparenten Informationen zu versorgen. Wir hoffen, dass du es schätzt, dass es keine Bezahlschranke gibt: Unserer Auffassung nach ist es demokratischer für Medien, für alle zugänglich zu sein und nicht nur für ein paar wenige, die sich dieses "Gut" leisten können. Durch deine Unterstützung bekommen auch jene einen Zugang zu diesen Informationen, die es sich sonst nicht leisten könnten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama.at auch weiterhin geben.

Folgende Unterstützungsmöglichkeiten bieten wir an: via PayPal,via Steady

TEILEN