Chimäre sind Geschöpfe der Mythologie: es handelt sich dabei um Mischwesen, die sich aus zwei verschiedenen Lebewesen zusammensetzen und eine fremdartige Erscheinungsform haben. Berühmte Vertreter der Gattung “Chimäre” sind wesen wie die Sphinx (Mischung aus Mensch und Löwe) aber auch die klassische Meerjungfrau (Fisch/Mensch).


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Mit einer fremdartig wirkenden Bebilderung gibt es nun seit wenigen Tagen die Information um Forscher, welche Chimäre erschaffen. Es handle sich dabei um Schweine als Organspender für Menschen. Gerade wegen der beängstigend wirkenden Artikelvorschau ist es interessant, auf die Informationen dieses Artikels zu schauen und woher diese Informationen stammen. Auf Facebook findet man folgende Artikelvorschau:

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(Vorschaubild: © Flickr/Chris Skitch)

Diese Vorschau gehört zu einem Artikel der Webseite Sott.net [1]. Sott.net schreibt nun:

Nach Angaben der Forscher sehen die Chimären, dessen DNA in einem frühen Zellstadium verändert wurde, wie übliche Schweineembryos aus. Das einzige, was sie von ihren Artgenossen unterscheidet, sei die Bauchspeicheldrüse, die vollkommen aus menschlichen Stammzellen bestehe.

Wenn man genauer hinschaut, dann erkennt man auch, dass der Artikel selbst nicht von Sott.net stammt, sondern in Bild und Wortlaut 1:1 von Sputnik News übernommen wurde [2]. Beide Artikel wurden am 07. Juni 2016 veröffentlicht und in beiden Artikeln liest man nun, dass ein nicht näher beschriebenes “Zee News” die Quelle der Informationen sei:

Wissenschaftlern von der Universität Kalifornien ist es gelungen, im Körper eines Borstentieres menschliches Gewebe zu züchten, berichtet „Zee News“.

Diese Quellseite ist jedoch weder verlinkt, noch genauer beschrieben, so dass eine gewisse Suche danach notwendig ist.

Zee News

Den Suchmaschinenergebnissen sei Dank: bei den genannten “Zee News” handelt es sich um ein indisches Nachrichtenformat der Zee Media Corporation. Auf dem Webangebot von Zee News findet sich dann auch tatsächlich der Inhalt, welcher von Sott.net und Sputnik beschrieben wird, doch hier klingt er irgendwie weniger dramatisch: hier zeigt niemand von Fabelwesen, sondern von menschlichen Organen, die in Schweinekörpern aufgezogen werden sollen [3]. Dieser Artikel, welcher nun die Vorlage für die deutschsprachigen Artikel darstellt, erschien am 06. Juni 2016.

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Wenn man nun den Text liest, dann bemerkt man, dass Sputnik aus diesem Artikel die Informationen bezogen hat, jedoch einige Passagen nicht mitgenommen hat. Speziell die Informationen darum, dass es auch kritische Stimmen zu diesem Projekt gibt, sind in der deutschen Übersetzung nicht aufzufinden.

Critics also say it could lead to the development of organ farms.

Zee News waren nicht die Ersten

In dem Zee News Artikel wird nun wiederum ein Mann zitiert: Pablo Ross. Diesem Mann wird die Führungsrolle des Projektes zugeschrieben und darauf verwiesen, dass er gegenüber der BBC bereits ein Interview gegeben hat. Auf eine Verlinkung hat man seitens Zee News verzichtet, aber eine Suche nach diesem Interview bringt ein Ergebnis: ebenfalls am 06. Juni 2016, jedoch zeitlich etwas früher, veröffentlichte die BBC einen recht ausführlichen Artikel zu diesem Thema, in dem ausführlich dieses Forschungsprojekt beschrieben wird [4]. Dieser Artikel trägt den Titel “US bid to grow human organs for transplant inside pigs” und ist ein Begleitartikel zu der BBC Reportage “Medicine’s Big Breakthrough: Editing Your Genes”.

Noch vor BBC

Bereits am 18 Mai veröffentlichte das US-amerikanische NPR (National Public Radio) einen Artikel über dieses Projekt. Der Artikel trägt den Titel “In Search For Cures, Scientists Create Embryos That Are Both Animal And Human” [5] und beschreibt ähnlich ausführlich wie der BBC Artikel die Vorgänge und lässt ebenso Kritiker des Projektes zu Wort kommen.

Wird es denn nun optische Chimären geben?

Das Bild, welches Sott.net und Sputnik in ihren Artikeln nutzen, zeigt natürlich kein zu erwartendes Wesen. Die Chimären werden hier eher auf Zellebene erschaffen. Das Bild, was beide nun nutzen, stammt von Flickr [6] und zeigt eine Skulptur der australischen Künstlerin Patricia Piccinini. Die Webseite “Medienkunstnetz.de” beschreibt die Werke der Künstlerin [7]:

In ihren Projekten, wie etwa »Mutant Genome Project« (1994), »Protein Lattice« (1997) , »SO2« (2000-2001) oder »We are family« (2003) zeigt sie auf, dass im Zeitalter von Bio- und Informationstechnologien die Unterschiede zwischen Natur, Technik, Wissenschaft und Narration verschwimmen. Mit unterschiedlichen Medien wie digitaler Fotografie, Silikon oder Plastik kreiert sie künstliche Tiere, die einerseits monströs, andererseits normal und alltäglich wirken.

Die Artikel von Sputnik und Sott.net beschreiben nun ein tatsächlich existierendes Forschungsprojekt, bleiben aber in ihren Beschreibungen extrem oberflächlich und auch ein wenig einseitig, da Kritik durch andere Wissenschaftler an dem Projekt völlig ausgeblendet wird. Der Fokus beider Artikel liegt dann augenscheinlich auf der dramatischen Bebilderung.

Wer tiefergehende Inhalte sucht, ist mit dem BBC-Artikel und auch dem NPR Artikel besser beraten:

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