Dieses Foto ist herzergreifend: Ein Kind schläft zwischen zwei Gräbern im Sand. Woher das Foto stammt, wissen jedoch die wenigsten.

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

Bereits vor drei Jahren ging dieses Foto durch die sozialen Medien. Es wundert daher nicht, dass es sich auch im Jahre 2018 wieder auf Facebook gefunden hat und Wellen der Empörung schlägt.

Es geht um das Foto des vermeintlich syrischen Waisenkindes, das am Grab seiner Eltern schläft. Dazu liest sich, heute wie früher, immer wieder der gleiche Text:

2018-03-26_21_51_08-CompatWindow
Bild im Klartext:

Surely this is going to be the most thoughtful photo you’ll ever see. A boy sleeping among his parents’ garves in Syria !!! And you think you have problems ????
Don’t care who’s right or wrong.. This needs to stop!!

Das wird sicher das meisten Foto, das du je sehen wirst. Ein Junge, der unter den Gräbern seiner Eltern in Syrien schläft!!! Und du denkst, du hast Probleme????
Egal, wer richtig oder falsch ist.. Das muss aufhören!!

Kollege Andre schreibt dazu:

Eine der ältesten Aussagen dazu stammt von Twitter (Januar 2014) und lautet “Meanwhile in Syria, a child sleeps between his parents.” (Unterdessen schläft in Syrien ein Kind zwischen seinen Eltern). Mit dabei immer die Information, dass es sich um die Gräber der Eltern des Kindes handelt. Auch auf Facebook gibt es unzählige Beschreibungen, welche über das Leid des Kindes klagen, wir können gar nicht alle wiedergeben. Doch stimmt das auch?

Genauer hingeschaut

Ohne groß zu erklären: Das Bild zeigt eine inszenierte Situation. Der Fotograf Abdel Aziz Al-Atibi hat dieses Foto aufgenommen, der abgebildete Junge ist sein Neffe. Er ist kein Waisenkind, die Gräber sind auch nicht echt, sondern Bestandteil eine Fotoprojektes.

Auf dem Portal  “Beirut.com” findet man folgende Aussage:

I’m a photographer and I try to talk about the suffering that is happening in society, it’s my hobby and my exaggeration is intended to deliver my idea
(Ich bin Fotograf, und ich versuche, das Leiden, das in der Gesellschaft geschieht, zu thematisieren. Es ist mein Hobby und meine Übertreibung soll meine Gedanken dazu verdeutlichen.)

Ferner haben das Bild und die Szene in ihrem Ursprung nichts mit dem syrischen Bürgerkrieg zu tun. Nach eigener Aussage schildert Abdel Aziz Al-Atibi, dass dieses Foto häusliche Gewalt (domestic violence) thematisieren sollte, jedoch bald darauf von Dritten in den Kontext des Bürgerkriegs gesetzt wurde.

It’s absurd how people can easily be manipulated without going back to the source and the facts.
Es ist absurd, wie einfach Menschen manipuliert werden können, ohne dass eine Quelle oder fakten genannt werden.

Um zu verdeutlichen, dass es sich bei diesem Bild um eine gestellte Szene handelt, lud der Fotograf ein weiteres Foto aus der Fotosession mit seinem Neffen auf seinen Instagram Account.

image

Zusammenfassend:

Ohne das Leid in Syrien schmälern oder kleinreden zu wollen: Dieses Bild zeigt keine Szene aus einem Bürgerkrieg, der Fotograf aus Saudi Arabien hat diese Aussage auch niemals im Sinn gehabt, sondern ein völlig anderes Thema damit darstellen wollen. Der Fotograf hat völlig bewusst dramatisiert, um die Aussage seines Bildes deutlicher darstellen zu können.

-Mimikama unterstützen-

Weil du diesen Bericht zu Ende gelesen hast…

Kannst du uns bitte einen kleinen Gefallen tun? Mehr Menschen denn je lesen die Artikel von mimikama.at, aber die Werbeerträge sinken rapide. Anders als andere Organisationen haben wir keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten so offen wie möglich halten. Der unabhängige Enthüllungsjournalismus von mimikama.at bedeutet jedoch harte Arbeit, er kostet eine Menge Zeit und auch Geld. Aber wir tun es, weil es wichtig und richtig ist, in Zeiten wie diesen Internetnutzer mit transparenten Informationen zu versorgen. Wir hoffen, dass du es schätzt, dass es keine Bezahlschranke gibt: Unserer Auffassung nach ist es demokratischer für Medien, für alle zugänglich zu sein und nicht nur für ein paar wenige, die sich dieses "Gut" leisten können. Durch deine Unterstützung bekommen auch jene einen Zugang zu diesen Informationen, die es sich sonst nicht leisten könnten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama.at auch weiterhin geben.

Folgende Unterstützungsmöglichkeiten bieten wir an: via PayPal, via Patreon, via Steady