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Finger weg von billigen Microsoft Office-Keys!

Von | 29. Januar 2019, 10:48

Der Anreiz ist groß: Bereits für unter 10 Euro bekommt man auf Verkaufsplattformen angeblich legale Keys für Microsoft Office.

Für interessierte Käufer scheint alles mit rechten Dingen zuzugehen. Auf Ebay beispielsweise findet man schon mit einer einfachen Suche diese Angebote. Es gibt bloß einen kleinen Haken bei der ganzen Angelegenheit: Man kauft nur einen Key – aber keine Lizenz!

Screenshot: mimikama.at

Screenshot: mimikama.at

Woher kommen diese Keys?

Für Microsoft Office gibt es mittlerweile ein Abo-Modell namens Office 365. Das bedeutet, dass man jährlich eine bestimmte Summe zahlt – anstatt das Office-Paket einmal zu bezahlen und dafür dauerhaft zu besitzen. Die Kosten schwanken zwischen rund 80 Euro jährlich für die Home-Version und rund 300 Euro für die Home & Business-Version.
Daneben gibt es noch Office 2019, das man nur einmalig zahlt, allerdings keine Upgrade-Option hat.
Da ist es natürlich reizvoll, sich für wenig Geld einen Key zu kaufen, der dazu auch noch dauerhaft gelten soll!

Die angebotenen Keys funtionieren sogar! Meistens jedenfalls, aber das ist trügerisch. Sie stammen aus sogenannten Volumenlizenzen, die an Firmen verkauft werden. Dies ist leicht daran zu ernennen, dass (wie beispielsweise oben oben im Screenshot) Keys für „Professional Plus“ angeboten werden. Allerdings gibt es dieses Paket gar nicht einzeln zu kaufen. Als normaler Nutzer kann man nur die „Home“ und „Home & Business“-Pakete käuflich erwerben.

Man erwirbt nur einen Key, keine Lizenz.

Der Key, also jener Zahlencode, den man dann per Email erhält, bewirkt erst einmal nur, dass die Office-Version aktiviert ist. Für den Nutzer ist alles augenscheinlich in Ordnung:
Das Produkt ist aktiviert, er kann es voll nutzen.

Das Problem ist nun aber, dass diese Keys immer mit einer bestimmten Lizenz verknüpft sind. Als ehrlicher Käufer hat man diese Lizenz schriftlich. Käufer jener Keys besitzen sie jedoch nicht, und da liegt der Hund begraben:
Die zu den Keys gehörigen Lizenzen sind nämlich meist nur von zeitlich beschränkten Test-Versionen oder sogenannten OEM-Versionen („Original Equipment Manufacturer“). Diese Versionen werden günstig an PC-Hersteller verkauft und sind eigentlich nur dazu gedacht, auf bestimmten PCs verwendet zu werden.

Die Freude ist meist nur von kurzer Dauer.

Online-Händler, die solche Keys anbieten, verschweigen sehr geschickt, dass man nur einen Key erwirbt, keine Lizenz. Und Microsoft ist nicht dumm – dort weiß man,  dass solche Keys illegal im Internet angeboten werden und geht aktiv dagegen vor.
Leider sind die Händler, die meistens im Ausland sitzen, oft nicht greifbar. Gegen die Käufer der Keys wurde zwar, wie Heise Online berichtet, bisher noch nicht vorgegangen (zumindest ist kein Fall bekannt), jedoch hat Microsoft eine andere Möglichkeit:
Das Unternehmen kann Keys, die offensichtlich illegal erworben wurden (denn der Handel damit ist illegal!), deaktivieren!
Die Folge: Die Office-Version funktioniert nicht mehr, der Käufer ist sein Geld los!

Aber die Anbieter sagen doch, dass es legal ist?

Die Anbieter begründen die Legalität der Verkäufer meistens mit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes:

Screenshot: mimikama.at

Screenshot: mimikama.at

Dieser Screenshot stammt aus einer aktuellen Verkaufsanzeige auf Ebay.
Soweit ist die Begründung ja auch richtig, wenn es da nicht auch hier ein kleines Problem gäbe:
Die Lizenzen stammen oftmals von außerhalb der EU, und das Urteil gilt nur für Lizenzen, die innerhalb der EU in den Verkauf gebracht wurden.
Klein, aber fein bekommt der Nutzer sogar den Hinweis, dass die Keys auch schon einmal benutzt wurden … Wenn Microsoft feststellt, dass jener Key vorher in einer Firma in einem anderen Land außerhalb der EU aktiviert war, jetzt aber auf einem Heim-PC innerhalb der EU läuft, dauert es nicht mehr lange bis zur Deaktivierung.

Screenshot: mimikama.at

Screenshot: mimikama.at

Fazit

So reizvoll es auch ist, sich günstig eine lebenslange Lizenz für Microsoft Office zu holen: Lasst die Finger davon. Zwar funktionieren die Keys tatsächlich, aber oftmals hat man nicht lange Freude an dem aktivierten Produkt. Microsoft geht schon seit Jahren gegen solche illegal gehandelten Keys vor. Den Nutzern bringt es dann auch nichts, bei Microsoft anzurufen, um das Produkt wieder zu aktivieren – denn man hat ja gar keine gültige Lizenz erworben, sondern nur einen Key.

Unser Experte aus der Musikredaktion meint dazu:

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