Will das Familienministerium „Vater“ und „Mutter“ abschaffen?

Von | 25. Juli 2019, 11:33

Die Kommentare reichen von „Genderwahnsinn“ und „Gendergaga“ bis hin zu handfesten homophoben Beleidigungen: Angeblich sollen die Begriffe „Mutter“ und „Vater“ abgeschafft werden!

Erst jetzt bekommen wir viele Anfragen dazu, ausgelöst durch einen Artikel der Seite „Manntastisch„, obwohl das Thema bereits im Mai aufkam, im Juni sich dann seitens diverser Parteien darüber aufgeregt wurde. Doch die künstliche Aufregung ist vollkommen sinnlos:

„Mutter“ und „Vater“ werden nicht abgeschafft! Es geht nur um einen Vorschlag für die Änderungen von Formularen, um Solidarität zu zeigen und das Thema nicht zu tabuisieren!

Auch wenn dies nahezu marktschreierisch behauptet wird, wie hier beispielsweise von Beatrix von Storch (AfD):

Oder hier von der CSU:

Völlig irre: Mutter und Vater sollen zu Elternteil 1 und Elternteil 2 werden. So empfiehlt es das SPD-geführte…

Gepostet von CSU (Christlich-Soziale Union) am Donnerstag, 13. Juni 2019

Wie kommt es zu dieser Behauptung?

Angefangen hat es mit dem „Regenbogenportal„, einer Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ). Auf dieser Seite gibt das Ministerium Informationen zu den Themen „gleichgeschlechtliche Lebensweisen“ und „geschlechtliche Vielfalt“.
Eltern, Lehrer, aber auch Schülerinnen und Schüler werden mit Portal angesprochen, um sich mit den Thematiken auseinanderzusetzen. Ziel ist es, dass nicht nur Schüler nicht mehr wegen ihrer sexuellen Einstellung gemobbt werden, sondern dass auch Lehrer, Erzieher und Eltern mehr von einem Schubladendenken abkommen.

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Bereits im Mai wurde die Diskussion erstmal durch die Seite „kath.net“ angeheizt, die berichteten, dass es „dem Familienministerium um die Abschaffung von Mann und Frau, von Ehe und Familie und auch um die Abschaffung von Vater und Mutter“ gehe, so der Leiter der christlichen Initiative „Kinder in Gefahr“.

In einem Artikel des im Mai gestarteten „Regenbogenportal“ werden speziell Lehrkräfte angesprochen, wie sie ein Umfeld schaffen können, in dem sich auch nicht-heterosexuelle Schülerinnen und Schüler wohlfühlen.
Ein kleiner Satz in diesem Artikel sorgte nun für die große Aufregung:

Screenshot: mimikama.at, Quelle: Regenbogenportal

„Die mangelnde Sichtbarkeit von LSB (Lesben, Schwule, Bisexuelle) im sozialen Umfeld von Schüler_innen verstärkt viele Vorurteile. Lehrkräfte können diesen entgegen wirken und solidarisches Verhalten fördern, indem sie zum Beispiel in Formularen auf geschlechtsneutrale Formulierungen achten (beispielsweise „Elternteil 1 und 2“ statt „Mutter und Vater“).“

Konkret geht es also nur um einen Vorschlag für die Änderungen von Formularen, um Solidarität zu zeigen und das Thema nicht zu tabuisieren!

Auch das BFMSJ äußerte sich auf Facebook zu den Vorwürfen, die Begriffe „Vater“ und „Mutter“ solle abgeschafft werden:

Klarstellung zur aktuellen Debatte um die Formulierung "Elternteil" in Formularen

Gepostet von Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Donnerstag, 13. Juni 2019

„Bei der Bezeichnung von „Elternteil 1“ und „Elternteil 2“ geht es lediglich um einen Oberbegriff in einem Behördenformular. Jede Mutter bleibt Mutter und jeder Vater bleibt Vater. Daran etwas zu ändern, steht überhaupt nicht zur Debatte. Selbstverständlich sprechen wir im Alltag und wenn wir uns unterhalten weiterhin von Müttern und Vätern. In Formularen können mit dem Begriff „Elternteil“ aber alle Familienkonstellationen wert- und hierarchiefrei berücksichtigt werden. Beim Elterngeld-Antrag ist das übrigens schon seit Jahren überall in Deutschland gelebte Praxis und klappt bei 1,8 Millionen Eltern reibungslos.“

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Fazit

Die ganze Empörung ist also absolut sinnlos. Die Begriffe „Mutter“ und „Vater“ sollen nicht abgeschafft werden, auch wird nicht gefordert, sondern nur vorgeschlagen, geschlechtsneutrale Bezeichnungen in Formularen zu verwenden.
Im Übrigen wird auch nur bei einem Vorschlag bleiben, da der Bereich „Bildung“ vor allem Ländersache ist, der Bund somit ohnehin kein wirkliches Mitspracherecht hat, wie die einzelnen Länder ihre Formulare gestalten.

Artikelbild: Shutterstock / Von Bjoern Deutschmann
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