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Gewaltvideos auf Facebook sind mittlerweile an der Tagesordnung. Insbesondere, wenn man sie als Propaganda verwenden kann, lässt so manche Seite jegliche Skrupel fallen und kommentiert nur vage, um nicht als Fake-News dazustehen. Ein aktuelles Beispiel haben wir hier.

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So postete die Seite „Kundgebungen“ das Video einer Überwachungskamera, auf dem zu sehen ist, wie mehrere dunkelhäutige Personen augenscheinlich eine ältere Frau und einen jüngeren Mann überfallen.

Was genau geschehen ist, wird von „Kundgebungen“ nicht gesagt, sondern nur lapidar kommentiert:

Sowas hat Merkel uns in’s Land geholt. Teilen, damit andere es auch sehen. #merkelmussweg – Hinterlasst ein „Gefällt mir“ wenn ihr mehr sehen wollt! Wir zeigen, was andere Euch verschweigen. Wir sind Eure Stimme – Die Stimme des Volkes!

Ist dies ein aktuelles Video aus Deutschland?

Zuerst zum Datum, denn dies ist ja auf dem Video sichtbar: Die Aufnahme entstand am 2. März 2017 um 3.25 Uhr. Den aufmerksamen Beobachtern dürfte bereits aufgefallen sein, dass das Datum auf dem Video in einem in Europa unüblichen Format (Monat – Tag) geschrieben ist, auch beim Wochentag steht „Thu“ statt „Do“ für Donnerstag.

Aktuell? Ja. Deutschland? Nein.

Bei jenem Video handelt es sich auch nicht etwa um etwas, was „verschwiegen“ wurde, wie der Kommentar von „Kundgebungen“ suggeriert, eher dürfte man davon tatsächlich in Deutschland nicht allzu viel mitbekommen haben, weil dies in Südafrika geschehen ist.

Konkret geschah Folgendes:
Wie die Seite Maroelamedia am 4. März 2017 berichtete, handelt es sich bei den beiden Opfern um Jeanette Demsen (58) und ihren Sohn Tony (28), die nach Südafrika zogen, um dort ein neues Leben anzufangen. Bei einer nächtlichen Busfahrt nach Bulawayo stoppte der Bus bei Polokwane. Zur Weiterfahrt wurden die Beiden von einem älteren Mann auf einige Männer verwiesen, die ein Fahrzeug ohne Kennzeichen fuhren, diese würden sie zum Zielort bringen. Nachdem Jeanette Demsen die Fahrt nicht geheuer war, bat sie die Fahrer, an einer Tankstelle zu halten, wo sie auf ein Taxi warten wollten, wo die beiden gebürtigen Engländer dann überfallen wurden.

Rassismus in Afrika

Das auf dem Video Geschehene ist nichts Ungewöhnliches: Gerade in Südafrika spricht man über 20 Jahre nach Ende der Apartheid von einem „neuen Rassismus“. Viele Schwarze haben immer noch die „Vorherrschaft der Weißen“ im Gedächtnis, dementsprechend gibt es dort auch viele Überfälle und Gewaltverbrechen an Weißen.

Und was hat das nun mit Flüchtlingen zu tun?

Nichts. Es gibt keine Flüchtlinge aus Südafrika in Europa, eher ist es so, dass viele Flüchtlinge gen Südafrika ziehen, bis zur Syrien-Krise war Südafrika sogar eines der Länder mit den meisten Asylbewerbern weltweit.

Fazit

Was wir also auf dem Video sehen, sind mehrere Schwarze in Südafrika, die zwei Weiße überfallen, dort leider Alltag. Die Seite „Kundgebungen“ jedoch suggeriert, dass es sich dabei um Flüchtlinge oder zumindest potentielle Flüchtlinge handelt. Um nicht als Fake News bezeichnet zu werden, wird dies jedoch nicht gesagt, stattdessen nur von „so etwas“ geschrieben, welches „Merkel ins Land holt“. Aber auch dies ist falsch, da es keine Flüchtlinge aus Südafrika gibt.

Die Seite „Kundgebungen“ bedient hier also das gängige Klischee des gewalttätigen Schwarzen, da ist es ja vollkommen egal, von woher ein Video stammt: „Schwarz ist böse“, so der Tenor. Auch wenn das Video nicht mal im Entferntesten etwas mit Flüchtlingen zu tun hat, so füttert es doch die niederen rassistischen Instinkte der Leser dieser Facebook-Seite.

„Wir zeigen, was andere euch verschweigen“? Nein, eher werden auf solcherlei Seiten Dinge verschwiegen, um Likes zu sammeln.