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Der umgangssprachlich genannte “kissing bug” (weil er gern im Gesicht zubeißt) soll abermals auf dem Vormarsch nach Europa sein. Taucht dieser tödliche Käfer wirklich zur Zeit überall auf?

Aufgrund erneuter Anfragen, beleuchten wir das Thema der Raubwanze nochmals, denn auf den verschiedensten Seiten begegnet uns dieses kleine Tierchen und schürt die Ängste, dass durch seinen Biss die tödliche Krankheit Chagas übertragen werden könnte.

Doch hat es der “kissing bug” mittlerweile wirklich nach Europa geschafft?

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Quelle: shutterstock / so genannter “kissing bug”  – die Raubwanze

Durch den Tourismus werden natürlich auch Tiere/Insekten und Krankheiten eingeschleppt.

Doch auf dem Vormarsch ist die Raubwanze NICHT.

Die Hauptverbreitungsgebiete dieser Raubwanze (Triatominae, Unterart der Familie der Raubwanzen) belaufen sich auf die amerikanischen Tropen sowie Mexiko und Zentralamerika.

Die Raubwanze mag es schön warm.

Wahr ist, dass Triatominae Überträger der gefährlichen Chagas-Krankheit sein können. Der Erreger wird aber nicht durch den Biss selbst weitergegeben, sondern durch den Kot der Wanzen.

Laut der CDC (Centers for Disease Control and Prevention) ist es nicht einfach, sich mit dieser Krankheit anzustecken. Nachdem die Insekten erst nachts zuschlagen, während der Mensch schläft, wird der Biss oft spät oder gar nicht bemerkt. Werden dann Kotreste eines infizierten Insekts in die Bisswunde gerieben, kann sich der Parasit im Menschen verbreiten.

Aber nicht alle Triatominae sind mit dem Parasit infiziert, die Chagas auslösen. Laut CDC ist der Ausbruch von Chagas, selbst wenn das Insekt infiziert war, äußerst gering.

Es kann aber auch vorkommen, dass man generell allergisch auf Insektenbisse reagiert, dies äußert sich mit typischen Symptomen:

  • Rötung
  • Juckreiz
  • Schwellung
  • Quaddeln, etc.)

Das kann unabhängig davon passieren, ob das Insekt mit Chagas infiziert war oder nicht. Eine allergische Reaktion bedingt demnach keine Ansteckung mit Chagas.

Die Chagas-Krankheit

Die Chagas-Krankheit (auch als Amerikanische, Südamerikanische Trypanosomiasis oder Morbus Chagas bezeichnet) ist eine infektiöse Erkrankung und Parasitose, die durch den Einzeller Trypanosoma cruzi hervorgerufen wird.

Das Erregerreservoir besteht aber nicht nur aus der Raubwanze, sondern auch bei freilebenden Tieren (z. B. Gürteltieren, Opossums, Zweifinger-Faultieren), aber auch bei Hunden, Katzen und Ratten. Auch der infizierte Mensch ist ein wichtiges Parasitenreservoir. Laut Wikipedia soll es insgesamt mehr als 18 Millionen Infizierte geben. In Bolivien könnte etwa ein Viertel der Bevölkerung betroffen sein. Jährlich gibt es 50.000 Neuinfektionen und 15.000 Todesfälle.

Durch Migration, Tourismus und Bioinvasion der Raubwanzen durch Warentransport, kann die Krankheit auf andere Kontinenten eingeschleppt und in seltenen Fällen dort durch Blutspenden verbreitet werden. In Spanien, wo über 200.000 Einwanderer aus Lateinamerika leben, gibt es geschätzt zirka 6000 Infizierte. In den USA könnten mehrere 100.000 Einwanderer infiziert sein. In den USA gibt es drei gesicherte Fälle von Chagas-Erkrankungen durch Blutkonserven. 2006 war bei Routinetests von Blutkonserven in den USA eine von 4655 Proben positiv.

Im Mai 2012 meldete Uruguay die Ausrottung der übertragenden, in Südamerika als Vinchuca bezeichneten Raubwanze.

Krankheitsverlauf

Die Chagas-Krankheit tritt beim Menschen in vier Stadien auf:

  • Nach dem Stich der Raubwanze tritt meist eine Schwellung um die vom Insekt erzeugte Stichwunde auf: Ein Ödem mit Entzündungserscheinungen, oft in Augennähe. Es können aber auch andere Körperstellen betroffen sein, die sich später evtl. gar nicht mehr identifizieren lassen.
  • Eine akute Phase tritt bei ca. einem Drittel der Neuinfizierten auf. Es handelt sich meist um Kinder oder Personen mit Abwehrschwäche. Diese Phase klingt gewöhnlich nach ca. vier Wochen wieder ab. Fieber, Luftnot, Ödeme, Durchfall, Bauchschmerzen, Lymphknotenschwellungen, Krampfanfälle bei Einschluss des Gehirns und Herzvergrößerung sind die Folge.
  • Nach einer Latenzphase, die u. U. Jahre dauern kann, kommt es zur chronischen Erkrankung. Symptome der akuten Phase können aber auch während der Latenzphase wieder ausbrechen, wenn eine neu auftretende Abwehrschwäche hinzukommt, z. B. eine HIV-Infektion.
  • Die Symptome der chronischen Phase entstehen vorwiegend aus der chronischen Herzvergrößerung (Herzrasen, Leistungsschwäche, Luftnot bei Belastung) und der Zerstörung von Nervenzellen im Verdauungstrakt. Dies führt zu einer massiven Auftreibung, insbesondere von Speiseröhre (Megaösophagus) und Dickdarm (Megacolon). Hierdurch ist eine normale Darmpassage nicht mehr möglich. Dies kann zum Tod durch Darmdurchbruch, Darmverschluss (Ileus) oder Bauchfellentzündung (Peritonitis) führen.

Unbehandelt kann die Chagas-Krankheit in bis zu 10 % der Fälle tödlich enden. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder.

von “Killerinsekt” weit entfernt

Zur kleinen Erinnerung, zitiere ich meinen Kollegen Jens:

Aber Moment erinnert uns das alles nicht an etwas? Insekt, Blutsauger, Krankheit? Genau, wir haben in Europa die Zecke und FSME, in Deutschland eher selten, weil hier immer wieder auf die Wichtigkeit einer entsprechenden Impfung hingewiesen wird. Dennoch liegt die Sterblichkeitsrate bei circa einem Drittel aller Infizierten.
Das soll auf keinen Fall die eventuelle „Bedrohung“ durch die Triatominae nicht schmälern, aber um zu einer hinreichenden Bedrohung zu werden, müssten sie in Europa Fuß fassen, mit dem Klima zurechtkommen, eine ausreichend große Population bilden und – ganz wichtig – mit dem Chagaserreger infiziert sein. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, ich sage aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit doch eher gering ist.

Fazit:

Triatominae gibt es wirklich, aber hauptsächlich in Südamerika und diese können zur Chagas-Krankheit führen. Es gibt Fälle in Zentral- und Nordamerika, die aber durch den reisenden Menschen bzw. durch Blutspenden bedingt wurden.

Dass diese Insekten wahre Killermaschinen sind, die mit einem Biss einen Menschen töten, ist an den Haaren herbeigezogen. Genauso wenig sind die Insekten “rapide im Vormarsch”, da sich die Verbreitung von Raubwanzen bis 2006 zurückverfolgen lässt.

Europäer müssen sich demnach eher wenig Sorgen machen.

Quellen: Centers for Disease Control and Prevention, Wikipedia Triatominae, Wikipedia Chagas-Krankheit