Grippeimpfungen sollen enorm viel Quecksilber enthalten

Faktencheck: „Grippeimpfungen enthalten 25.000x mehr Quecksilber als erlaubt“

Von | 10. Oktober 2019, 15:02

In einem Labor soll herausgefunden worden sein, dass Grippeimpfungen nicht nur Quecksilber enthalten, sondern dies sogar auch in einer stark gesundheitsschädlichen Menge!

Dies wird zumindest in einem Artikel behauptet, der – wir sagen das an dieser Stelle jetzt schon – bereits fünf Jahre alt ist, von jener Seite neu veröffentlicht wurde… und damals schon falsch war: Grippeimpfungen sollen 25.000-mal mehr Quecksilber enthalten, als im Trinkwasser erlaubt sei.

Screenshot: mimikama.at

So schreibt die Seite:

„Bei Tests im Lebensmittellabor der US-Website NaturalNews wurde festgestellt, dass in Grippeimpfstoffen,
unglaublich große Mengen des Nervengifts Quecksilber enthalten sind. In Impfstoffampullen des britischen
Pharmariesen GlaxoSmithKline fanden sich mehr als 51 Teile pro Million (ppm) Quecksilber, das ist 25.000 Mal
mehr als die von der US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) für das Trinkwasser festgelegte
Obergrenze.“

Der Artikel gibt nur vor, neue Erkenntnisse zu liefern, allerdings ist er nur eine wörtliche Übersetzung eines Artikel, der am 24. Juni 2014 auf der Seite „Natural News“ erschien.

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Wo finden sich die genauen Testergebnisse?

Auf der Seite „Global Research“ findet sich auch tatsächlich ein Artikel über jene Forschungsergebnisse, wobei allerdings nur ein kleiner Teil die Untersuchung und die Ergebnisse beschreibt, der größte Teil des Artikels ist eine Mixtur aus Halbwahrheiten und Behauptungen mit der Schlussaufforderung, den Artikel zu teilen, „um die Wahrheit zu verbreiten“. Kein sehr wissenschaftlicher Ton.
Als Quellen werden auch nur die CDC genannt (wo sich unter dem Link nichts über die Obergrenzen von Quecksilber im Wasser findet, sondern einfach nur eine Grippe beschrieben wird) – und die Seite „Natural News“ selbst.

So gesehen beruft sich die Seite „Natural News“ auf eine Untersuchung, die sich aber wiederum auf die Seite bezieht.

Kurz zur Glaubwürdigkeit der Quellen:

Die Seite „Natural News“ gilt als klassische Fake News-Seite für „alternative Medizin“ und damit zusammenhängenden Verschwörungstheorien wie Chemtrails und Wunderheilmittel gegen Krebs.
Im Jahre 2016 stand die Seite auf Platz 1 als „Schlechteste Wissenschafts-Webseite des Jahres“ der Seite „Real Clear Science“.
Im Jahre 2019 wurde die Facebook-Seite von „Natural News“ wegen wiederholtem Verbreiten von Fake News von Facebook entfernt. Der Gründer der Seite, Mike Adams, verglich Marc Zuckerberg daraufhin mit Hitler und forderte Trump auf, die Militärpolizei gegen die „Tech-Giganten“ einzusetzen.

Die Seite „Global Research“ veröffentlicht zwar einige gute Artikel, gilt aber auch als Sammelbecken von Verschwörungstheoretikern und Pseudowissenschaftlern.
Obwohl der Name „Global“ enthält, sind viele Artikel der Seite eher anti-globalistisch ausgerichtet. Neben seriösen Artikeln finden sich auch viele Artikel über alle möglichen Verschwörungstheorien, im Disclaimer der Seite distanzieren sich die Macher von den Inhalten der Artikel.

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Was ist denn nun mit dem Quecksilber in Grippeimpfungen?

Spezifisch wird in dem Artikel die Grippeimpfung von GlaxoSmithKline angesprochen, welche 2009 zugelassen wurde. Diese enthält laut dem Beipackzettel 25 Mikrogramm Quecksilber (als Bestandteil von Thimerosal, Beipackzettel USA) bzw. 50 Mikrogramm Thimerosal (Beipackzettel Kanada).

Also doch hohe Werte! Haben die also recht?

Das Labor von „Natural News“ stellte einen Wert von 51 Mikrogramm Thimerosal fest. Unklar ist, ob sie eine Dosis aus den USA oder Kanada untersuchten, aber bei Zweiterem hätten sie auch einfach den Beipackzettel lesen können, um auf nahezu den gleichen Wert zu kommen.

Aber Schwangere, kleine Kinder und ältere Menschen….?

Auch wird in dem Artikel von „Natural News“ behauptet, diese Impfung werde auch den obigen Personengruppen aufgezwungen.
Dazu ist zweierlei zu sagen:

  1. Diese Grippeimpfung wurde nicht an diesen Personengruppen getestet, weswegen diese auch den Impfstoff von GlaxoSmithKline gar nicht bekommen
  2. Sämtliche Impfungen für Kinder enthalten überhaupt gar kein Thimerosal

Ja, aber… QUECKSILBER!

Hierfür machen wir einen kleinen Ausflug in die Chemie, denn Quecksilber ist nicht gleich Quecksilber!

So wird ja immer wieder betont, dass Thimerosal reines Quecksilber sei, ein nervenschädigendes Neurotoxin. Doch exakt jenes befindet sich eben nicht in Impfstoffen!
Es handelt sich um Ethylquecksilber, welches sich vom beschriebenen Methylquecksilber unterscheidet. Methylquecksilber findet sich häufig in Fischen und ist in großen Mengen schädlich. Ethylquecksilber hingegen wird vom Körper viel schneller abgebaut und ausgeschieden. Keine wissenschaftliche Studie hat einen Zusammenhang zwischen Ethylquecksilber und Autismus oder anderen schädlichen Wirkungen gefunden.

Trotzdem haben sich mehrere Impfstoffhersteller haben im Jahr 1999 bereit erklärt, auf Thimerosal vorsorglich zu verzichten. Heute enthält kein Impfstoff außer dem Influenza-Impfstoff Thimerosal, es stehen allerdings Thimerosal-freie Alternativen zur Verfügung.

Fazit

Nicht nur, dass die Quellen des Artikels vollkommen unseriös sind (am Irrwitzigsten ist wirklich der Artikel, der auf die Studie verweist, die auf den Artikel verweist), auch wird vor einem Quecksilber gewarnt, welches sich in der giftigen Form überhaupt gar nicht in Impfungen findet.

Selbst diese ungiftige Form von Quecksilber findet sich nur noch in Grippeschutzimpfungen, allerdings gibt es mittlerweile auch Thimerosal-freie Alternativen, um sämtliche Besorgnisse aus dem Weg zu räumen.

Der Quecksilbergehalt von Flüssen liegt übrigens bei 0,03 – 0,2 Mikrogramm pro Liter. Das ist tatsächlich mehr als in Grippeimpfungen, es findet sich aber bereits bis zu 20 Mikrogramm in Speisefischen. Allerdings Methylquecksilber, nicht das in Grippeimpfungen enthaltene Ethylquecksilber.

Im Endeffekt ist also der Artikel von „Unsere Natur“ nicht nur dreist kopiert, sondern reine Panikmache ohne jeglichen wissenschaftlichen und medizinischen Hintergrund.

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