Baut die Stadt Willich Einfamilienhäuser für Flüchtlinge und Asylbewerber? Ein Bauschild mit einer fehlerhaften Beschriftung sorgt für Unmut.

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„So unbeschwert, würden gerne auch viele junge, deutsche Familien sich ihren Kinderwunsch erfüllen.“ „Fackt ist der arbeitende Steuerzahler wird bis aufs Blut ausgesaugt.“ (sic!) „Eine Verhöhnung an uns Deutsche“ (sic!) – das Bild eines Baustellenschildes in der nordrhein-westfälischen Stadt Willich sorgt in den sozialen Netzwerken für virtuelle Schnappatmung. Neu errichtete Einfamilienhäuser – exklusiv für Flüchtlinge und Asylbwewerber, gibt es die wirklich?

Sogar die Flüchtlingshilfe Kreis Viersen betitelte ihre Pressemitteilung mit „Einfamilienhäuser für Flüchtlinge“ (fluechtlingshilfe-kreis-viersen.de). Nur stimmt das so nicht ganz: Schon das Bild lässt erahnen, dass es sich nicht um neun Einfamilienhäuser handeln kann. Tatsächlich entstehen auf dem Grundstück vier Mehrfamilienhäuser mit Wohnungen. An anderer Stelle wird auch korrekterweise von “Mehrfamilienhäusern” geschrieben (willicherleben.de). Wie nun die Zahl 9 zustande gekommen ist, lässt sich ebenso einfach erklären: Die Neubauten sind als drei Doppelhäuser, sowie ein Dreierhaus angeordnet.

Insofern ist die Beschriftung auf dem Bauschild letztendlich ein Fehler.

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(Screenshot: Facebook)

Laut dem Gesetz über die Zuweisung und Aufnahme ausländischer Flüchtlinge, sind Gemeinden in Nordrhein-Westfalen verpflichtet, ausländische Flüchtlinge aufzunehmen und unterzubringen – so auch die Stadt Willich. Hier beschloss der Rat, dafür mehrere Wohngebäude zu errichten, unter anderem auch auf dem gemeindeeigenen Grundstück Schiefbahn / Fontanestraße.

Ursprünglich sollte hier ein konventioneller Wohnblock entstehen. Auf Wunsch der Anwohner wurde aber die geplante Blockbebauung aufgelöst, um, so die Architekten, die „Struktur der bestehenden Einfamilienhäuser weiterzuführen“ (rp-online.de). Die Gebäude sind Teil eines Konzepts der Stadt Willich, Flüchtlinge möglichst dezentral unterzubringen, um die Integration zu fördern (stadt-willich.de). Sie entsprechen dem Standard des Sozialen Wohnungsbaus und wurden auf gemeindeeigenem Grund errichtet. Die Stadt deckelte dabei die Baukosten auf maximal 1.600 Euro einschließlich Nebenkosten pro Quadratmeter (stadt-willich.de).

Einziehen sollen dort nur anerkannte Asylbewerber, die somit eine Bleibeperspektive haben. Sollten sie nicht mehr benötigt werden, stehen sie dem immer kleiner werdenden Markt für Sozialwohnungen zur Verfügung. Die Häuser in Willich gibt es also wirklich. Es handelte sich aber nicht um Luxusbauten, sondern um günstigen, den Mindeststandards genügendem Wohnraum – und um eine sinnvolle und nachhaltige Alternative zu kostspieligen Anmietungen.

Autor: Wulf Rohwedder, mimikama.at

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