Der Angriff auf den Weihnachtsmann

Faktencheck: Der Angriff auf den Weihnachtsmann

Von | 10. Dezember 2019, 12:43

In einem Video ist zu sehen, wie mehrere Jugendliche augenscheinlich einen als Weihnachtsmann verkleideten Mann attackieren.

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Laut dem Nutzer, der das Video teilt, soll dies in Deutschland geschehen sein, doch eine genauere Ortsangabe gibt es nicht. In dem Video sieht man auch tatsächlich mehrere Personen, im Vordergrund einen Weihnachtsmann sowie mehrere Jugendliche, die sowohl hinter dem Mann, als auch weiter vor ihm diverse Sätze rufen, welche nicht in Deutsch sind.

Weihnachtsmann 🎅 wird angegriffen und als Rassist beschimpft 🤬🤬🤬🤬Deutschland 2019 !!

Gepostet von Thomas Steiner am Sonntag, 8. Dezember 2019

Der Nutzer beschreibt das Video mit den Worten:

„Weihnachtsmann 🎅 wird angegriffen und als Rassist beschimpft 🤬🤬🤬🤬Deutschland 2019 !!“

Screenshot: mimikama.at

Was wahr ist:

Tatsächlich kann man verstehen, das mehrmals anscheinend „Rassist“ zu dem Weihnachtsmann gesagt wird.

Was tatsächlich gesagt wurde:

Hier einige der Sätze in der Originalsprache:

„geen racisme“ („kein Rassismus“)
„weg wezen broer“ („Verschwinde von hier, Bruder“)
„een voor alle… alle voor een“ („Einer für alle… alle für einen“)
„geen racisme in Laak broer“ („Kein Rassismus in Laak, Bruder“)
Bei der Sprache handelt es sich um Niederländisch.
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Wo ist das geschehen?

Das Ganze geschah am Abend des 5. Dezember 2019 in Laak, einem Bezirk der niederländischen Stadt Den Haag. Wie unter anderem „Hart van Nederland“ und „AD“ berichten, wurde der Darsteller des „Sinterklaas“ und zwei Darsteller des „Zwarte Piet“ von den Jugendlichen angegriffen und geschubst.

Einer der Zwarte Piet-Darsteller meldete den Vorfall auch bei der Polizei, erstattete aber keine Anzeige. Ein Streifenwagen der Polizei fuhr daraufhin durch das Gebiet, konnte aber die Gruppe der Jugendlichen dort nicht mehr antreffen. Da diese aber anscheinend der Polizei bekannt ist, werden sie versuchen, diese ausfindig zu machen.

Was ist der Hintergrund?

Dazu müssen wir ein wenig in die Geschichte von Sinterklaas und Zwarte Piet (zu Deutsch: „Schwarzer Peter“) eintauchen.

Was hierzulande der Nikolaus ist, der am Abend des 5. oder am Morgen des 6. Dezember die Stiefel der Kinder mit Süßigkeiten füllt (oder Kohle, wenn sie böse waren), ist in den Niederlanden Sinterklaas.

Seit mindestens 1850 hat der Sinterklaas auch einen Gehilfen, den Zwarte Piet. Besonders in alten Darstellungen ist jener Gehilfe ein dunkelhäutiger Mann mit dicken, roten Lippen und einer Diener-Uniform.

Bildquelle: npo, Sinterklaas und Zwarte Piet in einem Bilderbuch von Jan Schenkman, 1850

Bildquelle: npo, Sinterklaas und Zwarte Piet in einem Bilderbuch von Jan Schenkman, 1850

Die genauen Hintergründe, wie Sinterklaas zum Zwarten Piet kam, sind unklar. Eine der Erzählungen lautet beispielsweise, dass Sinterklaas ihn für 150 Gulden auf einem ägyptischen Sklavenmarkt gekauft habe. Bei dem Zwarte Piet soll es sich um einen Mauren handeln, einem Berberstamm aus Nordafrika, von denen zu der Zeit sowohl in Spanien (wo Sinterklaas wohnt) als auch in den Niederlanden viele Menschen lebten.

In den letzten Jahren, genau genommen seit Ende der 70er-Jahre, neu aufgeflammt 2013, ist der Vorwurf des Rassismus.
Bei einer Befragung von 780 Niederländern mit antillanischer und surinamischer Herkunft, die nach ihren Erfahrungen mit dem Zwarte Piet gefragt wurden, empfanden diese die Figur mit einer Mehrheit von 73 Prozent als rassistisch. 62 Prozent wurden durch die Darstellung der Figur diskriminiert.

Diese Diskriminierungen erlebten viele der Befragten schon als Kinder, wenn sie beispielsweise vom Lehrer nur „Zwarte Piet“ genannt werden, da dieser als „dummer Diener“ gilt. Zwar finden Kinder den Zwarte Piet toll, Erwachsene jedoch gehen weniger glimpflich damit um, wenn man dunkle Haut habe und nutzen den Namen als Schimpfwort.

So wurde zwar die Sklaverei schon längst abgeschafft, diese Tradition allerdings nicht. Ein anderer Teil der Befragten lässt sich aber nicht von rassistischen Sprüchen aus der Ruhe bringen. So erzählte eine Person, dass sie mal einer Mutter mit einem kleinen Jungen begegnete, der Junge sagte nur lächelnd „Schau mal, da ist der Zwarte Piet!“.

„Für so einen Jungen bist du ein Held, der Geschenke bringt. Sich diskriminiert zu fühlen, ist auch eine Entscheidung.“

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Fazit

Das Video entstand nicht in Deutschland, sondern in den Niederlanden.
Die Gruppe Jugendlicher beschimpfen Sinterklaas und insbesondere die beiden Darsteller des Zwarte Piet als Rassisten, Hintergrund ist der langjährig schwelende Streit in den Niederlanden um die Figur des Gehilfen, der ursprünglich ein dunkelhäutiger Sklave war und auch heute oftmals so dargestellt wird.

Recherche: Janine M.

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