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Viele Facebook-User erzürnen sich über gewalttätige “Migranten”, so sollen auch “Dutzende Übergriffe auf Frauen” stattgefunden haben, die Polizei bezieht jedoch ganz anders Stellung. Was war los beim Chemnitzer Stadtfest?

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Anfragen über Anfragen, mit immer derselben Frage: „Stimmt das?“ Auf Facebook tauchen Bilder von einem Ausdruck auf, mit dem Titel “Flüchtlingsgewalt auf Chemnitzer Stadtfest – Medien schweigen, Facebook löscht und sperrt”.

Danach folgt ein Text, wie das Stadtfest abgelaufen sein soll. Auch Facebook-Nutzer schildern gewalttätige Tathergänge online.

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Quelle: Emailanfrage Mimikama

Was ist dran an den Vorwürfen?

Laut Freie Presse zählt das Chemnitzer Stadtfest seit letzter Woche zu den meistdiskutierten Themen.

Mit Schlagzeilen wie “Stadtfest abgebrochen”, “Programm vorzeitig beendet” und “Chemnitz kapituliert”, werfen die Vorkommnisse auf dem Fest viele Fragen auf.



So soll von Seiten der Veranstalter “die Musik einfach abgedreht worden sein, als es kurz nach Mitternacht rund um die MDR Jump-Bühne an der Brückenstraße zu Rangeleien gekommen war. Nachdem bereits in der Nacht auf Freitag handfeste Auseinandersetzungen 13 Verletzte forderte, zeigte die Maßnahme nach kurzer Zeit Wirkung. Besucher sollen geschildert haben, dass sich die Situation aufgelöst hat. Nachdem die Veranstaltung wenig später sowieso beendet worden wäre, hat man die Musik nicht wieder aufgedreht. Auf allen anderen Bühnen habe man bis zum Ende durchgefeiert.”

Das Stadtfest wurde also laut Aussagen der Veranstalter nicht vollends abgebrochen.

Woher kam also dieses Gerücht?

An dieser Stelle kann bislang leider nur spekuliert werden.

Die Freie Presse bezieht sich auf einen Facebookeintrag vom Vorstandsmitglied der Chemnitzer AfD, Lars Franke, der noch in der Nacht die “Eilmeldung” in Umlauf brachte, dass es “an allen Ecken des Festes brennt”.

Dieser soll rasch hochgekocht sein und den Anstoß zu dem Gerücht, dass das Fest abgebrochen werden musste, gegeben haben.

Sieht man sich den Polizeibericht des Wochenende an, waren über die Tage hinweg 27 Straftaten begangen worden – “nur” zwei mehr als im vergangen Jahr, jedoch bei deutlich gestiegener Besucherzahl.

Was also sagt die Polizei dazu?

Polizeibericht vom 28.08.2017

Polizei zieht Bilanz zum Chemnitzer Stadtfest 2017

Das 23. Stadtfest feierten laut Veranstalter rund 260.000 Chemnitzerinnen und Chemnitzer sowie Gäste am vergangenen Wochenende. Ungeachtet des friedlichen Charakters des Familien- und Volksfestes war die Arbeit der Polizei insbesondere in den Abendstunden gefordert. 27 Straftaten (2016: 25) sowie eine Ordnungswidrigkeit wurden bis Sonntagabend, 22 Uhr, angezeigt (Medieninformationen Nr. 454 vom 26. August 2017 und 455 vom 27. August 2017).

Das Gros machen Körperverletzungsdelikte (14; Vorjahr: 12) sowie Diebstähle (7; Vorjahr: 7) aus. Die anderen Anzeigen betreffen Bedrohungen (2), sexuelle Belästigung (1), Sachbeschädigung (1), Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte (1) und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (1). Die Ordnungswidrigkeit war ein Verstoß gegen die Luftverkehrsordnung im Zusammenhang mit einem nicht genehmigten Drohnenflug.

Achtmal wurden Personen in Unterbindungsgewahrsam genommen. 107-mal setzten die Einsatzkräfte Platzverweise durch.

Einsatzschwerpunkt war der Bereich Brückenstraße. Hier kam es an allen drei Tagen, vor allem in den Abend- und Nachtstunden an Freitag und Samstag, wiederholt zu Streitereien, die zum Teil mit tätlichen Auseinandersetzungen endeten. Es handelte sich vorwiegend um unter Alkoholeinfluss begangene Körperverletzungsdelikte zwischen verschiedenen Personengruppen unterschiedlicher Nationalitäten. Mit verstärkter polizeilicher Präsenz wurde dem begegnet. Insgesamt waren knapp 200 Einsatzkräfte an den drei Veranstaltungstagen im Einsatz. (Ki)

Laut Freie Presse habe eine Sprecherin der Polizei noch folgendes hinzugefügt:

Berichte über eine Messerstecherei konnte sie nicht bestätigen. Bei der Mehrzahl der Tatverdächtigen und der insgesamt acht in Gewahrsam Genommenen habe es sich um „Personen nichtdeutscher Herkunft“ gehandelt, darunter Libyer und Syrer.

herrschte jedoch auch Ungleichgewicht in den Aussagen der Polizei und MDR-Jump.

Auf wessen Veranlassung an der Bühne auf der Brückenstraße das Programm vorzeitig beendet wurde, bleibt weiter offen. „Wir wussten davon nichts“, heißt es von der Polizei. Für die Beamten vor Ort habe es keinerlei Grund zum Eingreifen gegeben. MDR Jump hingegen behauptet das exakte Gegenteil. „Auf Bitten der Sicherheitskräfte hat das MDR Jump-Team an die Besucher appelliert, friedlich zu feiern“, heißt es in einer Stellungnahme. „Ebenso kamen wir dem Wunsch der Einsatzzentrale der Polizei nach und beendeten unser Bühnenprogramm bereits 0.30 Uhr statt um 1 Uhr.“

Stadtfest-Organisator Sören Uhle ist trotz der Negativ-Schlagzeilen davon überzeugt, dass mit dem Abdrehen der Musik genau richtig gehandelt wurde. „Wir haben präventiv agiert, noch bevor etwas Schlimmeres passiert ist“, sagte er.

Bleiben also ein paar Ungereimtheiten offen.

Ergebnis:

Die Aussagen überschneiden sich an mehreren Stellen.

Fakt ist, dass es Unruhen gab, doch diese gibt es auf beinahe jedem Stadtfest.

Dass die Gerüchteküche sehr heiß brodelte, trägt wohl ein Übriges dazu bei. Doch auch hier widersprechen sich die Aussagen von Facebook-Usern, Veranstalter und Polizei.

Ja, es gab Unruhen, nein, das komplette Fest wurde nicht abgebrochen, ein Dutzend sexueller Belästigungen konnten nicht verzeichnet werden.