Artikelbild: Shutterstock / Von Monkey Business Images
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Alternativer Titel: „Wenn Geschichten so stark verkürzt werden, dass man fast von einem Fake ausgehen kann.“

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Und zwar geht es um eine Geschichte, die sich sehr dramatisch liest und zu der wir am letzten Wochenende auffällig viele Anfragen bekommen haben (für all jene, die es nicht wussten: Mimikama sucht die Themen nicht aus dem Netz, sondern wir bekommen Nutzeranfragen zu Inhalten).

Es geht um einen Artikel mit dem Titel „Indien: Baby bei Geburt enthauptet – Arzthelfer lassen den Kopf im Bauch der Mutter!“, welcher auf der Webseite von RTL am 12. Januar veröffentlicht wurde.

Die Frau kämpft jetzt um ihr Leben.

Gepostet von RTL Explosiv am Samstag, 12. Januar 2019

Warum fragen Nutzerinnen und Nutzer?

Dieser Artikel führte bei mehreren Menschen dazu, dass sie von einem Fake ausgehen. Anlass dafür könnte sein, dass der Artikel selbst lediglich aus drei kurzen Absätzen besteht und keinerlei Quellen nennt (siehe hier). Zudem klingt die Geschichte fast wie ein Filmstoff:

Eine Frau verlor ihr Kind, weil die Geburtshelfer bei der Geburt so stark an den Beinen des Kindes zogen, dass der Kopf abgerissen wurde und in der Gebärmutter verblieb. Die Frau wurde nach Hause geschickt, musste jedoch dann in einem anderen Krankenhaus operiert werden, wo man den Kopf fand.

Nach Medienangaben waren die Geburtshelfer betrunken.

Machen wir uns auf die Suche

Machen wir an dieser Stelle den klassischen Check. Schritt 1 (wer hat es geschrieben = RTL) haben wir oben beantworten können. Nun geht es darum, woher kommt die Geschichte? Wer hat zuerst darüber berichtet, wer war „nah dran“. Dazu hilf in Schritt 2 die Suche über eine Suchmaschine.

Da es eine internationale Suche ist, sollte man englische Suchbegriffe nutzen, wie beispielsweise „Baby Head India“. Dazu bekommen wir tatsächlich Suchergebnisse. Hierbei gilt es zu schauen, WER da schreibt, ob die Ergebnisse auch zu dem Thema gehören und wie alt diese Artikel sind.

Screenshot Mimikama.at
Screenshot Mimikama.at

In unserem Beispielfall schauen wir in den 4 Tage alten Artikel des Mirrors (siehe hier), der weit vorne in den Suchergebnissen angeführt wird. Dieser Artikel entspricht dem Thema, ist tatsächlich sogar umfassender als die deutsche Version auf RTL.

In diesem Artikel erfährt man nun von einer weiteren Zeitung/Medium, welche noch näher am Geschehen war. Hier liest man:

The Hindustan Times said the nurse in the first hospital had ‚pulled at a foetus so hard while attempting to deliver the baby that it broke into two parts‘.

Es gibt also ein Medium mit dem Namen „Hindustan Times“, welches direkt vor Ort war und mit den Menschen im Krankenhaus gesprochen hat. Suchen wir also nach der Hindustan Times.

Tatsächlich!

Und da findet man gleich mehrere Artikel. Doch zunächst wieder der „Wer schreibt“ Check: Wer ist die Hindustan Times überhaupt? Ist die Webseite seriös? Die Antwort ist glücklicherweise einfach: Ja, die Hindustan Times ist seriös. Es handelt sich hierbei um eine der auflagenstärksten Tageszeitungen Indiens.

Und diese Hindustan Times berichtet mehrfach und ausführlich über den Fall, so dass man detaillierte Informationen bekommt. Eine etwas kürzere Meldung gab es am 10. Januar 2019. Darin erfährt man, dass sich dieser grauenvolle Vorfall am 06. Januar 2019 im staatlichen Gesundheitszentrum in Ramgarh im Stadtteil Jaisalmer in Rajasthan (Indien) ereignete. Namen der Beteiligten werden ebenso genannt. Dieser Artikel findet sich hier.

Nur einen Tag später, also am 11. Januar 2019, veröffentlichte die Hindustan Times einen wesentlich ausführlicheren Artikel, in dem genau beschrieben wird, was geschehen ist und wie der Stand der Untersuchungen ist. Diesen Artikel findet man hier.

Also: Kein Fake.

Auch wenn die Geschichte in ihrer Berichterstattung auf RTL so stark verkürzt und lediglich auf die dramatischen Elemente beschränkt wurde, so handelt es sich nicht um eine Falschmeldung. An dieser Stelle ist wohl das Laschyk´sche Prinzip eingetreten:

Du willst einen journalistischen Artikel schreiben? Suche dir zwei Sachen aus, auf ein drittes musst zu verzichten:

– Nicht zu lang
– Leicht verständlich
– Inhaltlich korrekt

Wann hat man einen Sachverhalt so verkürzt und vereinfacht, dass er nicht mehr richtig wiedergegeben wird oder für falsch gehalten wird?

Die ausführlichen und sehr detaillierten Berichte der Hindustan Times belegen jedoch, hier ganz speziell die Nachberichterstattung, dass dieser erschreckende Vorfall sich tatsächlich ereignete.

 

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Weil du diesen Bericht zu Ende gelesen hast…

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