Fake: Der Vermerk auf dem Personalausweis von Angela Merkel

Von | 26. September 2018, 12:45

Ein Foto des Personalausweises von Kanzlerin Merkel von 1980 soll Sensationelles beweisen: Merkel war „Untergrundskämpferin“.

Um jenes Bild handelt es sich:

Screenshot mimikama.at

Screenshot mimikama.at

„Ihr STASI NAZIS könnt es so offt löschen wie Ihr wollt. Die Wahrheit ist schon auf tausenden rechnern.

Untergrund Kämpferin für den US Imperialismuss. Das Foto ist kein Fake. Die BRD ist eine Kolonie der USA. Das wußte schon die Stasi.“

Und auf dem Bild des Ausweises ist augenscheinlich vermerkt:

„Vermerk: Untergrundskämpferin für US-Imperialismus“

Was war sie denn nun?

Anscheinend sind sich die Leute nicht wirklich einig: Einerseits war sie „IM Erika“, ein Spitzel der Stasi unter russischer Fuchtel, nun aber war sie für den „US-Imperialismus“ tätig. Da soll mal jemand durchblicken!

Der Ausweis wirkt aber sehr glaubwürdig. Wir sind uns sicher, dass sämtliche Geheimagenten einen solchen Vermerk im Ausweis haben. Kennen wir ja auch aus Hollywood. „Mein Name ist Bond. James Bond. Hier ist mein Ausweis. Ich habe die Lizenz zum Töten, Sie dürfen mich also nicht festnehmen!

Ein genauerer Blick

Ein Bild ihres ausweises kursiert schon seit Jahren, dort sieht er allerdings so aus:

Screenshot mimikama.at

Screenshot mimikama.at

„Vielleicht wurde ja auf dem Bild der Vermerk entfernt?“

Auf diese Frage haben wir gewartet. Also werfen wir mal einen Detailblick auf den Vermerk.

Screenshot mimikama.at

Screenshot mimikama.at

Beim direkten Vergleich der Buchstaben auf dem Ausweis und dem Vermerk fällt auf, dass der Zeichensatz des Vermerks eine größer Auflösung als der Rest des Dokumentes hat, zudem wird ein anderer Zeichensatz verwendet.

Screenshot mimikama.at

Screenshot mimikama.at

In der Vergrößerung erkennt man, dass die Buchstaben kräftiger sind, wenn sie die Unterschrift berühren, was bedeutet, dass die Unterschrift schon vorher da war, die Buchstaben dann darübergelegt wurden, jener Vermerk also erst nach Erstellung der Unterschrift auf den Ausweis bzw. das Bild des Ausweises hinzugefügt wurde.

Zudem ist der Abstand der Buchstaben zueinander ein gutes Erkennungsmerkmal. Es gibt drei Möglichkeiten, wie so ein Hinweis damals auf das Dokument gekommen sein könnte: Indem es direkt drauf gedruckt wird, indem es nachträglich bedruckt wird, indem es draufgestempelt wird.

Oben konnten wir bereits feststellen, dass der Vermerk höchstwahrscheinlich nachträglich entstand. In den 1980er-Jahren war es nun aber so, dass die Buchstaben alle nichtproportional zueinander standen. Dies bedeutet, dass alle Buchstaben denselben Platz einnehmen, dadurch sind manche Buchstaben weiter voneinander entfernt als andere, wenn auch nur minimal. Man kennt dies heute noch von Stempeln, die man sich selbst machen kann, indem man die einzelnen Buchstaben in den Stempel einfügt. Auch gab es nur Typenraddrucker (die wie eine Schreibmaschine arbeiteten) oder Nadeldrucker (bei denen die Buchstaben aus einem Punktraster bestehen).

Jener zusätzliche Hinweis aber hat eine Besonderheit: Die Buchstaben stehen alle proportional zueinander. Sprich: jeder Buchstabe nimmt nur den Platz ein, den er braucht, der Abstand zwischen den Buchstaben ist genau gleich. Somit entstand jener Vermerk auf dem Ausweis eher am Computer als in den 1980er-Jahren.

Screenshot mimikama.at

Screenshot mimikama.at

Und zuletzt haben wir da natürlich noch den peinlichen Schreibfehler: In keinem Duden zu irgendeiner Zeit hieß es jemals „Untergrundskämpferin“.

Fazit

Auch wenn der Ersteller des Bildes darauf beharrt, dass es kein Fake ist: Es ist eindeutig einer. Das Schriftbild passt in seiner Gesamtheit nicht zum Rest des Ausweises, der Vermerk wurde nachträglich hinzugefügt, am Computer verfasst und enthält einen peinlichen Rechtschreibfehler.

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