Der politische Diskurs unserer Gesellschaft ist gespalten, der Hass im Netz wächst und greift auf unsere Wahlurnen und Straßen über. Hat Facebook durch Fake-Meldungen zugelassen, dass so viele Menschen den Lügen Trumps glauben konnten?

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

14111889_1826590450909615_604611310_n

Bei Mimikama sehen wir ständig alle möglichen Fakes, Falschnachrichten und manipulative, tendeziöse Berichterstattung, die es mit der Objektivität nicht so genau nimmt. Wir kriegen täglich etwa 150 Anfragen, die wir natürlich auch nicht alle beantworten können. Aber in den letzten Monaten und Jahren haben wir ganz deutlich festgestellt, dass politische Falschmeldungen und absichtliche Fakes immer mehr zunehmen.

Facebook war dazu gedacht, Menschen auf der ganzen Welt zu verbinden und noch einfacher denn je Informationen auszutauschen. Doch Facebook hat leider auch dazu beigetragen, dass sich die Politik und unser Privatleben vermischt haben – Und wir weiter polarisiert wurden.


Wie hat Facebook unsere Gesellschaft zweigeteilt?

Facebook ist inzwischen mehr als nur Social Media – Oder zumindest ist Social Media mehr als was wir dachten, das es ist.

Facebook ist die neue Öffentlichkeit.

Facebook ist die größte Nachrichtenseite und Informationsquelle, die es derzeit gibt. Studien zufolge holten sich 44% US-Amerikaner alle ihre Nachrichten und News über Facebook (und weitere 18% von anderen Social Media Seiten).

Das ist an sich natürlich nicht schlimm, jedoch hat Facebook kein System, keine Redaktion oder journalistischen Richtlinien, die diese Informationen in irgendeiner Weise filtern.

Kritiker mögen an dieser Stelle aufschreien und sagen, jede Form von Filter sei eine Zensur, aber gefiltert werden muss immer und wird immer – Wir können niemals alle Posts sehen, die es gibt. Nur bisher wird nicht danach sortiert, ob diese Information wahr ist oder wertvoll, sondern lediglich ob es sich leicht teilen, liken und zu Geld machen lässt.

Dies verzerrt unseren Blick auf die Realität und ermöglicht die Verbreitung von Clickbait-Artikeln, Übertreibungen und Falschmeldungen. Facebooks Newsfeed zeigt uns nicht qualitativ hochwertige, gut recherchierte und wahre Posts, sondern nur das, was starke Emotionen in uns auslöst und deswegen zum Klicken und Teilen anregt.

Und je mehr wir Sachen anklicken, teilen und liken, desto mehr füttert uns Facebook mit ähnlichen Posts. Denn wenn wir in unserem Weltbild und in unserer Meinung bestätigt werden, fühlen wir uns gut. Sehen wir Sachen, die uns traurig oder wütend machen, dann gefällt uns das nicht.

Das hat immer mehr dazu geführt, dass es inzwischen zwei Realitäten da draußen gibt, zwei Blasen der Wirklichkeit. Einen linksliberalen (demokratischen) und eine rechtsautoritären (republikanischen) Newsfeed, wenn man so will.

Dort werden Meinungen und Informationen nicht mehr reflektiert, hinterfragt und verbessert, sondern diese nur noch vervielfältigt und immer wieder bestätigt, unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt.

Wenn man sich überlegt, ob eine Nachricht oder eine Information stimmen kann, fragt man sich nicht, inwiefern sie mit der Realität übereinstimmt, sondern mit unserem Weltbild.

Deswegen fällt es uns so leicht, auf Fakes zu hereinfallen, wenn sie etwas bestätigen, dass wir ohnehin schon glauben: Zum Beispiel dass Flüchtlinge sich angeblich undankbar verhalten oder dass Donald Trump republikanische Wähler 1998 als besonders dumm und beeinflussbar bezeichnet hätte.

Die Folgen der geteilten Gesellschaft

Natürlich hat nicht allein Facebook die Gesellschaft gespalten – Die letzten 25 Jahre haben unsere Gesellschaft sozioökonomisch in die Profiteure und Verlierer der Globalisierung aufgeteilt, zumindest empfinden das viele Menschen so (Mehr Hintergründe hier), aber Facebook verstärkt diese Trennung und schafft dazu Parallelöffentlichkeiten.

Das Problem hier ist, dass mit Donald Trump jemand ins Weiße Haus kommen wird, der sich das exzellent zu Nutze gemacht hat. Er selbst ist einer der größten Katalysatoren für die wildesten Verschwörungstheorien und Halbwahrheiten.

„News“-Seiten wie „Breitbart“ haben viel Stimmung für Trump gemacht – Völlig unabhängig vom Wahrheitsgehalt. Jetzt wird Breitbarts Steven Bannon chief strategist Donald Trumps. Laut Politifact waren in Trumps Wahlkampf lediglich 30% seiner Aussagen wahr (15%) oder halbwahr (15%) und mehr als ein Drittel aller seiner Aussagen hatten absolut nichts mit der Wahrheit zu tun. Doch das war völlig irrelevant, denn sie bestätigten die Meinung seiner Anhänger – Und das ist alles, worauf es heutzutage ankommt.

Problematisch sind weniger die glatten Lügen (jetzt nicht nur Trumps), sondern die Halbwahrheiten, die verzerrten Darstellungen und die überzogenen Interpretationen, die sich irgendwo in einer Grauzone zwischen wahr und falsch befinden.

Bei komplexen Themen wie Einwanderungen, Wirtschaft oder Klimawandel passiert es sehr schnell, dass Vorurteile in die Darstellung miteinfließen, die die Laien nie erkennen können, aber eine bestimmte, aufgeladene Narrative erzeugen können.

Und in diesem Wahlkampf hat die Narrative Trumps gewonnen – Zwar nicht die Mehrheit der Stimmen, aber die Mehrheit der Wahlmänner.

Es ist die gleiche Narrative wie die des Brexits, LePens und der AfD und FPÖ. Natürlich sind dies erstmal demokratisch legitime Standpunkte. Aber wenn die politische Meinungsfindung auf zu vielen Unwahrheiten beruht, fordert man Lösungen für Probleme, die nicht existieren und schafft damit Probleme, deren Lösungen man ablehnt. Und das schadet uns allen.


Wie durchbrechen wir diesen Zyklus?

Zuckerberg behauptet, 99% dessen, was Nutzer sehen, sei authentisch, jedoch meint er damit auch unsere Katzenbilder und PNs. Dass 99% aller News, die in unseren Feed gespült werden, eine realitätsnahe Behauptung aufstellen, können wir bei Mimikama definitiv nicht bestätigen.

Mimikama kann mit dieser Flut an Falschdarstellungen an Fakes nie mithalten, denn bis uns ein Fake erreicht und wir ihn debunked haben vergeht Zeit, und ein Skandal verbreitet sich stets viel leichter als die langweilige Feststellung, dass die Aufregung doch umsonst war.

Dass das so ist, ist einfach die menschliche Natur. Aber Facebooks Algorithmus verstärkt das dramatisch und gaukelt uns Seriösität vor, das ist das Problem. Das muss Zuckerberg endlich anerkennen.

Als User, der sich seines einseitigen Feeds bewusst ist, kann man auch aktiv zur „anderen Seite“ gehen und sich der Gegenmeinung aussetzen. Für die USA gibt es eine Website, die exemplarisch „rote“ (republikanische) und „blaue“ (demokratische) Feeds generiert, mit den jeweils beliebtesten Newsstories, die jeweils einer Seite zugeordnet werden können und man kann sie direkt vergleichen.

Facebook muss sich anpassen!

Doch das kann und wird nie die Lösung sein – Facebook muss sich anpassen, wenn es versuchen will, den Riss durch unsere Gesellschaft zu kitten, anstatt ihn noch zu verstärken.

Facebook muss dafür sorgen, dass Seiten, die bekannt dafür sind, Falschnachrichten zu produzieren, abgestraft werden. Sie müssen anerkennen, dass es keine Social Media Seite mehr ist, sondern DIE Newsseite.

Denn wir von Mimikama haben das Gefühl, dass wir uns alleine mit nur einem Sandsack in einen Tsunami stellen, der droht, die Grundfesten unserer Demokratie hinfortzuspülen.

Wir müssen verhindern, dass die Lügner und Demagogen unser Weltbild verzerren und unsere Politik vergiften. Denn es geht hier nicht mehr darum, ob wir ein paar Meinungsverschiedenheiten auf Facebook austragen, sondern es geht um die Zukunft von hunderten Millionen Menschen und der ganzen Welt.

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Tierrechtsaktivist aus Augsburg. Auf seinem Blog Der Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und ethischen Fragestellungen. Hier könnt ihr den Volksverpetzer auf Facebook folgen.

Artikel- / Vorschaubild: Shutterstock / Andrew Cline

-Mimikama unterstützen-