Fake-Tests sind eine bewusste Irreführung des Verbrauchers.

An Leser, die mehr Expertenstatus besitzen als manche Online-Experten

Von | 2. Mai 2019, 12:24

Gehörst du zu den Lesern und Kunden, die mehr Expertenstatus besitzen als mancher Onlineexperte, der sich hinter „Der Redaktion“ versteckt, dir aber seine Expertenmeinung verkaufen will?

Die folgenden Punkte können dir helfen, Fake-Tests und undurchsichtige Marketingstrategien noch besser zu durchschauen und somit Zeit und Geld zu sparen.

von Mike Lippoldt, mimikama Gastautor

Unsichtbare Redakteure mit „Expertenstatus“

Neulich stieß ich in der Onlineversion einer nicht unbekannten deutschen Zeitschrift auf eine Linkempfehlung zu einer Vergleichsseite über Outdoor-Produkte. Die Betreiber besagter Outdoor-Seite wurden von der Zeitschrift als „Experten“ bezeichnet und eindeutig von der Redaktion dieser Zeitschrift den Lesern empfohlen. Als Betreiber einer eigenen Outdoor-Plattform sah ich mir die Empfehlung genauer an.

Die Artikel waren sauber verfasst, jedoch ausschließlich mit Stockfotos oder mit Produktfotos der Hersteller bebildert. Weder über den Artikeln noch in den Artikeln noch unter den Artikeln waren Informationen über den Autor der Expertenartikel zu finden.

Unter jedem Artikel stand anstatt eines realen Autorennamen „Die Redaktion“. Die Webseite verfügte zwar über ein Impressum, hier war jedoch nur die Anschrift einer Adresse im außereuropäischen Ausland angegeben.

Außer dieser Adresse befanden sich keine Angaben über die Betreiber oder über die Redakteure im Impressum. Nicht ein realer Name eines Ansprechpartners war auf dieser Seite zu finden.

Warum Aufklärung über sogenannte „Experten“ nötig ist

Ich schrieb die Redaktion der Zeitschrift an und hakte nach, warum sie diese offensichtliche Fake-Seite ihren Lesern als Expertenseite verkauft. Immerhin besitzt besagte Onlinezeitung, die diese Empfehlung gab, eine nicht unbeachtliche Reichweite. Leider bekam ich bis heute keine Antwort.

Auch Zeitschriften-Redaktionen scheinen ihre Empfehlungen nicht immer so zu prüfen, wie es für ihre Leser förderlich wäre. Hier sind die Leser selbst gefragt, die auch die Artikel bekannter Zeitschriften nicht einfach konsumieren, sondern auch hinterfragen sollten.

Da Fake-Testseiten oder Fake-Vergleichsseiten oft sehr professionell aufgezogen sind, ist es für Leser und Konsumenten nicht immer leicht, auf den ersten Blick zu durchschauen, ob es sich hier tatsächlich um Experten handelt oder eben nur um den Verkauf eines „Expertenstatus“ für eine bessere Verkaufsrate.

Was macht einen Experten aus?

Es braucht keinen Doktortitel, um ein gewisses Expertenwissen in einem bestimmten Themenbereich zu besitzen. Mal abgesehen von wissenschaftlichen oder medizinischen Themengebieten.

In den Bereichen Outdoor, Camping, Outdoor-Ausrüstung, Reisen oder Auswandern kann jemand der sich mit diesen Themen befasst über die Jahre sehr viel Expertenwissen anhäufen und als Autor oder Verkäufer somit viel Vertrauen zum Kunden aufbauen. Voraussetzung hierfür ist aber, dass er sich in Form einer Autorenbeschreibung auch als Experte unter seinen Artikeln zu erkennen gibt und nicht hinter „Der Redaktion“ oder hinter einem Fake-Profil versteckt.

So kann Expertenwissen auf einem Themengebiet aufgebaut werden:

  • Langjährige Auseinandersetzung mit einem Themengebiet.
  • Praktische Auseinandersetzung mit einem Themengebiet.
  • Ständiges „Am Ball bleiben“ durch Lesen von Artikeln, Hören von Podcasts, Austausch mit Personen gleicher und ähnlicher Interessen, etc.
  • Veröffentlichung von Blogartikeln, Videos, Publikationen, etc. mit Klarnamen.

Was ist ein Fake-Test?

Fake-Tests sind eine bewusste Irreführung des Verbrauchers.

Die Veröffentlichung von Fake-Tests ist eine Marketingstrategie, die Reichweitenerhöhung, höhere Verkaufszahlen und somit Gewinnmaximierung zum Ziel hat.

Fake-Tests sind Tests, die entweder nicht stattgefunden haben oder die zwar durchgeführt worden, aber bei denen die Testmethoden nicht den Anforderungen gerecht werden, die für die entsprechenden Produkte eigentlich erforderlich wären, um tatsächliche und reale Testergebnisse zu erhalten.

Was ist eine Fake-Testseite?

Oft wird vorgegaukelt, dass „Experten“, „Sachkundige“ oder „echte Tester“ Tests von Produkten durchführen, um dem Leser und Kunden somit zu suggerieren, dass die Testplattform auf fundiertem Expertenwissen aufbaut, das auf langjährigen Expertenerfahrungen beruht, welche wiederum aus den angeblichen stetigen Tests erwachsen sind.

Die Definitionen darüber was ein „echter Test“ ist und was „kein echter Test“ ist, sind oft schwammig. Auch die Gesetzeslage hat keine klaren Antworten auf die Frage, was als Test bezeichnet werden darf und was nicht. Daher sind viele Testplattformen als solche im Netz vertreten, auch wenn sie keine realen Tests durchführen.

Fake-Testseiten sind Webseiten, die aufgrund von Domainnamen und/oder dem gesamten Webauftritt vorgeben, Produkte zu testen, obwohl sie in Wirklichkeit keine tatsächlichen Tests durchführen.

Erkennung von Fake-Tests bei Outdoor-Produkten

#1 Wer sind die Autoren?

Über jedem Artikel bei mimikama.at steht der Name des Autors. Somit weiß der Leser, aus wessen Feder der Inhalt stammt. Eigentlich eine ganz normale Sache, möchte man meinen. Leider ist das aber nicht auf allen Webseiten im WWW der Fall.

Vor allem wenn es sich um Expertenartikel handelt, sollte und muss der Name des Verfassers über oder unter dem Artikel aufgeführt sein. Sind Artikel mit „Die Redaktion“ gekennzeichnet, dann macht das einen sehr unseriösen Eindruck und Leser und Verbraucher sollten hellhörig werden.

Steht unter einem Artikel „Die Redaktion“, dann entsteht die berechtigte Frage, warum der Autor hier nicht mit seinem Klarnamen auftritt. Vor allem ist dann nicht nachvollziehbar, was den Autor eigentlich dazu berechtigt, über das Thema zu schreiben.

Woher hat der Autor eigentlich seinen Expertenstatus?

#2 Hinterfrage den Expertenstatus der Autoren

Steht unter einem Fachartikel „Die Redaktion“, dann kann die Seite direkt wieder verlassen werden. Denn Seiten die Expertenartikel veröffentlichen, ohne ihre Experten zu nennen, machen keinen seriösen Eindruck.

Steht unter dem Expertenartikel der Name des Autors, dann sollte vom Leser nachverfolgt werden können, woher der Autor seinen Expertenstatus hat.

Bei Themen rund um Outdoor kann der Expertenstatus eines Autors ganz einfach offengelegt werden, indem der Autor Berichte, Bilder oder Erwähnungen über eigene Reiseerfahrungen, Wandererfahrungen oder über seine Outdoor-Abenteuer veröffentlicht.

Wer nichts zu verbergen hat, der hat es auch nicht schwer, seinen Expertenstatus in seiner Leidenschaft zu einem Themenbereich auszubauen und zu festigen.

Foto: ousuca®

Foto: ousuca®

Gerade in vielen Outdoor-Bereichen (Wandern, Trekking, Reisen, etc.) muss niemand ein Examen absolvieren, um seinen Expertenstatus zu beweisen. Hier reichen gelebte Erfahrungen, die mit den Lesern und Kunden geteilt werden. Nur so wird von einem Unternehmen Transparenz und Authentizität vermittelt, was dann wiederum das Vertrauen zwischen Unternehmen und Kunden fördert.

#3 Bei Produkttests Verwendung echter Testbilder

Werden bei Produkttests Produktbilder der Hersteller veröffentlicht, so wie sie auch auf der Onlineplattform der Hersteller oder in Onlineshops zu finden sind, dann stellt sich die berechtigte Frage, warum die Tester keine echten Testbilder veröffentlichen.

Vor allem bei Produktbildern von echten Produkttests möchten Leser und Kunden keine Hochglanzbilder hochpolierter Produkte sehen. Vielmehr interessiert es die Leser, wie ein Produkt unter realen Bedingungen und unter realen Testbedingungen im Alltag aussieht.

Bei Outdoor-Produkten wie z.B. bei einer wasserdichten Outdoor-Powerbank kann es für Leser und Kunden interessant sein, wie die wasserdichte Powerbank nach der Berührung mit Seewasser an einem Seeufer aussieht.

Bild: ousuca®

Bild: ousuca®

Nie war das Fotografieren so einfach wie heute und mit jedem guten Smartphone lassen sich mittlerweile bessere Fotos machen, wie mit der besten Digitalkamera vor 10 Jahren. Wenn ein Produkt also tatsächlich unter realen Umständen getestet wird, dann gibt es für Tester auch keine Ausreden, warum sie keine realen Testbilder vom Produkttest veröffentlichen.

#4 Was wurde am Produkt getestet und wie wurde es getestet?

Aus jedem Testbericht für ein Produkt sollte zu erkennen sein, welche Testkriterien beim Testen im Vordergrund standen und unter welchen Bedingungen das Produkt getestet wurde. Handelt es sich um ein Outdoor-Produkt, dann sollte es auch unter realen Outdoor-Bedingungen getestet werden, für die es geschaffen wurde.

Bild: ousuca®

Bild: ousuca®

Beim Test eines Campinggaskocher z.B. sollte der Gaskocher nicht nur in der Küche ausprobiert werden. Vielmehr sollte der Gaskocher auch bei Wind draußen getestet werden, um so ein echtes Testergebnis zum Flammenverhalten des Gaskochers bei windigen Außenbedingungen (so wie sie auch beim Camping vorherrschen können) zu erhalten.

Über den Autor

Mike Lippoldt

Mike Lippoldt

Mike Lippoldt ist Gründer der Outdoor-Marke ousuca®. Nach zahlreichen teils unkonventionellen Reisen wanderte er vor 15 Jahren auf abenteuerliche Weise mit dem Fahrrad nach Spanien aus. Ohne finanzielle Rücklagen und die ersten Wochen am Strand schlafend erschuf er sich im Ausland aus eigener Kraft und von Null ein neues Leben. Erfahrungen und Erlebnisse resultierend aus seinen Abenteuern bilden einen wichtigen Grundstein in der Philosophie von ousuca®.

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