Allerhand, was Media Markt da angeblich Neues im Sortiment hat… wie wäre es denn mit einem Akkordeon, Wanderausrüstung oder natürlich einem Gabelstapler für den heimischen Gebrauch?

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

 

Hinweis: Das Unternehmen Media Markt hat mit diesem Betrugsversuch nichts zu tun. Es wurde ebenfalls Opfer, indem Kriminelle den Namen des Unternehmens missbräuchlich verwenden.

Wow… also dieser Betrugsversuch schießt doch tatsächlich den Vogel ab. Unter der Webadresse “mediamarktdirekt.de” versuchen Kriminelle Internetnutzer im wahrsten Sinne des Wortes für dumm zu verkaufen. Schon seit einigen Jahren geht der Trend in Richtung professionell gefälschter Online-Shops, die sogar für geschulte Augen schwer zu entlarven sind.

Tja, was soll man sagen. Bei mediamarktdirekt wird kein besonders großer Wert auf “Originalität” gelegt. Das geklaute Logo mutet in seiner gestauchten Form wenig seriös an, der ganze Webseiten-Aufbau wirkt, als wäre er im Jahre 1995 hängen geblieben. Wer sich daran nicht stört, wird spätestens beim Anblick des Sortiments ein wenig misstrauisch. Denn Media Markt scheint sein Angebot radikal ausgeweitet zu haben. Anstatt sich auf läppische Haushaltsgeräte zu fokussieren, werden seit neuestem Gabelstapler, Reifen, Quads und ganze PWK-Anhänger angeboten.

Wer sich für den nächsten Waldausflug eindecken möchte, kommt ebenfalls auf seine vollen Kosten: Das passende Outdoor-Outfit, die richtige Motorsäge, ein Akkordeon für lauschige Lagerfeuerabende und für die Übernachtung kommt natürlich nur der Mini-Wohnwagen in Frage…

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Schluss mit lustig

Aber nun Butter bei die Fische:

Was macht denn schlussendlich einen seriösen Seitenbetreiber aus? Genau. Transparenz und Seriosität. Das Impressum ist das A und O des Onlineshoppings und nicht zu vergessen, die möglichen Zahlungsarten. Wer den Kunden ausschließlich auf “Zahlung per Vorkasse” festnagelt, hat bereits schlechte Karten, da hilft auch kein geklautes Impressum, gemischt aus einer spanischen Filiale und deutschem Geschäftsführer…

Technisch laufen die Bestellungen auf dieser Webseite völlig normal ab, es gibt sogar eine Pseudoregistrierung, um ein gutes Gefühl zu bekommen. Sobald Kunden jedoch den Kaufpreis bezahlen, ist eine erfolgreiche Kontaktaufnahme mit dem Anbieter nicht mehr möglich. Das Geld ist verloren, denn die bestellte Ware gibt es nicht. Es kommt hinzu, dass Kriminelle über persönliche Informationen ihrer Opfer verfügen. Sie können diese für Verbrechen unter fremdem Namen nutzen.

Die Verbraucherzentrale NRW und das Landeskriminalamt (LKA) NRW haben eine Infoliste zum Thema Fakeshops erstellt, die wir hier gerne teilen:

UntrĂĽgliche Erkennungszeichen: Fehlanzeige

  • Ob es bei den Angeboten im Online-Handel immer mit rechten Dingen zugeht, ist selbst fĂĽr Experten kaum auf den ersten Blick erkennbar. Internet-Fälscher, die Kunden nur ans Geld wollen, gehen bei ihren Fakes immer perfekter und perfider ans Werk: Durch das Kopieren oder Fälschen von Produktbildern und Informationen aus realen Internetseiten wirkt ein Fake-Shop im Internet oftmals täuschend echt. Um Seriosität vorzugaukeln, sind das Impressum mit der Händleradresse oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ebenfalls von anderen Seiten abgekupfert beziehungsweise frei erfunden.

Alle Angaben prĂĽfen

  • Käufer sollten vor einer Bestellung folgende Punkte in einem Internet-Shop genau checken: Gibt es mehrere – darunter auch kundenfreundliche – Zahlungsarten und eine ĂĽberprĂĽfbare Anbieteradresse im Impressum? Werden Angebot und Preis mit allen erforderlichen Details – etwa der Beschaffenheit des Produkts – angegeben? Werden Lieferbedingungen und –kosten ausreichend dargestellt? Sind Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) und darin Hinweise zum Widerruf vorhanden? Wird mit einem vertrauenswĂĽrdigen GĂĽtesiegel wie „Trusted Shop Guarantee“ (Trusted Shops), „s@fer-shopping“ (TĂśV SĂĽd) und „GeprĂĽfter Onlineshop EHI“ (EHI Retail Institute GmbH) geworben? Eine zuverlässige Orientierung bieten solche Siegel jedoch nur, indem man auf das Logo klickt und dadurch auf die Homepage des PrĂĽfunternehmens weitergeleitet wird.

Vorsicht bei Vorkasse

  • Kunden werden bis zum DrĂĽcken des Kaufbuttons mehrere – auch kundenfreundliche – Zahlungsweisen angeboten. Sind sie bei der Kasse angelangt, haben Kunden plötzlich keine Wahl mehr: Dort wird nur noch eine umgehende Ăśberweisung des geforderten Betrags verlangt. Auf der sicheren Seite sind Kunden, wenn sie Artikel nur bei Online-Händlern ordern, die mehrere kundenfreundliche Zahlungsarten bis zum Klick auf den Kauf-Button zur VerfĂĽgung stellen. Sicher sind Zahlungen auf Rechnung oder per Lastschrift. Bei der Zahlung auf Rechnung mĂĽssen Kunden erst bezahlen, wenn sie die Ware erhalten haben. Bei Zahlung per Lastschrift kann die Zahlung noch bis zu acht Wochen rĂĽckgängig gemacht werden.

Fälscher zocken unerkannt ab

  • Wenden sich Reingefallene ĂĽber die angegebenen Kontaktdaten an das Unternehmen, um die richtige Ware oder ihr gezahltes Geld zurĂĽck zu erhalten, werden sie immer wieder vertröstet. Briefe mit RĂĽckzahlungsaufforderungen kommen als unzustellbar zurĂĽck oder bleiben unbeantwortet. In den meisten Fällen sind Betroffene um eine schlechte Erfahrung reicher, aber haben das Nachsehen.

Fake-Shop-Opfer sind nicht wehrlos

  • Wer schon Geld ĂĽberwiesen hat, sollte umgehend seine Bank auffordern, die Zahlung rĂĽckgängig zu machen. Wenige Stunden nach einer Onlinebestellung ist dies oft noch möglich. Bei anderen Zahlungsarten kann eine Zahlung noch bis zu acht Wochen nach Einzug rĂĽckgängig gemacht werden. Inwieweit dies gilt, weiĂź die Bank. Grundsätzlich sollten sämtliche Belege von Online-Bestellungen gesammelt und gesichert werden. Dazu gehören Kaufvertrag, Bestellbestätigung, E-Mails und ein Screenshot des Angebots.

Betroffene können die ausgedruckten Unterlagen in der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW prüfen lassen und Strafanzeige bei der Polizei stellen.

Tipps via Verbraucherzentrale NRW

Ergebnis:

Es handelt sich hier um einen (nicht besonders gut gemachten) Fake-Shop. Wir raten dringend davon ab, ĂĽber diese Webseite etwas zu bestellen.

Auch hat mediamarktdirekt nicht wirklich etwas mit den offiziellen Media Markt Webseiten zu tun. Das Design unterscheidet sich erheblich und auch die eingeschränkten Zahlungsmethoden sind unseriös.

-Mimikama unterstĂĽtzen-

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