Am letzten Samstag war ich wieder mit Frank unterwegs. Wir waren im Baumarkt, er war auf der Suche nach Gartengeräten.

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„Aber du hast doch gar keinen Garten an deiner kleinen Mietwohnung.” sagte ich ihm. Manchmal verstehe ich Franks handeln einfach nicht. Ich verstehe auch nicht, warum er manchmal auf so bizarre Dinge kommt, denn er ist eigentlich ein grundsolider Mensch, nur hin und wieder etwas komisch.

„Noch… noch habe ich keinen Garten!” antwortete Frank „Noch nicht, aber bald, wenn ich mein Traumhaus gewonnen habe.” Voller Stolz wirf er mehrere Säcke Blumenerde auf den Einkaufswagen. „Da war doch jetzt so ein Gewinnspiel auf Facebook, welches die nochmal machen mussten, weil deren erster Post einfach gelöscht wurde.”

Ich halte inne, schlucke kurz und bin erneut davon überwältigt, was Frank mir da gerade erzählt hat. Ich bitte ihn, mir dieses Gewinnspiel zu zeigen und versichere ihm, dass ich auch bestimmt nicht mitmachen werde, damit seine Gewinnchancen nicht sinken (manchmal muss man bei Frank diese kleinen G´schichterln anwenden, damit er mitzieht). Natürlich zeigt mir Frank sein tolles Gewinnspiel, das ihn nun (indirekt) dazu bringt, Blumenerde auf Vorrat zu kaufen:

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Leider wurde unser letzter Post gelöscht…
Hier der nächste Versuch.

Da der Gewinner der letzten Auslosung seinen Gewinn nicht in der vorgesehenen Zeit von 48 Stunden eingefordert hat, versuchen wir es nochmals.

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„Echt mal, Frank? Glaubst du wirklich, dass hier ein Haus verlost wird?” Schon wieder dieser leicht brenzlige Situation zwischen uns. Ich mag Frank, wir kennen uns echt schon eine halbe Ewigkeit. Doch hin und wieder bringt er mich mit seinem Verhalten (speziell auf Facebook) zur Verzweiflung und stellt unsere Freundschaft in gewisser Weise auf die Probe.

Ich hab ja keine Lust, ständig als Besserwisser ihm gegenüber zu erscheinen, doch was soll ich machen? Es geht hier doch um die Blumenerde, denkt denn niemand an die verdammte Blumenerde? „Frank, pack die Blumenerde aus. Die verlosen kein Haus, sondern bauen künstlich und nicht legitim eine Viralität auf.“

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Frank schaut mich leicht sauer an. Es ist ja nicht so, dass er ungerne in den Baumarkt fährt (da wären wir wahrscheinlich heute auch so gelandet), es dürfte ihm mehr darum gehen, dass ich ihm eine Hoffnung genommen habe. Diese Hoffnung, die verbunden mit ein paar Stunden angenehmen Lebensgefühls war. Raus aus der Mietwohnung, rein in das kleine Paradies.

Ich versuche, die Situation zu retten. „Und überhaupt, Blumen und du… das hat doch noch nie funktioniert. Erinnerst du dich noch an deinen Goldkugelkaktus damals? Selbst der ist dir eingegangen.” Frank lachte… ja, der Kaktus. Lange Geschichte. Wir packen die Blumenerde wieder ab und gehen zu den Akkuschraubern. Frank wollte sich schon länger aus alten Paletten einen Thekenbereich bauen und benötigt dafür noch ein paar Dinge…

Mal ehrlich?! Wer noch nicht mal Traumhäuser richtig schreiben kann, der ist auch sonst nicht ernst zu nehmen…

Grundsätzlich:

Fake-Gewinnspiele wie das oben gezeigte kann man recht einfach erkennen. Dafür muss man auch nicht lange recherchieren. Ein Blick auf den Veranstalter reicht da völlig aus. Folgende Merkmale sind bei seriösen Gewinnspielveranstaltern vorhanden:

  • Inhaber der Seite / Ansprechperson
  • Impressum
  • Kontaktmöglichkeit
  • Teilnahmebedingungen

Bei der Seite „Träumhauser” gibt es keine Angaben zu diesen Punkten.

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Unsere Checkliste zu unseriösen Gewinnspielen auf Facebook:

  • Nutzer werden zum “Liken” und “Teilen” gezwungen
  • es gibt kein (glaubwürdiges) Impressum
  • keine Teilnahmebedingungen
  • keine Kontaktmöglichkeit
  • kein korrektes Unternehmen vorhanden
  • Seite existiert erst sehr kurz
  • es werden keine Gewinner bekannt gegeben
  • Gewinne werden von Sponsoren zur Verfügung gestellt, die “nicht genannt werden wollen”
  • die Gewinne werden mit kopierten Bildern aus dem Internet beworben
  • achte bei bekannten Unternehmen auf den häufig vorhandenen blauen Verifizierungshaken hinter dem Seitennamen im Titelbild

Was noch passieren kann

Merke: Warum gibt / gab es dieses Gewinnspiel? Natürlich steckt hinter diesen Seiten ein finanzielles Interesse. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man aus erfolgreich verlaufenden Fakegewinnspielen Profit schlagen kann. Angefangen von eher harmlosen Seitenverkäufen bis hin zu bösen Abofallen ist alles drin. Wir haben bisher bei sehr sehr vielen Fake-Gewinnspielen beobachten können, dass diese Art der Gewinnspiele immer recht ähnlich verlaufen. In einer ersten Stufe verführen sie mit ihrer einfachen Teilnahme. Man soll einen hochwertigen potentiellen Gewinn teilen und liken. Kann jeder, das ist keine Hürde. Damit werden Menschen angelockt.

Möglichkeit „Seitenverkauf” / „Likefarming”

Mit Hilfe dieser Lockveranstaltungen wird dann die Seite “gezüchtet”. Der Seitenbetreiber arbeitet daran, die Fanzahlen in die Höhe zu treiben. Ab einem bestimmten Punkt findet sich diese Seite dann zum Verkauf. Die Fans wundern sich lediglich irgendwann, welche Inhalte sie nach dem Verkauf zu Gesicht bekommen und warum sie diese Seite je gelikt haben.

Möglichkeit „Affiliate”

Ab einer bestimmten Teilnehmerzahl wird die Beschreibung des Gewinnspiels verändert. Die Teilnahmebedingungen bekommen einen Zusatz und meist wird ein Link eingefügt, den man besuchen soll. Dort warten dann irgendwelche Partnerprogramme, über welche der “Veranstalter” Provisionen einsackt. Im harmlosen Fall sind es Partnerprogramme, die dem Teilnehmer einen Haufen Werbung bescheren, im extremen Fall verbirgt sich für die Besucher via Smartphone eine WAP-Billing Abofalle hinter dem Link (bei welcher der Veranstalter natürlich ebenso Provisionen kassiert). Hin und wieder findet man diese hochgezüchteten Facebookseiten dann auch bei eBay zum Verkauf angeboten.

Egal, was da noch passiert: Den angepriesenen Gewinn gibt es nicht! Daher merke Dir: es ist niemand da, der dieses Haus, dieses Wohnmobil, diesen Audi, 100.000 iPhones oder 50.000 PS4 verlost. Nein, es gibt sie nicht, diese ritterlichen Wohltäter des Netzes. Sie sind eher Gaukler, die ihre Nutzer dazu verleiten, brav wie Klickvieh aus der Hand zu fressen.

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