Die Facebook-Messenger-App fordert viel.

Facebook-Nachrichten am Smartphone auch ohne Messenger lesen

Von | 28. Juni 2019, 14:05

Werbeeinblendungen, umfassende Zugriffsrechte und deine SMS will sie auch noch verwalten! Die App zum Facebook-Messenger fordert viel und du fragst dich, ob das denn auch irgendwie anders geht? Ja, das tut es! So liest du Facebook-Nachrichten auch ohne App:

Wer Nachrichten an Freunde über Facebook schreibt, soll dafür nur noch den Messenger nutzen. Im Mai 2014 begann das Soziale Netzwerk damit, die direkten Nachrichten aus der App herauszulösen und nur noch über den Messenger versend- und empfangbar zu machen. Zwei Jahre später war auch die mobile Website m.facebook.com dran.

Und es geht weiter: So berichten einige Nutzer von Android-Smartphones davon, dass der Facebook Messenger plötzlich ihre SMS verwalte. Das lässt sich in ein paar Schritten rückgängig machen (siehe unten).

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Wer den Messenger nicht nutzen will, kann den folgenden Trick auf Smartphone, Tablet oder PC anwenden:

Mit anderer URL geht’s noch ohne Zwangs-Messenger

Unter der Adresse https://mbasic.facebook.com gelangt ihr zur mobilen Facebook-Seite für klassische Handys. Die sieht zwar nicht so stylisch aus, funktioniert aber wie die App. Nach dem Login findet ihr oben in der Leiste den Link „Nachrichten“. Am Desktop-PC kannst du in deinem Browser einen zweiten Tab öffnen und so die normale Facebook-Seite in dem einen und die Nachrichten in dem anderen Tab nutzen.

Einzelne Smartphone-Nutzer berichten, dass auch unter mbasic.facebook.com die alte Nachrichten-Funktion nicht mehr existiere (s. Kommentare unten). Wir können die Nachrichten mit verschiedenen Smartphones, Betriebssystemen und Browsern weiterhin erreichen.

Natürlich könntet ihr auch einfach einen anderen Messenger nutzen. Auf der Seite der Verbraucherzentrale NRW findet ihr eine Übersicht.

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Facebook Messenger fordert viele Rechte

Die Zwangsinstallation des Messengers wird in zahlreichen Bewertungen der App in Googles Play Store scharf kritisiert. Gemotzt wird aber auch deshalb, weil die Liste der geforderten Zugriffsberechtigungen lang ist. So sah sie im Play Store am 26. Juni 2018 aus:

  • Identität
    • Konten auf dem Gerät finden
    • Konten hinzufügen oder entfernen
    • Eigene Kontaktkarten lesen
  • Kalender
    • Kalendereinträge und vertrauliche Informationen lesen
  • Kontakte
    • Konten auf dem Gerät finden
    • Kontakte lesen
    • Kontakte ändern
  • Standort
    • Ungefährer Standort (netzwerkbasiert)
    • Genauer Standort (GPS- und netzwerkbasiert)
  • SMS
    • SMS oder MMS lesen
    • MMS empfangen
    • SMS empfangen
    • SMS senden
    • SMS oder MMS bearbeiten
  • Telefon
    • Telefonnummern direkt anrufen
    • Ausgehende Anrufe umleiten
    • Anrufliste lesen und schreiben
    • Telefonstatus und Identität abrufen
  • Fotos/Medien/Dateien
    • USB-Speicherinhalte lesen
    • USB-Speicherinhalte ändern oder löschen
  • Speicher
    • USB-Speicherinhalte lesen
    • USB-Speicherinhalte ändern oder löschen
  • Kamera
    • Bilder und Videos aufnehmen
  • Mikrofon
    • Audio aufnehmen
  • WLAN-Verbindungsinformationen
    • WLAN-Verbindungen abrufen
  • Geräte-ID & Anrufinformationen
    • Telefonstatus und Identität abrufen
  • Sonstiges
    • Dateien ohne Benachrichtigung herunterladen
    • Daten aus dem Internet abrufen
    • Netzwerkverbindungen abrufen
    • Konten erstellen und Passwörter festlegen
    • Akkudaten lesen
    • mit Bluetooth-Geräten koppeln
    • Netzwerkkonnektivität ändern
    • Zugriff auf alle Netzwerke
    • Audio-Einstellungen ändern
    • Nahfeldkommunikation steuern
    • Synchronisierungseinstellungen lesen
    • Beim Start ausführen
    • Über anderen Apps einblenden
    • Vibrationsalarm steuern
    • Ruhezustand deaktivieren
    • Synchronisierung aktivieren oder deaktivieren
    • Verknüpfungen installieren
    • Google-Servicekonfiguration lesen

Außerdem weist Google standardmäßig darauf hin, dass bei einem Update automatisch weitere Funktionen (also Berechtigungswünsche) in jeder Gruppe hinzugefügt werden können.

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Messenger spielt Werbevideos

Im Juni 2018 hat Facebook angekündigt, auch im Messenger künftig Werbung in Form von Videos anzeigen zu wollen. Das dürfte die Datennutzung der App erhöhen – doch Nutzer sollen zumindest das automatische Starten der Clips abschalten können.

Facebook Messenger als SMS-App

Einige Android-Nutzer berichten, dass der Messenger auf einmal auch ihre SMS verwaltet und die bisherige SMS-App ersetzt habe. Das kann etwa dadurch passieren, dass man beim Einrichten der Messenger-App einmal auf „Okay“ getippt hat, als die entsprechende Frage kam. Damit kann Facebook aber auf einen weiteren Kommunikationskanal zugreifen und noch mehr Daten sammeln, sofern der Nutzer das nicht wieder ändert.

Facebook-Mitarbeiter können Nachrichten lesen

Egal, ob du den Messenger als App oder das Nachrichtensystem auf der Facebook-Seite nutzt: Die Inhalte können grundsätzlich mitgelesen werden, sowohl von Maschinen als auch von Facebook-Mitarbeitern. Denn Nutzer können auch private Nachrichten wegen ihrer Inhalte melden. Die werden dann von einem Mitarbeiter des „Community-Operations-Teams“ geprüft, ob sie gegen Facebooks Nutzungsbedingungen verstoßen und gegebenenfalls gelöscht. So erklärt es eine Mitarbeiterin von Facebooks deutscher PR-Agentur auf unsere Anfrage.

Zwar bietet Facebook für seinen Messenger eine Verschlüsselung an. Aber

  1. muss die von allen Gesprächsteilnehmern aktiviert werden. Der Rahmen des Messengers ändert dann seine Farbe von blau zu schwarz.
  2. wird die Verschlüsselung nur aktiv, wenn jeder Chat-Partner den Messenger als App nutzt. Wer Nachrichten über mbasic.facebook.com oder die Desktop-Version der Facebook-Seite liest und sendet, kann keine Verschlüsselung aktivieren.
  3. können wir nicht beurteilen, wie sicher die Verschlüsselung tatsächlich ist. Denn auch für verschlüsselte Chats gibt es einen Melden-Button.
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Tipp: Nicht einen Dienst für alles nutzen

Wenn ihr für verschiedene Aktionen auch verschiedene Programme nutzt, ist es für die einzelnen Anbieter schwerer, sich ein Bild von euch zu machen. Und auch wenn ihr Nachrichten direkt an einen Empfänger über Faceboook schickt, ist es dem Anbieter möglich, sie mitzulesen. Da ist es besser, wenn ihr einen so genannten Krypto-Messenger nutzt, der Ende-zu-Ende verschlüsselt und Nachrichten nur für den Empfänger sichtbar macht. Ein paar Beispiel-Apps mit ihren Vor- und Nachteilen gibt’s auf der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW.

Quelle: Checked4you
Artikelbild: Pe3k und BaLL LunLa / Shutterstock
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