250 Monster-Dosen zu gewinnen? Das erweckt Zweifel!

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Berechtigte Zweifel, denn wir haben es hier mit einem typischen Fakegewinnspiel-Ablauf zu tun. Was hier passiert, ist übrigens exemplarisch und findet täglich auf Facebook statt. Gleichzeitig fallen auch immer wieder täglich unzählige Menschen auf diese Art der Fakegewinnspiele herein.

Schritt 1: Der Köder! Man nimmt ein Produkt und behauptet, dass dieses Produkt verlost wird. Dafür eignen sich Prestige- oder Szeneprodukte am Besten. Der Köder besteht meist aus einem Bild und einer Statusmeldung, die sich auf Social Media befindeen. Auf Facebook sind die Köder häufig mit längeren Beschreibungen versehen. So wie ein aktuelles Fakegewinnspiel, in dem es angeblich „Monster Dosen” zu gewinnen gibt.

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Diese Köder sind in ihrer Art alle identisch: Sie vermitteln einen Gewinn, den man im Grunde schon in der Tasche hat. Sie vermitteln die Leichtigkeit der Teilnahme und locken auf eine Webseite. Der Köder ist der virale Einstieg in den Gewinnspielablauf und animiert oftmals dazu, andere Personen zu markieren oder zu diesem Gewinnspiel einzuladen.

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Weiter geht es mit Schritt 2: Der Brücke. Diese Brücke ist aus technischen Gründen notwendig, da hier meist ein Link verpackt werden muss, welcher an den Augen von Facebook vorbeigeschmuggelt werden soll. Beim Monster-Gewinnspiel entpupptt sich die Brücke als PN, die man den Veranstaltern senden soll.

Der Grund: In der Nachricht bekommt man eine automatische Antwort zugesendet, die einen Link enthält. Würde man diesen Link direkt posten, liefe das gesamte Fakegewinnspiel Gefahr, von Facebook gelöscht zu werden. Mit dieser Brücke jedoch riskiert man höchstens, dass auf Dauer der versendete Link blockiert wird, den man jedoch dann recht zügig gegen einen „frischen” Link auswechseln kann. Das restliche Konstrukt bleibt dadurch unberührt.

Am Ende steht auch bei diesem Fakegewinnspiel Schritt 3. Den dritten und abschließenden Schritt stellt ein sogenanntes Affiliate Programm dar. Man verlässt die Brücke über einen Link, der einen Partnercode beinhaltet, welcher zu einem Provisionsprogramm gehört. Es handelt sich hierbei um ein Affiliate, welches nach Möglichkeit inhaltlich mit dem in der Brücke verlaufenen Fake-Gewinnspiel korreliert. Wir nennen diese abschließende Verlinkung den Ausgang.

In unserem Testlauf zum Monster-Gewinnspiel wurden wir (österreichische IP, Desktop PC) auf ein iPad Gewinnspiel verlinkt. Merke: Der Ausgang selbst, also die Affiliates, auf die verlinkt wird, ist nicht illegal! Es handelt sich dabei um Geschäftsmodelle, bei denen der jeweilige Anbieter solcher Programme seine Vertriebspartner durch Provisionen vergütet. Diese Vertriebspartner werden vom Anbieter durch einen Identifikationscode erkannt, so dass jeder neu registrierte Teilnehmer an dem Affiliate Gewinnspiel auch dem Vertriebspartner zugeordnet werden kann. Derjenige, der die Brücke gestaltet, entscheidet übrigens beliebig, welches Partnerprogramm er als Ausgang benutzt. Häufig finden wir auch Systeme vor, welche die Herkunft und die Geräteangaben des Teilnehmers auslesen und somit spezifisch auf unterschiedliche Provisionsprogramme leiten. Daher kann man nie eindeutig sagen, welches Provisionsprogramm am Ende aufgerufen wird, im schlimmsten Fall landet man auf dubiosen WAP-Billing Geschichten oder undurchsichtigen Abo-Serviceleistungen.

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Der Fake zählt!

Daher hat der Verfasser von Köder und Brücke, der durchaus auch der jeweilige Vertriebspartner  des Affiliate-Anbieters sein dürfte, ein großes Interesse daran, dass seine Fake-Geschichte im Vorfeld so glaubwürdig wie möglich klingt, gleichzeitig aber auch ein hohes Viralitätspotential besitzt.

Gut gelogen ist daher im Falle von Fake-News, sowie auch Fake-Gewinnspielen, bereits halb gewonnen.

Beide bedienen sich an denselben Elementen und sind daher durchaus als artverwandt zu sehen. Fake-Gewinnspiele sind zumeist jedoch etwas rudimentärer gestaltet und auch einfacher in ihrer Darstellung, da der pseudoredaktionelle Part ungleich kleiner ausfällt. Dies dürfte auch der Grund sein, warum Fake-Gewinnspiele wesentlich stärker verbreitet sind als kommerzielle Fake-News.

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