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Wenn Fritz in den Eisbärenhimmel kommt und die halbe Nation Trauer trägt, das unbenannte Kalb aber unbeweint in die Wurst kommt, ist es wieder so weit: Es sind Doppelmoraltage. Da gibt’s dann die konventionelle Wurst aus dem Angebot im Supermarkt getarnt als Biowurst vom Hof nebenan in der heißen Facebook-Diskussion.

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Doppelte Standards, Doppelmoral und unsere kleine Ausreden gehören wohl zu uns Menschen. Oftmals könnten wir kaum existieren, wenn wir tatsächlich immer nach Gewissen und Ideal entscheiden müssten. Fängt es doch schon im Beruf an und hört beim privaten Konsum noch lange nicht auf, dass wir Kompromisse eingehen müssen, Personen und Handlungsweisen akzeptieren und „die Faust in der Tasche ballen“ müssen.

Oft sind uns unsere Doppelstandards nicht einmal bewusst. Warum lasse ich dieser Person ein inakzeptables Verhalten durchgehen, jener jedoch nicht?
Wer Tierprodukte konsumiert, sich aber als Tierfan oder gar tierfreundlich bezeichnet, muss jedoch die Doppelmoral bisweilen nicht nur mit der Augenbinde, sondern gar mit Zähnen und Klauen verteidigen.

Tod eines Eisbärbabies und der sexuelle Übergriff auf eine Kuh

Kommentar 2 VVPAktuelle Beispiele zeigen Trauer und Bestürzung um einen jung verstorbenen Eisbären, die kollektive Empörung über den sexuellen Übergriff auf ein Kalb und die noch viel grössere Empörung über tierrechtlerisch motivierte Menschen. Wagen diese Menschen es doch, darauf hinzuweisen, dass ja nicht nur der Eisbär Fritz leidensfähig ist, sondern auch jedes Schwein, jede Pute und jedes Kaninchen.




Um sich aus der Affäre zu ziehen, wird bisweilen schnell eine künstliche Linie gezogen. Die eine Seite umfasst die Heimtiere und die vom Aussterben bedrohten Tiere. Die andere Seite umfasst Tiere, die vom Menschen gezüchtet wurden und die nur durch dieses Pech ihrer Geburt quasi dafür da sind, um vom Menschen benutzt und früh getötet zu werden.

Schwieriger wird es, die Empörung für das im Stall attackierte Kalb aufrechtzuerhalten. Es wurde doch zur Benutzung gezüchtet. Warum also ist es ok, es zu töten und Wurst aus ihm zu machen, nicht aber, um sexuelle Gelüste an ihm zu befriedigen? Dass der Konsum von Kalbfleisch und Kuhmilch hier und heute nicht mehr notwendig ist, zeigen Millionen vegan lebende Menschen in Europa. Eine Notwendigkeit kann also nicht angegeben werden.
Wird darauf hingewiesen, dass ein Tier für keinerlei Gelüste leiden und jung sterben sollte, stösst die Doppelmoral üblicherweise an die Grenzen ihrer kreativen Verteidigung.

Angegriffen werden dann diejenigen, die auf die Doppelmoral hinweisen

Da dann die üblichen Verteidigungssätze nicht mehr wirken, wird auf plumpe Beleidigungen in Richtung konsequenterer „Tierfreunde“ zurückgegriffen, um Kritik und Denkanstöße abzuwehren.

Dabei haben diesen Punkt doch auch vegan lebende, tierrechtlerisch motivierte Menschen hinter sich. Auch sie sind zumeist nicht in einer tierrechtsmotivierten Umgebung aufgewachsen.

Obwohl sie mit den üblichen Trennlinien und Verdrängungsmechanismen aufgezogen wurden, werden sie, sobald sie diese hinterfragen und aufbrechen, zu Feinden erklärt.Kommentar 1 VVPDabei sollte allen bewusst sein, wie dünn die Verteidigung mittels „Es sind doch nur Nutztiere“ generell ist. Sind ein Zentrales Nervensystem und ein Hirn vorhanden, kann ein Tier leiden. Diese Leidensfähigkeit und jedes Vermögen zu denken oder zu fühlen verschwindet nicht, wenn wir dem jeweiligen Lebewesen das Etikett Nutztier (Oder „Bio“) verpassen. In anderen Kulturen können zum Beispiel Hunde als Nutztiere gelten und werden gegessen – Verlieren Hunde dort dann ihre Leidensfähigkeit?

„Nutztier“ ist nur eine willkürliche Einteilung

Eine Kuh, ein Schaf, ein Hund, ein Huhn oder ein Kaninchen verlieren nicht die Leidensfähigkeit und ihren Lebenswillen, nur weil wir ihm das Label Nutztier anheften. Genauso wenig, wie ein Bahnhof ein Schwimmbad wird, nur weil wir ihn jetzt Schwimmbad nennen und uns mit Badehose und Taucherbrille auf die Gleise werfen.

Es fällt schwer, Gewohntes zu ändern, es ist unbequem, sich täglich für andere einzusetzen, die nicht einmal ihre Stimme für ihre Rechte erheben können. Aber es lohnt sich. Es lohnt sich für über 500 Mio „Masthähnchen“ in Deutschland, die unter Enge und Krankheiten leiden und in den eigenen Exkrementen leben müssen. Es lohnt sich für die Kühe, die ihre Kälber weggenommen bekommen, Leistung in Form von Muttermilch bringen müssen und jung zum Schlachthof gekarrt werden müssen. Und, es lohnt sich für all die Knuts und Fritzes draußen im Eis. Denn unser Konsum lässt ihre Welt zusammenschmelzen.

Hella Martin, Redakteurin Volksverpetzer Tagsüber im Tierschutz arbeitend, weiß sie auch mit ihren mehr als halben siebzig Jahren nicht, wann Feierabend ist und belästigt den Volksverpetzer mit Texten und Textandrohungen. Obwohl ihr Hauptaugenmerk den Tierrechten gilt, treiben sie auch viele andere Themen um, wie z.B. Ernährung, Menschenrechte, Rassismus, Lookismus, Sexismus, BDSM, Feminismus.