Ein Foto von einem Wolfsrudel im Schnee. Dazu ein Text, der nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. Willkommen auf sozialen Netzwerken!

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Zugegeben. Nicht nur auf sozialen Netzwerken kann man falschen Informationen begegnen, jedoch ist es besonders salonfähig geworden, alle Inhalte auf Facebook und Co. ungefiltert aufzusaugen.

Da ist es gut, dass man sich hie und da im Dschungel der digitalen Welt auch selbst fragt: Stimmt das wirklich oder wird mir hier ein Bär – äh pardon – Wolf aufgebunden?

Wir erhielten nämlich eine Anfrage zu einem eigentlich recht banalen Bild, das auf Facebook geteilt wird. Zu dem Bild gehört natürlich ein Begleittext.

Der Statusbeitrag sieht wie folgt aus:

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Bild im Klartext:

Ein Wolfsrudel auf Wanderschaft. Die ersten 3 sind älter oder kränklich (roter Kringel). Sie bestimmen die Geschwindigkeit des Rudels. Wenn es anders herum wäre, würden sie bald zurückbleiben und den Kontakt zum Rudel verlieren. Im Falle eines Hinterhalts wären sie Opfer. Ihnen folgen die 5 Stärksten (gelbe Markierung). In der Mitte der Rest des Rudels. Und am Ende wieder 5 Stärkere.
Als Letztes und allein geht der Alpha-Wolf (blauer Pfeil). Er kontrolliert die Gesamtsituation aus der hinteren Position. Von hier aus kann er die ganze Gruppe dirigieren, entscheiden, welche Richtung einzuschlagen ist und bereit sein für eventuelle Angriffe von Gegnern.
Das Rudel folgt dem Geh-Rhythmus der Älteren und behält im Sinn, dass der Gemeinschaftsgeist es nicht zulässt, irgendjemanden zurückzulassen.

Auch wenn in vielen Kommentaren dieses Verhalten mit einem Gesellschaftsbild verglichen wird, das Menschen nutzen, wollen wir an dieser Stelle betonen, dass wir eine solche Strategie weder kritisieren, noch einer Bewertung unterwerfen wollen, sondern lediglich den Wahrheitsgehalt des Textes in Verbindung mit dem gezeigten Bild überprüfen.

Ein romantisches Bild…

Bereits im Dezember 2015 haben unsere Kollegen von Snopes einige interessante Details zu der Behauptung, dass das gezeigte Rudel so funktionieren würde, herausgefunden. Und auch wir haben 2016 darüber berichtet.

Seinen Ursprung hat dieses Foto beim Guardian. 2011 erschien das Foto dort jedoch mit einer völlig anderen Beschreibung:

A massive pack of 25 timberwolves hunting bison on the Arctic circle in northern Canada. In mid-winter in Wood Buffalo National Park temperatures hover around -40C. The wolf pack, led by the alpha female, travel single-file through the deep snow to save energy. The size of the pack is a sign of how rich their prey base is during winter when the bison are more restricted by poor feeding and deep snow. The wolf packs in this National Park are the only wolves in the world that specialise in hunting bison ten times their size. They have grown to be the largest and most powerful wolves on earth

Photograph: Chadden Hunter/BBC NHU

Der Quelle zufolge handelt es sich also um ein Rudel von 25 Timber-Wölfen aus Kanada, welches von einem starken Alpha-Weibchen angeführt wird.

Als Stärkste im Rudel geht sie voran – die anderen folgen in ihren Spuren, um Energie zu sparen.

Oh! Somit wird hier genau das Gegenteil von obigem Text auf Facebook beschrieben.

Auch wenn dies ein recht “harmloses” Beispiel von “aus dem Kontext gerissene Bilder” darstellt, sieht man jedoch sehr deutlich, dass nicht alles für bare Münze genommen werden darf, was uns unsere gutgläubigen Freunde in den News Feed werfen.

In den Fußstapfen der anderen zu laufen, spart zwar Energie, doch ist auf Dauer ja auch recht langweilig, oder? *Augenzwinkern aus der Redaktion*

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