Ein Volk, das über 100 Jahre alt wird?

Ein Volk, das über 100 Jahre alt wird? (Faktencheck)

Von | 24. Januar 2020, 13:17

In Pakistan soll es ein Volk geben, welches das gesündeste Volk der Erde sein soll.

Das Wichtigste zu dem Volk:

  1. Das Volk der Hunza soll ungewöhnlich alt werden und äußerst gesund sein
  2. Der Mythos beruht jedoch auf vordiktierten Erzählungen der dortigen Obrigkeit
  3. Tatsächlich werden die Hunza genauso krank und leben genauso kurz wie andere Völker in der Gegend

Das Volk der Hunza, die im Hunza River Tal im heutigen Pakistan leben, soll erstaunliche Eigenschaften haben: Niemand bekäme Krebs, sie sollen ein natürliches Abwehrsystem gegen Herzkrankheiten Diabetes und Bluthochdruck haben, werden bis zu 120 Jahre alt und gebären noch mit 70 bis 80 Jahren.

Ursache der Behauptungen ist ein Artikel von „Basenbox„, einer Seite, die sich mit basischen Bio-Gerichten beschäftigt. Der Text des Artikels wird teilweise kopiert und auf Facebook neu gepostet.

Wer hat schon mal von den Hunza gehört? Das Bergvolk gilt als das gesündeste der Welt! Sie werden teils weit über 100…

Gepostet von Basenbox am Donnerstag, 14. November 2019

Die Frage ist nun, ob die Hunza wirklich so ein langes, krankheitsfreies Leben haben, und wenn ja, woran das liegen könnte.

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Mehrere Besucher berichteten davon

Bereits 1921 besuchte Dr. Robert McCarrison, ein schottischer Arzt, als einer der Ersten das Volk der Hunza und sprach hinterher von der vegetarischen Ernährung der dort lebenden Menschen, welches sie frei von Krankheiten halte. Später besuchte die Autorin Renee Taylor das Volk und schrieb daraufhin ein Buch über „die Geheimnisse der Hunza über Gesundheit, langes Leben und Glück“.

Doch 1956 besuchte Dr. John Clark ebenfalls die Hunza und lebte 20 Monate bei dem Volk. Seine Beobachtungen sollten einige der Mythen, die sich bis heute halten, zerstören…

Die Beobachtungen des Dr. John Clark

Dr. Clark verbrachte aus gutem Grund eine längere Zeit dort, da er schnell festellte, dass die Erzählungen, welche von McCarrison, Taylor und anderen Besuchern kamen, alle als Quelle nur den Herrscher, in der Landessprache „Mir“ hatten. Das Volk der Hunza war zu dem Zeitpunkt eine absolutistische und isolierte Monarchie, Besucher bekamen bei einer Art Führung nur das zu hören, was sie hören sollten.

So erfuhren damalige Besucher auch „Fakten“, dass Hunza das größte Land der Welt sei und der „Mir“ der mächtigste Herrscher, natürlich auch, dass es das reichste und gesündeste Volk sei.

Dr. John Clark allerdings wollte es genauer wissen und beschloß, den Hunza mehr als einen kurzen Besuch abzustatten: Er lebte dort und gewann nach einiger Zeit die Gunst des „Mir“ und seines Gefolges.

Die Erkenntnisse

Anfangs bekam auch Dr. Clark viel von der sauberen Bergluft und dem Land, indem jeder genug zu essen hat, erzählt. Doch schnell musste er feststellen, dass es sich eigentlich um eine sehr arme, oft hungernde Bevölkerung handelt, welche unter der diktatorischen Elite und den rückständigen Landwirtschaftsmethoden litten.

Zudem litten viele Einwohner an Lähmungen, Darmwürmern und Unterernährung. Dr. Clark wurde von den Einwohnern auch von Familienmitgliedern berichtet, welche sehr jung starben. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Hunza liegt, wie bei allen anderen Völkern in den Gebieten Pakistans, bei 50 bis 60 Jahren.

Andere Besucher nach Dr. Clark stellten fest, dass die unzureichende Nahrungsmittelversorgung im Hunza-Tal und die ungerechte Organisation dazu führte, dass es im Frühjahr regelmäßig zu großen Hungersnöten bei dem Volk kommt, was zu Gewaltausbrüchen führt.

Der Mythos als Werbemittel

Nicht überraschend: Sehr viele Seiten wie „Natural News“ und andere esoterisch/pseudo-medizinische Seiten verkaufen ihre Mittelchen mit einem Bild des Hunza-Volkes und der Legende, dass dieses oder jenes Extrakt aus dem Tal käme und für besonders langes Leben sorge. So wird das Volk der Hunza auf pseudowissenschaftlichen Seiten fast als ein popkulturelles Phänomen gefeiert, unter dessen Namen man so ziemlich jedes Produkt verkaufen kann, vom Heilwasser bis zur veganen Hunza-Diät.

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Fazit

Der Mythos über die Hunza beruhen rein auf erste Erzählungen von Besuchern, welche ihre Informationen nur handverlesen von der Obrigkeit quasi diktiert bekamen. Doch bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde jener Mythos von mehreren Menschen, die dort lebten, entkräftet:
Das Volk lebt nicht länger als andere Völker in der Gegend, die Ernährung ist der Umgebung geschuldet, Krankheiten gibt es dort, wie überall anders, ebenfalls.

Das „Geheimnis des ewigen Lebens“ tragen die Hunza also nicht in sich, auch haben sie kein natürliches ABwehrsystem gegen diverse Krankheiten.

Artikelbild: Shutterstock / Von khlongwangchao
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