Nachdem Hollywood uns mit Armageddon, Deep Impact & Co phantasievolle Vorlagen für eine mögliche Asteroidenkollision geliefert hat, ist dieses Szenario immer wieder für Schlagzeilen gut.

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Leider auch für „Schlechte Schlagzeilen“, wie der Astronom Florian Freistetter in seinem Blog „Astrodicticum Simplex“ sogar eine ganze Rubrik genannt hat (aus gegebenem Anlass).

Vorweg: Es droht uns keine Katastrophe, die Welt wird nicht untergehen, Armageddon in diesem Sinne bleibt eine Hollywood-Story.

Worum geht es?

Die Zeitung „Österreich“ (ungefähr vergleichbar mit der BILD-Zeitung) titelte am 14.04.2015 „Mega-Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde“. Ein „gewaltiger Einschlag“ drohe. Das Ganze noch unterstrichen durch ein Artikelbild, dass Böses ahnen lässt:

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Quelle: http://www.oe24.at/welt/Mega-Asteroid-auf-Kollisionskurs-mit-der-Erde/184537151

Man beruft sich auf die Aussage der Astronomin Judit Györgyey-Ries, Ph.D. von der McDonald-Sternwarte der Universität Texas (http://www.as.utexas.edu/astronomy/people/ries/ries.html).

Verschiedene andere Medien sprangen auf den gleichen Zug auf und gaben ebenfalls ihren (un- bzw. halbwissenschaftlichen) Senf dazu.

Was ist nun also wirklich an der Geschichte dran?

Es handelt sich um den Asteroiden „2001 TC4“, der vor drei Jahren bereits einmal die Erde in einem „geringen Abstand“ passiert hatte. Damals betrug der Abstand rund 80.000 km, was astronomisch gesehen zwar nicht sehr viel ist, aber immer noch eine ausreichende Entfernung.

Nun beehrt uns eben dieser Asteroid abermals auf seiner Rundreise durch unser Sonnensystem. Der Vorbeiflug an der Erde ist für Oktober 2017 vorausberechnet. Die NASA führt eine Datenbank, die die sogenannten „Near Earth Objects“ (NEO), also erdnahe Objekte katalogisiert und deren Wahrscheinlichkeit mit dem Zusammentreffen der Erde festhält.

Für unseren „Armageddon-Kandidaten“ findet sich dort ein Eintrag für eine Einschlagswahrscheinlichkeit von 5.5e-06 (http://neo.jpl.nasa.gov/risk/2012tc4.html).

Dies entspricht einer prozentualen Wahrscheinlichkeit von 0,00055 %. Oder anders gesagt, eine Chance von 1:182.000. Das ist sehr, sehr gering. Noch einmal anders ausgedrückt, wird uns der Asteroid zu 99,99945 % also NICHT treffen.

Aber warum behauptet diese Astronomin das dann?

Schauen wir uns doch einmal genauer an, was Frau Dr. Györgyey-Ries WIRKLICH gesagt hat.

In einem Interview mit der Seite astrowatch.net sagte sie:

“It has a 0.00055% cumulative chance that it will hit. The fact that the MOID [minimum orbit intersection distance] is only 0.079 LD flags it as a possible impactor. However it is just the smallest possible distance between the orbits.”

Übersetzung:

Es besteht eine 0,00055%-ige Chance, dass er uns treffen wird. Die Tatsache, daß die MOID (Minimum Orbit Intersection Distance) nur 0,079 LD (Lunar Distance, Entfernung Erde-Mond) beträgt, macht ihn zu einem möglichen Einschlagskandidaten. Wie auch immer, es ist lediglich die kleinste mögliche Entfernung zwischen den beiden Orbits“

Anders ausgedrückt: Frau Dr. Györgyey-Ries hat lediglich geäußert, dass es mit erwähnten 0,00055 Prozent Wahrscheinlichkeit zu einem Einschlag kommen könnte. Man kann die Bahnen von Asteroiden eben nur in einem gewissen Maß vorausberechnen, es gibt immer Beobachtungsfehler.

Es ist zumindest ein Grund, den Asteroiden genauer im Auge zu behalten, was sie ebenfalls in dem Interview geäußert hat.

Und wenn er doch trifft?

Der Asteroid hat nach aktuellen Erkenntnissen eine Größe von maximal ca. 40 Metern. Zum Vergleich: Der Meteor von Tscheliabinsk in Russland von 2013 hatte eine Größe von ca. 15 Metern. Auch dieser Asteroid würde, wenn er in die Atmosphäre eintritt, größtenteils verglühen und nur mäßigen Schaden anrichten. Wenn er überhaupt über bewohntem Gebiet herunterkommen würde, denn nur ca. 30 % der Erdoberfläche sind Land, und davon ist auch bei weitem nicht alles bewohnt.

Wie Florian Freistetter in seinem Artikel über diese Asteroiden-Schlagzeilen auch bemerkte, ist dieser Vorbeiflug eher eine Gelegenheit, mehr über Asteroiden zu erfahren und zu forschen, als ein Grund in Panik zu verfallen.

Warum dann diese Aufregung?

Das ist eine sehr gute Frage. Es besteht nämlich absolut kein Grund zur Sorge. Grund zur Aufregung besteht allenfalls über die Medien, die hier leider mal wieder komplett unnötig Panik schüren.

Auch diesem generellen Thema hat Florian Freistetter übrigens in seinem Blog einen Artikel gewidmet!

Autor: Rüdiger, mimikama.at

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