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+++UPDATE+++ Wir haben am 1.7.2017 / 0:45 Uhr das Thema erneut aufgegriffen und diese mit dem Titel: „Verwirrung um die Blue Whale Challenge“ erneut beleuchtet und einen Zusammenfassung erstellt was bis dato geschehen ist und warum es so eine Verwirrung um dieses Thema gibt. Den Artikel kann man HIER LESEN!

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Am 3. April 2017 wurde von uns schon ein Artikel zu einem Spiel veröffentlicht, welches vor allem im russischen Raum seine Runden zieht.

Die Rede ist vom „Blue Whale Game“, einem Spiel, in dem die Teilnehmer über mehrere verschiedene Aufgaben zum Selbstmord getrieben werden. Damals war die Rede von 130 Selbstmorden, die auf das Spiel zurückzuführen sind. Dies konnte aber nicht bewiesen werden. Erneute Aufmerksamkeit erlangte das Spiel nach einem Selbstmordversuch am 14. Februar 2017. Laut der Webseite „Radio Free Europe“ stürzte sich ein 10 Jahre altes Mädchen aus einem Hochhaus und kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Es bestand der Verdacht, dass das Mädchen am Blue Whale Game teilnahm – dies ist jedoch NICHT bewiesen!

Der Federal Security Service (FSB) – ein Geheimdienst der russischen Föderation, eröffnete daraufhin eine Datenbank für Suizide bei Kindern. Im russischen Raum gab es fast täglich eine Schlagzeile wegen des Spiels, und in sozialen Netzwerken machten Bilder und Videos von Selbstverletzungen (SVV) und Suiziden mit den russischen Hashtags #bluewhale, #seaofwhales, #i´minthegame, #wakemeat4.20, #F57 (Übersetzung) die Runde. Allein am 20. Jänner 2017 wurden Hashtags dieser Art rund 4000 Mal benutzt.

Jedoch gibt es auch hier keine direkten Zusammenhänge zum Blue Whale Game.

Die Website „Radio Free Europe“ schreibt, dass laut russischen Medien eine Gruppe von 4 Personen im Verdacht steht, eine Community gegründet zu haben, die am Suizid einer 15-Jährigen in Sindzikai Schuld sein könnte. Diese Gruppe wird ebenfalls verdächtigt, einem 15-Jährigen drei Monate lang Aufgaben gestellt zu haben, dieser stieg jedoch rechtzeitig aus. Ermittler erstellten ein Fakeprofil und chatteten mit dem Kurator, welcher das Profil der Beamten vor Beginn des Spiels blockte. Daher gibt es auch hierfür keinen Beweis!

Gibt es nun überhaupt einen Fall, welcher auf das Blue Whale Game zurückzuführen ist?

Laut einer Dokumentation von Spiegel TV vom 1. Juni 2017 gibt es mittlerweile einige Suizide, die mit dem Spiel zu tun haben könnten. Der Bericht handelt unter anderem von Sergej Pestov, dessen 12-jährige Tochter sich nach Eintritt in einer solcher Todescommunity das Leben nahm. Das Mädchen war Mitglied der Gruppe „Wake me up at 4.20“, die, bevor sie geblockt wurde, rund 250.000 Mitglieder zählte.

Die Mutter loggte sich dann selbst in einer dieser Communities ein, um zu sehen, was ihre Tochter in den Tod getrieben hat. Sie spielte das Spiel bis zur letzten Aufgabe mit, verletzte sich auch selbst, um nicht aufzufliegen. Bei der letzten Aufgabe – dem Selbstmord – stieg sie aus. Daraufhin gründete Sergej Pestov das „Zentrum zur Rettung von Kindern vor Cyberkriminalität“. Dies ist eine Organisation, welche sich mit Fakeprofilen in solche Gruppen (von denen es Tausende gibt) einloggt und versucht, Jugendliche vor diesen „Spielen“ zu schützen. Mittlerweile hat das Team, welches aus 150 Mitgliedern (Eltern von Opfern) und rund 600 Unterstützern besteht, mehr als 700 Kindern aus diesen Kreisen herausgeholt und sie somit wahrscheinlich vor Schlimmerem bewahrt.

Die Doku zeigt auch Videos von vermeintlichen Selbstmorden, die auf das Spiel zurückzuführen sind. Die Echtheit der Videos ist jedoch kaum zu ermitteln.

Filipp Budeikin

In der Doku sowie auch auf Websites, wie der dailymail.co.uk, hört man von der Festnahme eines vermeintlichen Kurators einer dieser „Todesgruppen“. Die Rede ist von Filipp Budeikin, welcher sich selbst auch als „der Fuchs“ bezeichnet.  Er steht im Verdacht, für den Suizid von 17 Jugendlichen verantwortlich zu sein. Diese Anschuldigungen gab er auch zu und behauptete, dass noch weitere 28 Personen „bereit zum Suizid“ gewesen wären. Die Aussagen B.´s schockieren in jeder Art und Weise. Er sagte, die Opfer seien „biologischer Abfall“ und er befreie die „normalen“ Menschen von den sozial Schwachen, da diese nur ihre Umwelt schädigten.

Er habe 5 Jahre über seine Taten nachgedacht, und gründete schon 2013 die Gruppe „F57“ auf der Website VK.com, in welcher sich depressive Inhalte befanden, um die Teilnehmer „in die richtige Stimmung zu bringen“. War dies geschehen, wurden sie in geschlossene Gruppen eingeladen, in denen die eigentlichen Handlungen begannen. Über Skype wurde ermittelt, wer psychisch labil und beeinflussbar ist, und Informationen über deren Lebensstil erfragt. Aufgrund dieser Infos wurde über den weiteren Verlauf entschieden. Wer nach den ersten simplen, und auch langweiligen Aufgaben nicht ausstieg, wurde dann über dauernden Schlafentzug und Beeinflussung durch Horrormedien gefügig gemacht. Den Opfern wurde immer eingeredet, ihr Leben sei nicht lebenswert.

Die Jugendlichen sollten Tiere töten und sich selbst verletzen, alles mit Foto- oder Videobeweis. Die letzte Aufgabe ist dann der Selbstmord des Teilnehmers.

Ein Problem bei der Ermittlung dieser Fälle ist, dass die Teilnehmer nach jeder Chatsitzung aufgefordert werden, alle Daten wieder zu löschen. So taten es auch 15 der Opfer von Filipp Budeikin.

In der Dokumentation werden einige Fälle gezeigt, die auf das Blue Whale Game zurückzuführen sind, sowie der Fall einer 11-Jährigen, deren Eltern gerade noch Wind von der Sache bekamen und ihr Handy durchsuchten. Darauf fanden sie Inhalte der erwähnten Netzwerke.

Auch die Orte, die für die Selbstmorde gewählt wurden, sprechen für die These. Im Falle der 12-Jährigen Tochter von Sergej Pestow wurde ein Hochhaus in der Nähe des Schwimmbad „Delphin“ und des Einkaufszentrum „Wal“ gewählt. Die Stelle, von der aus sich das Mädchen in den Tod stürzte, gilt nun als „Wallfahrtsort“ für viele Jugendliche. Aufnahmen von Sprüchen an den Wänden, wie „Das mache ich nach“, werden gezeigt.

Die Opfer bekommen einen bestimmten „Märtyrerstatus“, da sie mit ihrem Suizid den „Aufgaben des Lebens“ trotzen. So sieht man Fotos von glücklich wirkenden Jugendlichen, die auf einem Bahngleis oder auf einem Hochhausdach stehen.
Einige von ihnen nahmen sich kurz nach den Aufnahmen das Leben.

Was ist nun dran, am Blue Whale Game?

Geht man nach den Inhalten der Doku, Berichte anderer Websites und den Aussagen von Filipp Budeikin (über das Urteil ist bisher übrigens nichts bekannt), kann man sehr wohl einen Zusammenhang zwischen einem solchen Spiel und zahlreicher Selbstmorde Jugendlicher erkennen. Auch der Selbstversuch der Mutter und die Recherchen der Hilfsorganisation sprechen für die Existenz solcher „Todesgruppen“. Bei dieser Geschichte handelt es sich also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um KEINEN FAKE!

Man muss jedoch sagen, dass bei weitem nicht alle Beiträge in sozialen Netzwerken oder Selbstmorde, bei denen etwaige Hashtags und Botschaften verwendet wurden, auch wirklich im direkten Zusammenhang mit dem Blue Whale Game stehen.

Auch bei Selbstversuchen, welche man auf Youtube mitverfolgen kann, sieht man, dass bei weitem nicht jeder sofort in eine solche Gruppe kommt. Jedoch gibt es sie, aber diese herauszufiltern ist sehr schwierig, da Mitglieder zur Verschwiegenheit verpflichtet und alle Inhalte immer wieder gelöscht werden.

Die bisher belegten Fälle beschränken sich alle auf den russischen Raum, in Österreich oder Deutschland sind keine offiziellen Fälle bekannt.

Trotzdem erreichen uns immer wieder Anfragen zu vermeintlichen Fällen. Diese werden auch oft als Hoax geteilt und verbreiten sich sehr schnell.

Man kann nur dringend davon abraten, solche Seiten zu besuchen oder gar bei solchen „Spielen“ mitzumachen – auch nicht zum Spaß! Die Opfer werden terrorisiert und bedroht, so dass ihr Wille gebrochen wird und sie das tun, was der Kurator von ihnen will. Diese Communities haben auf keinen Fall etwas mit „spielen“ zu tun; es handelt sich um Verbrecher, die junge Menschen mit den grausamsten Methoden in den Tod treiben wollen.

Es wird geraten, Gruppen oder Nachrichten dieser Art in sozialen Netzwerken SOFORT ZU MELDEN, damit diese gelöscht werden können. Auch eine Meldung an die Polizei ist in diesen Fällen sehr wichtig, da dadurch vielleicht wieder ein Kurator, wie Filipp Budeikin, aus dem Verkehr gezogen werden kann.

Hinweis

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber.

Hier finden Sie Rufnummern der Telefonseelsorge:

Österreich: Tel.: 142
Sowie Rat auf Draht 147
Deutschland: Tel.: 0800/111 0 111
Schweiz: Tel.: 143

Quellen:

Autor: Michael Q.