Momentan erhalten wir viele Anfragen zu einer österreichischen E-Card, die im Geburtsdatum einen 13. Monat zeigt.

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Das Bild wird oft in Begleitung von erzürnten Kommentaren gepostet und verunsichert Nutzer.

Denn zu sehen ist eine österreichische E-Card, die vom österreichischen Sozialversicherungsträger ausgegeben wird und den Krankenversicherungsschutz ausweist.

Und diese E-Card zeigt als Geburtsdatum den 01.13.11. Was? Es gibt einen 13. Monat?

So sieht der Beitrag aus, der auf Facebook geteilt wird:

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Quelle: Facebook / Screenshot Mimikama

Bild im Klartext:

Habt ihr schon solche E-cards gesehen? Die betreffende Person hat am 1.13. Geburtstag. Warum? Weil alle Zuwanderer ohne Pass automatisch den 1.1. als Geburtsdatum kriegen und mittlerweile nimmt es das System nicht mehr, weil es einfach ZU VIELE sind. Deshalb hat man prompt ein 13tes Monat dazu geschummelt. Wien ist anders

Was ist dran an diesen Behauptungen?

Stimmt also die Aussage, dass Zuwanderer ohne Pass automatisch den 1.1. als Geburtsdatum zugewiesen bekommen? Und stimmt es, dass ein 13. Monat erfunden wurde, weil es zu viele Zuwanderer ohne Pass gibt und „das System“ diese nicht mehr aufnehmen kann?

Räumen wir zuerst einmal ein wenig auf:

Die Aussage, dass betroffene Zuwanderer ohne Pass automatisch den 1.1. als Geburtsdatum zugewiesen bekommen, stimmt so nicht ganz.

Die ayslkoordination österreich teilte in einer Stellungnahme zum Entwurf eines Verwaltungsgerichtsbarkeits-Anpassungsgesetzes nämlich folgendes mit:

Junge AsylwerberInnen haben immer wieder das Problem, dass sie bei verschiedenen Behörden mit unterschiedlichen Geburtsdaten registriert werden. So kann es sein, dass ein Obsorgebeschluss des Bezirksgerichts eine Person als Minderjährigen ausweist, das Bundesasylamt allerdings (aufgrund einer medizinischen Altersbegutachtung) von seiner Volljährigkeit ausgeht. Auch die Sozialversicherungsnummer (bzw, die von der Sozialversicherung eingetragenen Geburtsdaten) trägt zur Verwirrung bei. Die Eintragung erfolgt entsprechend der von den Asylbehörden zunächst aufgenommenen Daten. Dabei kommt es häufig zu Fehlern, da viele Jugendliche nur ihr Geburtsjahr, nicht aber ihr exaktes Geburtsdatum wissen; oder nur angeben können, dass sie z.B. 16 Jahre alt sind. Auch Fehler bei der Umrechnung (Islamischer Kalender/Gregoriantischer Kalender) oder bei der Übersetzung sind keine Seltenheit. Regelmäßig bekommen die Jugendlichen in diesen Fällen die Sozialversicherungsnummer. XXXX 01.01.XX – bzw. wenn bereits alle möglichen Nummern vergeben sind die SVNr. XXXX01.13.XX – zugewiesen.

Das heißt:

Wenn nicht eindeutig klar ist, wann der Betroffene Geburtstag hat, dann erst wird der 1.1. als Geburtsdatum verwendet – und das unabhängig davon, ob dieser einen Pass hat oder nicht. Dabei kann es auch vorkommen, dass als Geburtsmonat der 13. zugewiesen wird, weil bereits alle möglichen Nummernkombinationen des 1.1.XX vergeben sind.

Nicht aber, weil es zu viele Zuwanderer gibt und dabei „die Systeme“ crashen.

Und diese Praktik gibt es auch nicht quasi erst seit gestern.

Denn dieser 13. Monat, bzw. die verschiedenen Geburtsdaten, die der Betroffene demnach hat, bereiten auch Probleme. Viele können schwer erklären, warum sie vier verschiedene Geburtsdaten haben oder im Monat des 13. geboren sein sollen. Arbeitgeber gehen meist von gefälschten Dokumenten aus oder Gerüchte kommen auf, dass hier eben „geschummelt“ wird.

Deshalb wurde bereits 2013 über einen neuen Gesetzesentwurf gebrütet, um einen Ansatz zur Lösung dieser Problematik zu finden.

Ergebnis:

Ja, es gibt E-Cards mit einem 13. Monat im Geburtsdatum.

Diese werden vergeben, wenn alle möglichen Nummern des 1.1.XX bereits vergeben sind.

Hierbei handelt es sich jedoch um keine neuartige Praktik, sondern das wird schon seit Jahren so gemacht.

Die Aussage also, dass “das System” die Zuwanderer ohne Pass nicht mehr nehmen könne, weil es zu viele wären, ist demnach so nicht korrekt.

Hier handelt es sich um eine missinterpretierte Halbwahrheit.

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