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Gemeinsam gegen Fakes, Fake-News und anderen Unwahrheiten im Internet. Bitte hilf mit!

Auch wenn Themen hier und da in den Untergrund verschwinden, sind sie trotzdem noch vorhanden und nicht einfach „weg“. Einen Beitrag zu diesem Thema finde ich insofern wichtig und sehr wertvoll, als dass es das Bewusstsein für jegliche Art von und im Endeffekt gegen Kindesmissbrauch schärft. Aufmerksam zu sein kann man trainieren.


 

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Sommer letzten Jahres wurde Danica Patterson aus Dallas ebenfalls auf etwas aufmerksam gemacht. Freunde von ihr schickten ein Screenshot der Facebook-Seite Ramon Figueroa’s.

Auf dieser fand sie die Bilder ihrer Tochter wieder. Auf der digitalen Website eines fremden Mannes waren die Fotos ihres liebsten Schatzes zu sehen mit Bilduntertiteln versehen, die andere glauben ließen, sie wäre sein Fleisch und Blut.

„Y’all can’t say ma daughter not ma twin“
“Ihr könnt nicht behaupten, meine Tochter wäre nicht mein Zwilling”

Solche und ähnliche Aussagen fielen im Zusammenhang mit ihrer Tochter.

Auf Nachfragen der schockierten Mutter bei Facebook, wurde ihr mitgeteilt: Diese Seite verletze keine Richtlinien der Gemeinschafts-Standards.

„It was my daughter! All over his page. It’s scary. That’s the only thing I can really say, it’s scary“,
„Es war meine Tochter! Überall auf seiner Seite. Es ist beängstigend. Das ist das einzige, was ich darüber sagen kann: es ist beängstigend“,

erzählte sie CBS DFW.

John Browning, ein Anwalt, der sich auf Social Media spezialisiert hat, verwendet hierfür den Begriff „Digital Kidnapping“, fügte aber auch hinzu, dass es sich hier um eine Grauzone des Gesetzes handelt.

„It’s occurring nationwide. And it’s, sadly, creepy but not directly illegal“
“Es erscheint überall auf der Welt. Und es ist höchst beunruhigend, aber trauriger weise nicht direkt illegal.“,

erklärt er.

Doch was ist denn jetzt Digital Kidnapping genau?

Egal ob von seinen Haustieren, seiner Familie, den Kindern oder von uns selbst – die meisten lieben es, Fotos in soziale Netzwerke zu stellen und sie mit der Welt zu teilen.

Schnell, einfach und bequem, ermöglichen es uns soziale Netzwerke sich mit unseren Verwandten und Freunden rasch zu vernetzen und ihnen die neuesten Geschehnisse in Form von Bildern zu dokumentieren.

Aber nicht nur unser Bekanntenkreis bekommt diese Fotos zu Gesicht, oft weiß man gar nicht, wo seine eigenen Fotos am Schluss im Internet landen.

Und selbst Social Media-Giganten wie Facebook, Instagram und Twitter haben alle dasselbe Problem, ebenso wie Dating- und sogar Pornoseiten.

Die Entfremdung von Fotos im Internet nimmt in seiner Häufigkeit stetig zu.

Zugegeben, ein ziemlich lästiges Phänomen … lacht man über diverse Memes noch, stockt einem der Atmen, wenn man über fiktive Adoptionsverfahren mit gestohlenen Kinderfotos stolpert.

Die Identität der eigenen Kinder in einem komplett neuen Kontext zu sehen erfreut kein Elternteil.

Doch sind diese „Rollenspiele“ im Internet wirklich so gefährlich und was unterscheidet ein Rollenspiel von einem Meme und eben Digital Kidnapping?

Memes

„Ein Mem (Plural: Meme) bezeichnet nach der Memtheorie einen einzelnen Bewusstseinsinhalt (zum Beispiel einen Gedanken), der durch Kommunikation weitergegeben und damit vervielfältigt werden kann. Dies trägt zur soziokulturellen Evolution bei. Seit der Jahrtausendwende wird der Begriff auch – oftmals in seiner englischen Schreibweise Meme – für Internet-Phänomene verwendet, die sich in sozialen Medien „viral“ verbreiten“.

Quelle: Wikipedia

Memes bedienen sich Bilder/Fotos aus dem Internet, welche mit Aussaugen (zumeist in Englisch oder absichtlich grammatikalisch falschem Englisch) versehen werden und so in einen neuen Kontext geraten.

Sie dienen der Belustigung und werden oft keinem kritischen Zusammenhang betrachtet.

Memes
Google-Suche: es gibt zig Memes mit Fotos, die einen neuen Kontext erhalten haben

Roleplay (Rollenspiel)

Beim Rollenspiel schlüpft man in die Rolle eines anderen Menschen, Tieres, fiktiver Person, Gegenstandes, etc. … Man inszeniert Handlungsstränge und erfindet neue Abenteuer und Geschichten rund um die Charaktere.

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Quelle: youtube Video – Baby Roleplay – The Instagram game using stolen photos of other people’s children by BBC Trending

In den letzten Jahren hat sich zum Thema Rollenspiel auf Instagram eine sehr spezielle Community gebildet. Zumeist sind diese Konten anonym oder privat und sammeln Unmengen an Amateuraufnahmen von Baby- und Kinderfotos anderer Instagram-Nutzer.

Meist suchen sie unter bestimmten Hashtags, wie zum Beispiel #openrp, #babyrp oder #kidrp nach Gleichgesinnten und spielen per Kommentarfunktion den Alltag einer fiktiven Familie mit den gestohlenen Fotos und erfundenen Identitäten nach.

Von der Fütterung des Kindes, bis hin zu Disziplinierung jenem ist alles dabei. Manche User haben dabei komplette Fake-Familien.


 

Andere wiederum erstellen Konten und laden Follower dazu ein, die Babys zu adoptieren, indem sie die gestohlenen Bilder plus erfundenem Profil hochladen.

Der Kommentar einer Fotografin aus Los Angeles gegenüber der Washington Post verdeutlicht die Problematik dieser Baby-Rollenspiele:

“Some seem pretty harmless and do not bother me too much, besides the fact that they are stealing photos,” she said, “but the accounts where people are playing out sexual or abuse storylines are just awful. These people clearly are not right in their mind. Who knows how many of these weirdos have molested children in real life; obviously they think about it and it is a ‘turn on’ for them. I don’t understand how it is OK for people to run accounts like this. It’s basically child pornography.“

„Manche wirkten recht harmlos und haben mich nicht sonderlich aufgeregt, bis auf die Tatsache, dass sie Fotos stehlen. Aber die Kontennutzer, die sexuelle oder missbräuchliche Handlungen in Geschichten nachspielen, sind einfach nur erschreckend. Diese Personen sind ganz klar nicht ganz richtig im Kopf. Wer weiß, wie viele von diesen seltsamen Personen Kinder im wirklichen Leben belästigt haben; denn sie denken offensichtlich darüber nach und törnt sie an. Ich verstehe nicht, wie das diese Leute in Ordnung finden können, die diese Konten führen. Das ist schlicht und ergreifend Kinder Pornographie.“

Nach Aussagen eines Sprechers von Instagram werden auf Meldungen von besorgten Eltern sehr schnell reagiert und die entsprechenden Inhalte sofort gelöscht. In der Theorie leichter gesagt, als in die Praxis umgesetzt.

Instagram beschäftigt ein Team, welches den Inhalt der Fotos sichtet. Darüber hinaus scannen sie die Fotos mit PhotoDNA, einer Software, die dabei hilft Kindesmissbrauch zu entdecken.

Da die Baby-Rollenspiel-Community Privatfotos von anderen Usern nutzt, wo die wenigsten Fotos explizite Kinder Pornographie zeigen, ist es schwierig, solchen Tätern auf die Schliche zu kommen. Denn auch hier befinden wir uns wieder in einer Grauzone.

Näheres zum Thema in englischer Sprache findet man von BBC Trending auf youtube:

Doch wie kann man seine Kinder und sich selbst vor Digital Kidnapping schützen?

Auf Facebook kann man im Hilfebereich folgenden Eintrag finden:

fb foto stolen
Facebook stellt Tipps und Tricks im Hilfecenter parat

Viele Tipps belaufen sich auf die Aussage, dass man die Seite und das Foto melden soll. Falls es keine Facebook-Seite gibt, oder dich der User blockiert hat, verweisen sie darauf, dass ein Freund die Meldung für dich erledigen kann oder du ein Formular auf deren Website ausfüllen kannst.

Beiträge melden

Um einen Post zu melden, musst du lediglich auf den Button, der wie ein Pfeil aussieht in der rechten oberen Ecke klicken und „Beitrag melden“ anklicken.

Wenn du ein Foto melden willst, dann klickst du auf den „Optionen“ Button am unteren Rand.

Private Einstellungen

Halte deinen Einstellungen stets auf privat. Am besten auf all deinen Social Media Accounts. Das stellt sicher, dass nur Leute, denen du es erlaubt hast, in der Lage sind, deine Fotos und Beiträge zu sehen.


 

Wasserzeichen

Wenn du wirklich auf Nummer sicher gehen willst, dann markiere deine Bilder mit einem Wasserzeichen. Dazu setzt du eine persönliche Signatur über das Foto. Am besten setzt man es dort, wo sich Leute die meiste Mühe machen müssten, es auszuschneiden. Man kann auch zwei Wasserzeichen setzen, wobei das eine etwas versteckter ist, als das andere. So erhöht sich die Chance, dass eines der Wasserzeichen übersehen und nicht ausgeschnitten wird.

Außerdem wirkt ein Wasserzeichen abschreckend auf die Kidnapper, da sie durch das Wasserzeichen sehr deutlich sehen, dass das Kind jemand anderem gehört und es ihnen den Spaß am Spiel verdirbt.

Verrate so wenig wie möglich

Gib so wenig Informationen auf Social Media Netzwerken über dich preis wie möglich.

Der Name und das Geburtsdatum sind noch vollkommen ok, aber wenn jegliche Informationen über dich im Internet stehen, animiert das andere, deine Identität zu stehlen oder benutzen diese Informationen, um neue Profile zu kreieren.

Man kann sich nicht sicher sein, ob aus Fiktion nicht doch einmal Wirklichkeit wird und der Rollenspieler nicht nur die Identität deines Kindes stiehlt, sondern es auch im realen Leben stalken möchte. Ortsbestimmungen und Geo-Tags in den Beiträgen wegzulassen, kann dich und deine Familie schützen.

Zuerst fragen, dann handeln

Wenn du Fotos hochladen möchtest, auf denen andere zu sehen sind, solltest du immer auch zuerst die Betroffenen fragen. Vor allem wenn es um Kinder anderer Eltern geht.

Better be safe than sorry

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Quelle: shutterstock

Fazit:

Wie immer gilt – Zuerst denken, dann klicken! Selbstverantwortlich zu handeln ist auch in digitalen Zeiten angebracht und vor allem, wenn man Kinder hat, sollte man diese vor Gefahren schützen. Fotos zu stehlen, kann auf den ersten Blick unterhaltsam sein, doch wenn dein Kind als Vorlage für sexuellen Missbrauch oder boshaften Memes herhalten muss, finden das die wenigsten Eltern lustig (und wenn man das Kind fragt, dieses auch nicht!).

Verantwortung zu übernehmen beginnt auch mit den kleinen Dingen des Lebens. Hin- statt wegschauen und gelerntes Wissen anwenden. Dann wird auch die Zukunft unserer Kinder ein Stück sicherer.

Quellen: Dailymail UK, Washington Post, Privacy Snapper