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Manche Geschichten im Netz entpuppen sich als wahrer Frankenstein: immer wieder werden Hoaxes oder Kettenbriefe wiederbelebt und geistern jahrelang auf Sozialen Netzwerken herum.

So auch die in Drogen getränkte Visitenkarte. Denn ob per Email, WhatsApp-Nachricht oder Facebook-Beitrag. Seit geschlagenen 8 Jahren hält sich dieses Gerücht und wird munter wieder und wieder und wieder geteilt.

Dabei ist der Text seit 2009 kaum verändert worden, wie man an diesem Facebook-Status-Beitrag schwer erkennen kann:

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Quelle: facebook / screenshot mimikama

Die aufgetischte Geschichte:

Es geht um eine Frau, die angeblich an einer Tankstelle von einem Mann angesprochen wurde und ihr eine Visitenkarte anbot.

Nachdem die Dame die Visitenkarte an sich genommen und mit ihrem Wagen die Tankstelle verlassen hatte, fühlte sie sich nach einiger Zeit immer berauschter und bekam kaum Luft.

Sie öffnete das Fenster und bemerkte dabei, dass ein seltsamer Geruch von ihrer Hand ausging und dass sie von zwei Männern verfolgt wird.

Auf einem Parkplatz hielt die Frau schließlich an und schrie um Hilfe – die Täter sollen danach geflüchtet sein.

Danach findet man einen Hinweis, dass diese Visitenkarte mit einer flüssigen Droge getränkt worden sei. Der Name der Droge lautet BURUNDANGA.

Eine weitere Masche sei, dass man diese gefährliche Karte unter die Scheibenwischer des Autos klemmt.

Was ist dran an der Geschichte?

Beleuchten wir den Text nun etwas eingehender. Denn einen wahren Kern hat dieser Hoax schließlich:

Burundanga gibt es wirklich!

ABER:

Burundanga ist geruchs- und geschmacklos und wir hauptsächlich über Speisen, Getränke und präparierte Zigaretten inhaliert.

Ergo, sollte es sich wirklich um diese Droge handeln, hätte besagte Frau keinen “komischen Geruch” wahrnehmen dürfen.

Was ist Burundanga eigentlich?

Es handelt sich um eine chemische Verbindung namens Scopolamin, oder auch Hyoscin, die zu den Tropan-Alkaloiden zählt.

Scopolamin kommt in Nachtschattengewächsen vor, kann aber auch künstlich hergestellt werden.

Bei niedriger Dosierung wirkt es leicht beruhigend und hemmend auf das Brechzentrum im Gehirn. Wird die Dosis höher wirkt es dämpfend und sorgt für einen Zustand der Apathie bis hin zur Willenlosigkeit. In den 1950er Jahren wurde es auch als so genanntes Wahrheitsserum eingesetzt.

Es wurde hauptsächlich zu therapeutischen Zwecken verwendet (Augenheilkunde, Beruhigung des Darmtrakts, etc. ) aber auch als Rauschmittel missbraucht.

Der Begriff “Burundanga” stammt aus Lateinamerika, wo Scopolamin von Kriminellen als K.O.-Tropfen benutzen.

Diese Drogen gibt es also wirklich, also muss auch die Tankstellen-Story wahr sein!?

NEIN! Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass diese Frau, die Männer und diese Visitenkarte jemals existiert haben!

Die Schweizer Polizei hat schon im Jahre 2009 folgendes bekannt gemacht:

27.03.2009: Die mit Drogen getränkte Visitenkarte gibt es nicht! Basel. Die Polizei warnt von Mails, die im Moment kursieren. Sie enthalten eine so genannte «urbane Legende». – SiD BS/PN

In der jüngsten Zeit kursieren Mails, in welchen gewarnt wird, wonach jemand in der Regel kurz vor dem Einsteigen in sein Fahrzeug von einer unbekannten Person eine Visitenkarte erhalten hätte. Diese Visitenkarte wäre mit einer betäubenden Flüssigkeit getränkt, so dass der Fahrer bald einmal anhalten muss und kurzfristig  das Bewusstsein verliert. In dieser Zeit wird dann der Fahrer ausgeraubt oder – falls es sich um ein weibliches Opfer handelt – dieses vergewaltigt.
Es handelt sich dabei um eine so genannte urbane Legende, die als Kettenmail von England kommend in der Zwischenzeit bei uns eingetroffen ist und ins Deutsche übersetzt nun weiter verbreitet wird. Die betäubende Droge trägt den Fantasienamen «Burundanga», eine Substanz, die sowenig existiert wie der Fall selbst.
Solche urbanen Legenden tauchen in regelmäßigen Abständen immer wieder auf, seien es nun die Spinne in der Yucca-Palme oder der tote Schwimmer im Waldbrandgebiet, welcher mit einem Löschflugzeug aufgesogen wurde.
Personen, welche solche Mails erhalten, sollten diese löschen und auf keinen Fall weiter verbreiten, auch wenn dies vom Absender teilweise ultimativ gefordert wird. Quelle: Polizeinews.ch

Hier eine Email-Form der vermeintlichen Warnung:

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Der klassische Kettenbrief

Warum also wird diese Nachricht wieder und wieder und wieder geteilt?

Dazu muss man die Essenz eines Kettenbriefes verstehen:

In Kettenbriefen wird man aufgefordert die Nachricht an so viele Leute oder einer bestimmten Anzahl an Leuten weiterzuschicken, damit dies und jenes nicht passiert. Solche Nachrichten nutzen also ein Schneeballsystem, um möglichst schnell, möglichst viele Leute zu erreichen.

Dadurch wir das Kommunikationssystem stark belastet und auch die Empfänger womöglich bewusst belästigt und natürlich Ängste und Hoffnungen geschürt. (Sei es in Gewinnspielform oder dass ein Geist unter deinem Bett wohnt.)

Trotz allem sind solche Kettenbriefe und erfundenen Warnungen (Hoax) sinnfrei und sollten nicht weitergeleitet werden.

Fazit:

Bei dieser Behauptung handelt es sich um einen Hoax und sollte nicht weiter geteilt werden.

Kettenbriefe dieser Art verunsichern die Menschen und schüren Ängste.

Die Polizei selbst gab bekannt, dass es sich um eine so genannte “Urbane Legende” handelt!

Zwar ist die Mutter der Porzellankiste noch immer die Vorsicht, sollte man sich aber wirklich derart unsicher sein, kann man bei der Polizei nachfragen oder selbst recherchieren.