Die Stute vor Rom - eine Stulle mit Brom - das Statut von Rom

Die Stute vor Rom – eine Stulle mit Brom – das Statut von Rom

Von | 15. Juni 2018, 12:59

Ich saß wieder einmal am Kopfende meines Tisches und dachte so bei mir, dass ich nach zwei Beiträgen eigentlich mal etwas Leine lassen könnte, aber dann kam das Ding mit der Todeslinie, neudeutsch „Deadline“, könnte natürlich auch eine Todesleitung sein, bei internationalen Anrufen heißt es ja gerne mal „please hold the line“.

Hmm, wenn man beides bedenkt, dann ist man beim Nächsten „please hold the line“ – vielleicht etwas vorsichtiger – „Hold the line“ und dann zapp, Anrufer erlegt mit der Deadline. Geht so wie bei den Auszubildenden im Elektrowesen „Hier halt mal..“ „Ok und jetzt.“ „Prima kein Strom drauf…“.

Das stimmt mich jetzt aber doch neugierig, werden hinterrücks Fallen aufgebaut, Selbstangeln und Fußschußanlagen? Und warum und wann und überhaupt?

Es geht los – ich beginne von vorn, also am Anfang, nicht ganz vorn mit der Weltenerschaffung, dann eher weiter hinten, da wo es losgeht mit der Deadline, welche wiederum nicht direkt am Anfang steht, wäre ja auch doof, eigentlich ist alles was mit Dead zu tun hat, ziemlich am Ende.

Wo war ich? Achja, ich wollte zum Anfang, dann schauen wir mal…

Nur für den Fall… welchen? Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ? Den Fall von Karthago? Der Prager Fenstersturz, der ja auch irgendwie ein Fall ist? Der Fall JFK? Der, der nach dem Hochmut kommt? Keine Ahnung, wird nicht gesagt, es wird einfach nur „Nur für den Fall…“ in den Raum, den virtuellen Schriftraum, gestellt, ohne genauere Erläuterung, sehr dubios. Aber Recherchen ergaben, dass es sich nicht um den von Stubbe handelt, denn das wäre ja „Von Fall zu Fall“, ebenso wenig handelt es sich um den von Matula, denn, na wer weiß es? Richtig, das wäre „Ein Fall für zwei“…

Egal, machen wir mal weiter.

„Deadline morgen!!!“

Ah, morgen beginnen die Todesleitungen, ääääh, welches morgen? Echt jetzt, so kann ich nicht arbeiten! Geht es etwas deutlicher? Warten wir mal ab, es wird bestimmt im Laufe des weiteren Textes verdeutlicht, die Hoffnung und so…

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Mal Klartext – häh?

„Alles, was du jemals veröffentlicht hast, kann von morgen an, an die Öffentlichkeit. Sogar Nachrichten die gelöscht wurden oder die Fotos die nicht erlaubt sind. Es kostet nichts einfach Kopieren und Posten, ist sicherer als Nachsicht.“

Eine herrliche Zusammenstellung, viel Panik wird geschürt, ohne in diesen drei Sätzen in irgendeiner Form auch nur ansatzweise anzudeuten um was es geht, wo oder wie ich etwas veröffentlicht haben muss, um in diese gar hinterlistige fiese Falle zu tappen. Wobei ich persönlich die Kombination aus „Alles was DU jemals VERÖFFENTLICHT hast“ und „von morgen an, an die ÖFFENTLICHKEIT“ besonders unterhaltsam finde, ist es nicht der eigentliche Sinn einer Veröffentlichung, dass sie an die Öffentlichkeit kommt? Wenn ich es nicht will, dann veröffentliche ich es nicht, was er meint ist ein Tagebuch…

Ich merke schon es sind einige Sätze enthalten, die nehme ich mir am Schluss noch mal vor.

„Channel 13 News sprach über die Änderung in den Datenschutzrichtlinien von Facebook.“ WHOOPWHOOP, wir haben die ersten Hinweise. Channel 13 News, gleich mal nachschauen, das ist interessant, oder sieht interessant aus, leider kann ich die Schrift nicht lesen, zumindest nicht auf der Webseite auf der Facebook Seite sind es lateinische Lettern, aber leider scheitere ich an der Sprache, zumindest aber weiß ich wo sie sind – auf den Malediven, na wer wäre da nicht gerne.

Aber auch in den USA gibt es einige „Channel 13 News“, nur findet sich bei denen auch nur maximal eines – ein Hinweis auf diesen Text, aber erst NACH der Veröffentlichung auf Facebook. Was jetzt durchaus etwas verwirrend ist, versuchen wir es mal zu sortieren.

Es wird eine Warnung verbreitet, in der darauf hingewiesen wird, dass auf „Channel 13 News“ bereits über die Änderung der Datenschutzrichtlinien von Facebook berichtet wurde, anschließend berichten „Channel 13 News“ erstmals darüber, dass sie darüber berichtet haben sollen? Verdammte Axt wer hat jetzt schon wieder die Raumzeit gekrümmt?

Channel 13 News

Machen wir mal weiter, bevor wir uns in Zeitreisetheorien verfransen.

Es gibt, über die USA verteilt, etliche „Channel 13“ und die Chance, dass da dann auch Nachrichten laufen, stehen gar nicht so schlecht, was natürlich geschickt gewählt wurde, zumindest im Originaltext, denn hier bei uns gibt es keine „Channel 13 News“, hier braucht es mehr Substanz, welche „Channel 13 News“ also, in welcher US Region hat der entsprechende Sender darüber berichtet? Aber klar, ein „Nachrichtensender“ wirkt im ersten Moment seriös und in Verbindung mit Facebook und Datenschutzrichtlinien kann man schon in den Mägen der ersten Leser leichtes Panikgrummeln auslösen.

Wir wissen aber immerhin schon mal – es handelt sich um Veröffentlichungen, auch von gelöschten, auf Facebook, ist ja auch schon mal was.

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„Ich gebe Facebook – oder irgendwelche Organisationen die mit Facebook verbunden sind keine Erlaubnis, meine Bilder, Informationen, Nachrichten, Beiträge, aus der Vergangenheit und in Zukunft zu nutzen. Mit dieser Erklärung kann ich auf Facebook hinweisen, dass es strengstens verboten ist, zu veröffentlichen, kopieren, verteilen, eine andere Aktion gegen mich auf oder von diesem Profil oder von meinem Inhalt zu verwenden. Der Inhalt dieses Profils ist Privat und hat vertrauliche Informationen.“

Wow, einfach nur Wow, aber nicht wegen des Inhaltes, sondern wegen der Formulierungen, die sind ein Schlag in die Magengrube eines jeden Textschöpfers. Dank „Channel 13 News“ (s. Link oben) kennen wir die englische Variante des Beitrages, nimmt man diese und lässt den Google Übersetzer darüber laufen, so bekommt man eine sprachlich sauberere Ausgabe als die, die hier vor uns liegt, nicht perfekt, aber um Längen besser. Es wurde also entweder von Hand übersetzt, im Satzbau und Ausdruck aber nicht korrigiert, oder aber der neue Google Übersetzer ist besser deutlich besser geworden. Schade, hat sich mein Verdacht, es wäre mit Google übersetzt worden, nicht so einfach belegen lassen, na ja, man kann ja nicht immer Glück haben.

Doch was erreicht man mit dem Text? Na nix – der ist rechtlich irrelevant, hat aber im Gesamtkonstrukt des Beitrages eine wichtige Aufgabe, er füllt Zeilen und fesselt den Leser, eventuell verunsicherte Figuren werden endgültig in den Bann gezogen.

Jetzt kommen wir zu meinem Lieblingsteil:

„Die Verletzung der Privatsphäre kann durch Gesetz bestraft werden (UCC 1-308 1-308 1-103 und dem Statut von Rom).“

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UCC? Was ist das? Uniform Commercial Code – darin geht es um amerikanisches Handelsrecht. Auch schön, hat aber nicht wirklich etwas mit Daten auf Facebook zu tun, schon gar nicht mit Daten deutscher Nutzer.

Na gut, dann nehmen wir das „Statut von Rom“ das hilft bestimmt, zumindest klingt es wichtig, ist es auch, es handelt sich hierbei um einen völkerrechtlichen Vertrag, durch den der internationale Gerichtshof die Bestrafung und Verhinderung von Kriegsverbrechen, das Verbrechen der Aggression, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit regeln soll. Also die internationale Übereinkunft für den internationalen Gerichtshof in Den Haag. Na, immerhin etwas internationales, aber mit überhaupt keinem Bezug zu Facebook, also auch ein Schuss in den Ofen, och menno.

Weshalb ist das mein Lieblingsteil, wenn es doch so rein gar nichts bringt? Weil es wieder mal zeigt, wie einfach es ist, Menschen zu beeindrucken, wirf mit irgendwelchen Kürzeln, notfalls einer alten Mittelwellenfrequenz mit Senderkürzel, um dich, die etwas schlichteren Gemüter fressen dir aus der Hand.

Weiter geht es mit der weisen Erkenntnis:

„Hinweis: Facebook ist wird ein öffentliches Unternehmen“ – wie jetzt öffentliches Unternehmen? Facebook ist ein soziales Netzwerk, betrieben von der Facebook Inc., einem Unternehmen mit Mark Zuckerberg als CEO.

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Jetzt fehlt nur noch der wichtigste Teil, den mit der Panik schüren hatten wir schon, jetzt müssen wir sie noch entsprechend kanalisieren, das geschieht mit:

„Alle Mitglieder sollten dies in ihr Profil schreiben. Wenn ihr wollt, könnt ihr diese Version kopieren und einfügen. Wenn ihr diese Anweisung nicht mindestens einmal veröffentlicht, können sie eure Fotos, sowie die im Profil-Status-Updates enthaltenen Informationen verwenden. NICHT teilen. Kopieren und Einfügen.“

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Genau, weil Facebook auch nichts besseres zu tun hat als die Profile aller rund 2 Milliarden Nutzer durchzublättern und nach genau DIESEM Beitrag zu suchen, denn man überlege sich das Entsetzen der Nutzer, wenn sie erfahren würden, dass Facebook nur um diesen Beitrag zu finden, einen Algorithmus gebastelt hat, der filtert, wessen Beiträge durch diesen einen Beitrag gesichert wurden, das Entsetzen wäre überwältigend, Cambridge Analytica sag ich nur.

Ganz wichtig „Nicht teilen. Kopieren und Einfügen.“ Richtig, denn nur so klappt das, was ganz am Anfang steht „Deadline morgen!“ Durch kopieren und einfügen, steht auf den Seiten derer, die es verbreiten für einen Tag immer das aktuelle Datum, es bleibt also relativ aktuell, auch wenn dieses Ding das erste mal vor rund 6 Jahren in abgewandelter Form durchs Netz geisterte. So hält man es immer am Leben, denn irgendeiner teilt es immer.

Auch die Tatsache, dass auf Facebook durch mangelnde Toleranz, Respekt und Benehmen verbal kriegsähnliche Verhältnisse herrschen, so sind die dabei getroffenen Aussagen immer noch Sache der staatlichen Justiz, sofern sie strafrechtlich überhaupt relevant sind. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis ein Statusbeitrag auf Facebook ausreicht, um den Verfasser vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu bringen.

Natürlich ist es sinnfrei, der Aufforderung nach kopieren und einfügen zu folgen, es hat rechtlich keinerlei Wirkung, allerdings wird auf Facebook soviel Mist verbreitet, da gehört dieses Ding zu den wirklich harmlosen und für uns als Fakejäger schnellen Kost, dass sich keiner die Mühe macht, es textlich zu überarbeiten, ein Blick von uns „ach der schon wieder“ und Business as usual. Ja, vielleicht ein Kampf gegen Windmühlen, aber wir machen es gerne.

Übrigens darf dieser Beitrag gerne geteilt werden, vielleicht können wir so die Wiederkehr des „Widerspruchs gegen die neuen Datenschutzrichtlinien“ etwas hinauszögern.

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