Ist es ein Stück weit Sozialromantik? Oder ist es einfach nur ein Gleichnis? Die Geschichte um das Wolfsrudel auf Wanderschaft, welches die alten und kranken Mitglieder im Rudel den Ton angeben lässt, entpuppt sich am Ende eher als eine Fabel anstatt einer Tatsachendarstellung.


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Es handelt sich dabei um die virale Geschichte eines großen Wolfsrudels auf Wanderschaft. Das Bild zeigt eine Schneelandschaft, 25 Wölfe und eine vermeintliche Gruppenaufteilung, die in sozialen Netzwerken eine gesellschaftskritische Interpretation bekommen hat.

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Zu diesem Bild findet man folgenden Beschreibungstext vor:

Natürliches Sozialverhalten….
Ein Wolfsrudel auf Wanderschaft. Die ersten 3 sind älter oder kränklich (gelber Kringel).Sie bestimmen die Geschwindigkeit des Rudels. Wenn es anders herum wäre, würden sie bald zurückbleiben und den Kontakt zum Rudel verlieren. Im Falle eines Hinterhalts wären sie Opfer.
Ihnen folgen die 5 Stärksten (rote Markierung). In der Mitte der Rest des Rudels. Und am Ende wieder 5 Stärkere.
Als Letztes und allein geht der Alpha-Wolf (blauer Pfeil). Er kontrolliert die Gesamtsituation aus der hinteren Position. Von hier aus kann er die ganze Gruppe dirigieren, entscheiden, welche Richtung einzuschlagen ist und bereit sein für eventuelle Angriffe von Gegnern.
Das Rudel folgt dem Geh-Rhythmus der Älteren und behält im Sinn, dass der Gemeinschaftsgeist es nicht zulässt, irgendjemanden zurückzulassen.

Es gilt an dieser Stelle nun nicht, das Gesellschaftsbild zu kritisieren, sondern danach zu schauen, ob die Behauptung stimmt und auch zu dem Bild passt. Leider ergibt sich bei dieser Untersuchung eher ein Gegenteiliges, jedoch ebenso interessantes Bild.

Die stärksten gehen vorne

Unsere englischsprachigen Kollegen von Snopes haben sich bereits im Dezember 2015 mit diesem Bild und der Aussage beschäftigt [1]. Interessant an dieser Stelle zu erfahren: der Inhalt existiert auf viraler Ebene ebenso auf Englisch. Snopes fand dabei heraus, dass dieses Bild bereits im Jahre 2011 beim Guardian [2] genutzt wurde, jedoch dort eine völlig andere Beschreibung zu diesem Bild zu finden ist: das sind Timberwölfe aus Kanada und das Rudel wird von einer starken Wölfin angeführt, der Rest läuft ihren Spuren hinterher um Energie zu sparen. Würde das Rudel von den Alten und Schwachen geführt, würden sie alle verhungern und qualvoll verenden.

A massive pack of 25 timberwolves hunting bison on the Arctic circle in northern Canada. In mid-winter in Wood Buffalo National Park temperatures hover around -40C. The wolf pack, led by the alpha female, travel single-file through the deep snow to save energy.

Der auf der Guardian Webseite besagt nun, dass eben doch die stärksten Wölfe vorne laufen, was einen rein pragmatischen Grund hat.

Der Begriff Alpha-Wolf

In der modernen Wolfs-Forschung wird der Begriff “Alpha-Wolf” mittlerweile oftmals vermieden, da  jüngere Beobachtungen von Wolfsrudeln in freier Wildbahn ergaben, dass es in dem alten Sinne des Alphas dieser so nicht existiert, sondern es sich um Familienverbände handelt. Die Webseite CHWolf.org schreibt über den Begriff [3]:

Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen weiss man, dass die meisten freilebenden Wolfsrudel Familienverbände sind, die genauso organisiert sind wie bei uns Menschen und der Begriff „Alpha“ bei freilebenden Wölfen nicht mehr angebracht ist.

Man spricht also weitgehend davon, das die Begrifflichkeit des Alphas bei freilebenden Tieren nicht korrekt ist und auf einen Irrtum in der Wolfsforschung basiert. Hierzu interessant zu lesen: “Was ist eigentlich mit dem Begriff Alpha-Wolf passiert? von L . David Mech1 , 2008” [4]

Mit lieben Grüßen von Eurem Erklärbär …. äähhh Erklärwolf Andre

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