Was ist falsch, was ist richtig? Täglich schießen Meldungen von unbekannten Blogs, aber auch von Pressemedien durch den Newsstream bei Facebook.

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Ein großer Anteil daran ist wahr. Immer wieder gibt es Angriffe, die durch Polizei und Presse bestätigt werden. Bestätigt! Das ist das Stichwort. Meldungen wie “10-Jähriger in Hallenbad vergewaltigt” sind bestätigt, andere sind wiederlegt.

Ein wichtiges Element in vielen Falschmeldungen ist der Hinweis darauf, dass Polizei und Medien verpflichtet seien, darüber zu schweigen. Gleichzeitig wiederlegen Meldungen von Polizei und Presse eben doch exakt diesen Vorwurf. Ein weiteres Beispiel wäre der Fall “Schülerin sexuell missbraucht”. Man kann also davon ausgehen, dass in den sozialen Netzwerken ein Gemisch an Meldungen vorhanden ist, welches klar aufgeteilt werden muss: was ist wahr, was stimmt nicht?

Wer eine vernünftige Diskussion und auch einen Fortschritt in der Flüchtlingsfrage erreichen will, sollte daher tunlichst nicht auf Falschmeldungen bauen, sondern genau unterscheiden können, was wahr und was falsch ist. Dies gilt nicht allein für nur “eine Seite”. Der angeblich tote Flüchtling in Berlin am LaGeSo hat gezeigt, wie empfänglich alle Beteiligten für Falschmeldungen sind. Diesen Vorfall werden wir uns selbst noch in Jahren immer wieder als Spiegel vorhalten, da auch wir 2 Stunden lang eine falsche Meldung veröffentlicht haben, welche wir korrigieren mussten. Fehler begehen ist das eine, daraus jedoch lernen das andere.

Lernen!

Lernen und verstehen. Damit macht man vielleicht alte Fehler nicht wieder wett, jedoch verringert man die Gefahr, weitere Fehler zu begehen. Falschmeldungen sind niemals der richtige Weg zur Findung einer Lösung, im Gegenteil: sie können die eigene Argumentationsbasis zerstören, sie sind auch oftmals der Grund, warum überhaupt zu einem Thema diskutiert wird. Auch wenn es manchmal gar kein Thema ist. Folgende Statusmeldung dürfen wir daher mit freundlicher Genehmigung des Urhebers übernehmen:

Die Fama von Eichgraben

Wie entsteht ein hässliches Gerücht über Flüchtlinge und wie macht man Leuten Angst?

Etwa so: Auf Facebook schreibt eine Frau aus Eichgraben, ihre Nachbarin habe ihr erzählt, sie sei gestern in Eichgraben von zwei Flüchtlingen attackiert worden. Schon teilt sich das Posting 800 Mal und aus der „Attacke“ wird sofort eine Vergewaltigung.

Die Fama von EichgrabenWie entsteht ein hässliches Gerücht über Flüchtlinge und wie macht man Leuten Angst?Etwa so: …

Posted by Florian Klenk on Montag, 8. Februar 2016

Die Gemeinde Eichgraben – die bisher sehr erfolgreich Flüchtlinge integrierte – ist alarmiert. Mich beginnt der Fall zu interessieren. Ich lebe in diesem Ort. Ich habe Frau und Kids, die am angeblichen Tatort spazieren gehen. Ich beginne zu recherchieren, rufe bei der Frau an, die die Geschichte auf Facebook veröffentlichte.

Ich stoße im Gespräch mit ihr auf eine immer rätselhaftere Geschichte. Sie erzählt mir, die Nachbarin sei mit ihrem Hund in den Wald gegangen, die Flüchtlinge hätten sie angesprochen und zwar mit den Worten „schöner Hund, schöne Frau“.

Dann sei es zur Attacke gekommen.

Die Frau, eine ältere Dame, hätte dann mit der Leine auf einen Flüchtling so fest zugeschlagen, dass er liegen geblieben wäre. Den anderen Flüchtling habe der Hund attackiert. Die Frau habe nun 133 gerufen und die Rettung sei samt Polizei gekommen, um den mit der Leine zu Boden geschlagenen Flüchtling zu verarzten. Sie habe neben ihm gewartet, weil er mitten auf der Straße lag.

Genau so höre ich die Geschichte auch von zwei Eichgrabnern, die sie „irgendwo gehört haben“.

Ich werde stutzig? Eine soeben attackierte alte Frau schlägt einen Angreifer mit der Leine zu Boden und ruft die Polizei und wartet neben ihm?

Die Polizei, so geht das Gerücht weiter, habe aber die Anzeige nicht entgegengenommen „weil so viele Anzeigen wegen Einbrüchen zu bearbeiten seien“. Die Rettung habe den Mann nur verarztet und liegen gelassen.

Darf das wahr sein? Höchstwahrscheinlich ist es nicht wahr:

Die Polizei sagt: es gab keinen Notruf.

Die Rettung sagt: es gab keinen Notruf.

Die Flüchtlingsheimbetreiber (eine engagierte Wirtin und die Diakonie) sagen: es gab keinen Besuch der Polizei in ihren Heimen.

Der Bürgermeister sagt: es gab keine Anzeigen.

Die Marktgemeinde gibt eine „amtliche Mitteilung“ heraus und sagt: kein Vorfall aktenkundig.

Und die angeblich attackierte Frau?

Sie sagt laut Polizei Eichgraben: „Es gab keine Attacke. Die Flüchtlinge haben mich nur angesprochen und nicht angegriffen“.

Die Frau, die das Gerücht auf Facebook streute sagt nun: „Da sehen wir wieder, wie die Wahrheit unterdrückt wird“. Die Polizei habe dem Opfer einen Maulkorb umgehängt.

So kann man das natürlich auch sehen. Für uns Eichgrabner und alle, die das Posting teilten, kann der Fall ein Lehrbeispiel sein, dass man nicht alles ungeprüft glauben soll, was irgendwer im Internet behauptet.

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