Kennst Du das? Du magst im Grunde gar nicht über ein Thema schreiben, weil es sehr absurd ist und streckenweise auch hochgespielt wird, jedoch die Menge an Anfragen dazu so hoch und stetig ist, dass es letztendlich doch zum Griff zur Tatstatur kommt?

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Dann herzlich willkommen beim Thema “EDEKA verbreitet geheime Nazi-Codes”. Fassen wir es kurz zusammen: kritisiert werden die beiden sichtbaren Autokennzeichen “SO-LL 3849” und “MU-SS 420” im aktuellen Edeka-Weihnachtsspot, aus denen NS-Symbolik interpretiert werden könne. Ein “SS”, ein versteckter Führergeburtstag (20.4.), ein kleines “Heil Deutschland” (84), eingebettet von einer 39, was “Christliche Identität” darstellen soll. Letzteres kannte ich bis dato gar nicht, dass hätte man mir mit großen Plakaten vor die Nase binden können, ich hätte in der 39 gar keine Symbolkraft erkannt.

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Mittlerweile hat der Abteilungsleiter für Mitarbeiter- und Medienkommunikation bei Edeka, Gernot Kasel, mehrfach ein Statement zu diesen Vorwürfen abgegeben:

„Bei dem Autokennzeichen ‚MU-SS‘ handelt es sich um ein Fantasiekennzeichen, angelehnt an den Titelsong in unserem Spot. Wir bedauern es, wenn hier ein falscher Eindruck erweckt wurde. Dies lag keinesfalls in unserer Absicht.“

Das geht uns noch nicht weit genug: wir haben  mit Michael Wollny gesprochen, einem der bekanntesten unter den Edeka Kaufleuten in Deutschland. Bekannt wurde Wollny, nachdem sein Markt in Friedberg im September 2015 dem Gerücht unterlag, er seie von “Asylanten leergeräumt worden” [1]. Dieses Gerücht kennt wohl jeder irgendwo: “Bei EDEKA Wollny klauen die Asylanten den Laden leer, aber die Medien dürfen es nicht berichten, damit keine Unruhe aufkommt.”. Das ließ Wollny nicht auf sich, aber auch nicht auf den Beschuldigten sitzen und engagiert sich seit dem gegen Hass und Lügen im Netz [2].

Wollny als gut vernetzter Kaufmann innerhalb der Edeka Kaufleute sagt dazu:

Dass in unserem aktuellen Weihnachtsspot Symbole auftauchen, die mit Nazi-Gedankengut in Verbindung gebracht werden können, empfinde ich als höchst ärgerlich. Besonders verwundert bin ich darüber, dass offenbar sowohl bei der Agentur, wie auch in unserem eigenen Haus, diese Symbolik bei der Gegenkontrolle durchgerutscht ist.

Als Einzelhändler mit vielen Kontakten innerhalb der Kaufmannschaft kann ich jedoch guten Gewissens versichern, dass hinter diesem Fauxpas definitiv keine Absicht steckt. Alle unsere Tagungen und Termine, auch die, bei denen Geschäftsführung und Aufsichtsräte zugegen sind, sind geprägt von kaufmännischen Themen. In unserem Haus wird keinerlei Politik gemacht – weder direkt noch subtil – und politische Themen stehen, wenn überhaupt, nur dann auf der Agenda, wenn wir als EDEKA-Gruppe direkt betroffen sind (z.B. Energiepolitik).

Ich bin nicht der Pressesprecher der EDEKA; dies ist also keine offizielle Stellungnahme. Ihr könnt aber sicher sein, dass ich sehr eng mit der EDEKA und meinem Kollegenkreis (und zwar national, über alle Regionen hinweg) vernetzt bin und euch daher verlässlich versichern kann, dass ich NOCH NIE während unserer Tagungen, oder auch danach, beim abendlichen Beisammensein, auch nur ein einziges Wort von Kollegen gehört hätte, das den Schluss zulassen würde, in unserem Haus würde völkisches Gedankengut gepflegt. Bei uns dreht sich alles um unsere Märkte, und was wir den Kunden an neuen Highlights bieten können. Klingt abgedroschen und nach Marketingphrase, ist aber so.

Alles frei interpretiert?

Von dieser Überinterpretation ist auch das Bohemian Browser Ballett [3] überzeugt und meint: geheime Nazicoddes sind auch bei den Nazicode Kritikern zu finden!

Ganz nebenbei: wer mag, kann „MU-SS 420“ auch völlig anders interpretieren. Und zwar ebenso logisch: bei 420 handelt es sich um den symbolischen „Kiffercode“. „Four-twenty“ ist das Codewort für den Cannabis-Konsum. Wenn also jemand das Kennzeichen „MU-SS 420“ hat, kann das ebenso darauf deuten, dass jemand gerne mal ´nen Joint raucht. Vielleicht sollen wir ja alle zu Weihnachten einfach mal entspannen. Ist aber eben alles nur Interpretation.

Gibt es denn nun Codes in der Werbung?

Nun, rein optisch sind diese “Codes” natürlich da. Logisch. Wir gehen mit Wollnys Worten auch konform: “Besonders verwundert bin ich darüber, dass offenbar sowohl bei der Agentur, wie auch in unserem eigenen Haus, diese Symbolik bei der Gegenkontrolle durchgerutscht ist.“. Liegt eine bewusste Manipulation vor? Wir glauben nein. Jedoch habe ich bei all dieser Thematik Angst, dass mal irgendwer daherkommt, und mich aufgrund meines alten Kennzeichens am Auto ganz weit rechts außen positioniert.

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