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Vor wenigen Tagen bekam Thomas aus unserem Team die Diagnose Hodenkrebs. Daraufhin ging alles sehr schnell: direkt ins Krankenhaus, dann die OP und die Entfernung eines Hodens.

Das wirklich außergewöhnliche daran ist der Weg, den Thomas gewählt hat: es gab keine Geheimnisse, keine Tabus oder Scham. Thomas wählte den direkten Weg, mit dem er seine Freunde auf den Krebsbefund aufmerksam machte. Ferner machte er auch keinen Hehl daraus, dass er humorvoll mit der Situation umgehen möchte.

Von Krebs will er sich nicht fertig machen lassen. Dieses Zeichen brachte ihn auch in die Augsburger Allgemeine, welche ebenso über ihn berichtete.

Hodenkrebs ist eine harte Nuss….

… postet Thomas nun. Und das ist doppeldeutig gemeint, so wie Thomas erzählt. Denn daran erkennt man Hodenkrebs. Thomas hat aber noch mehr zu sagen: über Früherkennung, Männlichkeit und die Unterstützung der anderen.

Lieber Thomas,

wann hast Du die Diagnose bekommen? Warum bist Du überhaupt zum Arzt gegangen (Beschwerden)?

Ich habe die Diagnose erst vor einer Woche bekommen. Ich bemerkte beim Abtasten eine Verhärtung und Vergrößerung meines Hodens, aber keine Schmerzen. Die Empfehlung der Ärzte ist auch, dass man sich regelmäßig selbst Abtasten sollte – Ich kann auch allen Menschen mit Hoden empfehlen, darauf zu achten.

Was steht Dir nun noch an Behandlung bevor?

Der Krebs wurde entfernt, jetzt muss noch geguckt werden, ob das auch alles war oder ob sich der Schlingel nicht noch irgendwo anders abgesetzt hat. Wenn ja, dann ballern wir den mit einer Chemo weg. Aber für Hodenkrebspatienten gibt es da eine sehr sehr hohe Heilungschance, also alles bestens!

Was hat Dich dazu gebracht, den offenen Weg zu wählen?

Es war wirklich keine schwere Entscheidung und stand eigentlich auch gar nicht zur Debatte. Ich bin ein Mensch der gerne nach außen lebt und immer gerne Menschen um sich herum hat. Und es war definitiv keine Option, dass ich 4 Tage im KH bin und dann kommen mich nicht meine ganzen Freunde besuchen! So haben sich alle die Klinke in die Hand gegeben, das war schön. Außerdem ist es besser, einfach reinen Tisch zu machen, bevor noch Gerüchte die Runde machen und sich alle sorgen. Mir geht und ging es ja ausgezeichnet, das sollen alle wissen.

Es ist natürlich großartig, wie viel positives Feedback ich erhalten habe. Ich bin ein sehr humorvoller Mensch, der – wie man ja gesehen hat – alles mit einem Augenzwinkern betrachten kann. Ich bin auch definitiv der Meinung, dass man so an alles herangehen sollte, sonst hat man keinen Spaß im Leben. Und wenn man den nicht hat, wozu lebt man dann, oder?

„Ich bin so vegan, ich lass mir sogar ein Ei entfernen“.

Ich war etwas überrascht ob der großen Resonanz die auch mein öffentlicher Facebookpost hinterlassen hat und der Begeisterung. Dabei ist es doch eigentlich nichts Großartiges dabei, an Hodenkrebs zu erkranken und seinen Humor dabei nicht zu verlieren.

(Schämst du dich nicht dafür?)  #darfderdas #tumorlosstatthumorlos

Viele haben mir gesagt, dass sie meinen Mut bewundern, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Für mich ist es recht unverständlich, wieso man sich dafür schämen sollte. Später habe ich in vielen auch privaten Nachrichten erfahren dass sich viele Männer dafür schämen, einen oder beide Hoden verloren zu haben. Dabei schwang immer der Gedanke mit, dass man „kein ganzer Mann mehr“ sei. Das ist doch traurig. Die Anzahl der Hoden hat doch nichts mit deiner Männlichkeit zu tun. Es muss einem doch auf den Sack gehen, seine Genderidentität auf eine bestimmte Anzahl an funktionstüchtigen Hoden zu reduzieren? Wenn dich jemand fragt: Was macht dich zu einem Mann? Dann denkst du sicherlich nicht zuerst an deine Hoden, falls du überhaupt welche hast. Es gibt ja auch schließlich Männer, die nie welche gehabt haben und trotzdem nicht weniger Männer sind. Das wäre doch traurig. Bart oder Genitalien machen dich nicht zum Mann. Sondern nur wie du dich fühlst. Und wenn das jemand nicht akzeptiert, dann ist das deren Problem, nicht deines.

Wie hast du auf das große Feedback reagiert?

Ich habe mich natürlich riesig gefreut. Tausende Menschen, die meisten davon mir völlig unbekannt, wünschen mir eine schnelle Genesung. Das ist schön, das hat mir definitiv Kraft gegeben. Und wenn ich ein wenig mit den Erwartungen gebrochen habe, wie man mit so einer Diagnose umgehen „sollte“ dann freut mich das auch.

Nicht, dass ich nicht auf die tausenden Gute-Besserungs-Wünsche verzichtet haben wollte, jedoch muss ich auch sagen, dass ich nicht als mutiges Gesicht für die Menschen mit Krebserkrankungen tauge. Es ist „nur“ Hodenkrebs. Ich war 4 Tage im Krankenhaus, eventuell mache ich noch eine Chemotheraphie aber dann war’s das. Heutzutage werden die allermeisten Hodenkrebspatienten wieder gesund und leben danach ganz normal weiter. Ich komme damit super klar. Ja, das Wort „Krebs“ mag viele vielleicht erschrecken, aber ich habe in den letzten Tagen auch von einigen Menschen mit Gebärmutterhalskrebs erfahren, die anstatt auch nur annähernd so viel Support wie ich zu erhalten, regelrecht fertig gemacht wurden, andere mit ihren Sorgen belästigt zu haben. Was soll das? Die Überlebenschancen und das normale Weiterleben damit sind bei weitem nicht so rosig wie bei mir. Es kann nicht sein, dass die Leute mich dafür feiern, weil ich „die Eier“ habe, so humorvoll damit umzugehen, aber andere Krebspatienten nervig sind.

Oder eine andere Freundin von mir hat schon seit einigen Jahren ME (Myalgische Enzephalopathis). Ihr geht es an jedem Tag ihres Lebens schlechter als mir und sie leidet sehr darunter. Und viele können sich nicht vorstellen, dass ein junger Mensch, dem man es nicht ansieht, seit Jahren schwer chronisch krank und arbeitsunfähig ist. (http://www.lost-voices-stiftung.org/was-ist-me/begriffserklärung/)

Ich bin unheimlich froh darum, so viel Unterstützung bekommen zu haben. Das hat mir definitiv geholfen und ich würde mich gerne bei jedem Einzelnen bedanken. Aber es gibt viele Menschen, die gleiches oder schlimmeres durchmachen als ich. Und es ist wichtig, dass wir diese Menschen auch ernst nehmen. Viel zu leicht ist es, besonders still leidende Menschen auf die Seite zu schieben und zu übersehen.

An dieser Stelle vielen Dank Thomas!

Und bitte kein “Amen” unter dieses Interview posten. Facebook hat definitiv nichts für die Operation gezahlt.

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