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Und wieder fegt ein Shitstorm über das Land. Er fegt nicht nur, er windet gar schwer.

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Und wieder trifft er LIDL, die nach dem ersten Sturm der Entrüstung über verschwundene Kirchenkreuze auf Produktbildern wohl noch die Scherben einsammeln und gar nicht bemerken, dass der nächste Entrüstungstornado bereits wieder über sie hereinbricht. Blicken wir kurz zurück: Anfang September 2017 musste sich LIDL dafür rechtfertigen, dass sie Kreuze auf Fotos von Kirchen auf der Insel Santorini auf den Verpackungen der  LIDL-Eigenmarke „Eridanous“ von Photoshop-Phillip entfernen ließen. Quasi im Alleingang forcierte LIDL somit den Untergang des christlichen Abendlandes, so dass gar Erika Steinbach eingreifen musste.

Diese Kirchenkreuzentfernung wurde vom Prager Kardinal Dominik Duka ebenso scharf kritisiert, er nannte es eine „kulturlose und barbarische Handlung”. Ja, es war schlichtweg kein Fake, dass die Kreuze entfernt wurden. LIDL Österreich postete damals auf Facebook eine Bitte um Entschuldigung, von anderen Stellen hörte man eher unterschiedliche Statements. In der FAZ und der WELT liest man, „die Supermarktkette vermeide die Verwendung von religiösen Symbolen auf Verpackungen, um die religiöse Neutralität zu wahren”.

Und ZACK –> wieder Kreuze weg

Kaum ist Sturm Nummer 1 abgeklungen, kommt nun Sturm Nummer 2 daher. Wieder sind die Kreuze weg! Es ist ein Fall aus Italien, genauer gesagt aus Camporosso in Ligurien, wo ein Foto mit der Kirche des Ortes Dolceacqua in einer Filiale hing. Auf diesem fehlten erneut die Kreuze. Dieser Fall ist übrigens nicht ““„neu”, sondern schwappt erst jetzt zu uns rüber. Bereits im Juli 2017 wurde das in Italien bekannt (vergleiche).

Als alter Theologiestundent kann ich nur abermals mit dem Kopfe schütteln. Warum geht irgendjemand daher und retuschiert Kreuze aus dem Bild? Wie man aus einem aktuellen Artikel der WELT erfährt, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit, dass man die Bilder aus einer Fotodatenbank bekommen habe.

„Wir haben nicht bemerkt, dass auf dem erworbenen Foto die Kreuze fehlten“
„Es handelt sich somit keinesfalls um eine Marketingstrategie, sondern lediglich um eine Unachtsamkeit, für die wir uns sowohl bei unseren Kunden als auch den Anwohnern von Dolceacqua entschuldigen.“

Aha, eine Bilderdatenbank. Aus Transparenzgründen wäre es hilfreich gewesen, die Herkunft des Bildes zu nennen, so dass man hätte nachvollziehen können, ob die Kreuze bereits vorher verschwunden waren. Aber davon abgesehen, so oder so ist es ein wenig befremdlich, die Gebäude dahingehend zu verändern, dass die unweigerlich dazu gehörigen Symbole entfernt werden. Die Frage nach der angeblich weltoffenen Neutralität kann an dieser Stelle auch gegenteilig angewendet werden: man hätte es auch neutral hinnehmen können, dass da Kreuze auf dem Bild sind. Ändert nichts an dem Produkt.

Doch es kommt noch besser …

Während man in den ersten zwei Vorwürfen zumindest nachvollziehen kann, warum LIDL Kritiken einstecken muss, so ist der Zuckerguss des Shitstorms aktuell der Vorwurf, dass LIDL Schweinefleisch aus dem Hackfleisch verbannt habe. Diese steile These, begleitet mit einem Bild einer Hackfleischverpackung, auf dem man die Aufschrift Gehacktes halb und halb (ohne Schweinefleisch, stattdessen Putenfleisch) erkennen kann.

Ja, auch das beschert nun LIDL entrüstete Kommentare, doch hat denn LIDL wirklich nun das Schweinefleisch mitsamt der Kreuze aus dem Sortiment retuschiert?

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Nun, halb Rind und halb Pute ist letztendlich auch halb/halb. In der der Lebensmitteldatenbank der FDDB findet man das Produkt übrigens unter der Bezeichnung „Hackfleisch Rind und Pute” eingetragen.

Schaut man nun auf der Webseite von LIDL die Landjunker-Produktreihe an, so darf man als Freund des Schweinefleisches aufatmen: das Gehackte halb und halb von Schwein und Rind ist weiterhin im Sortiment! Auch das reine Schweinehack ist noch gelistet.

Shitstorm und kein Ende?

Da kommt natürlich nun einiges zusammen (gibt zur Weihnachtszeit eigentlich bei LIDL auch einen Zipfelmann oder gibt es den nur bei Penny?). Über die retuschierten Kreuze darf man gerne diskutieren, denn selbst aus säkularer Sicht ist es unnötig, die zwingend zum Gebäude gehörenden Symbole zu entfernen. Bei den Kreuzen handelt es sich jetzt nicht um ein temporäres Graffiti, sondern tatsächlich um einen Bestandteil des Gebäudes.

Unsinnig ist wiederum das Problem mit dem Rind/Pute Produkt, vor allem, weil der Klassiker Rind/Schwein ja weiterhin erhältlich ist. Es wurde nichts „genommen” lediglich etwas hinzugefügt. Aus marktwirtschaftlicher Sicht völlig in Ordnung und den Bestand der einzelnen Produkte regelt jeder Markt über die Bestellungen, der Abverkauf jener Produkte wird durch das Kundenverhalten beeinflusst.

Interessant ist jedoch zu beobachten, wie einzelne Produkte dazu führen, dass man sich als Staatsbürger davon zu distanzieren glaubt. Da kommt ein Rind/Pute Produkt in einen Laden und ZACK „Da kauf ich nicht mehr”. An anderer Stelle taucht ein Zipfelmann neben dem Weihnachtsmann auf und HUII „Wer hat den Leuten ins Gehirn gesch… “ heißt es auf einmal. Ganz zu Schweigen von dem Schmunzelhasen, der ja den „christlichen” Osterhasen islamisiert habe. Habe ich was vergessen? Ach ja, der angeblich „islamische” Adventskalender von Lindt erzürnte auch die Gemüter.Und von den Halal-Prudukten im Real mag ich kaum reden.

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Man merkt deutlich, wohin die Shitstorms führen und um was es letztendlich geht. Als Konsument hat man natürlich die freie Wahl zum Einkauf. Wenn ich mich als Deutscher dazu verpflichtet fühle, eben nicht mehr im LIDL einkaufen zu gehen, so ist das ebenso meine freie Wahl. Wie LIDL nun mit der geballten Shitstormpower umgeht, ist übrigens derzeit auch sehr interessant, und da kommen wir zum abschließenden Part.

Kritik an der Informationsstrategie

LIDL schweigt derzeit einfach. Hochinteressant. Die Nutzer werden auf der Facebookseite des Unternehmens schlichtweg nicht bedient. Während wir bei nahezu allen anderen durch einen Shitstorm betroffenen Unternehmen in der Vergangenheit immer wieder freundliche Antworten durch Social Media Mitarbeiter beobachten konnten, die häufig gekonnt und sachlich mit der Situation umgegangen sind, sitzt man auf der Facebookseite bei LIDL den aktuell existierenden Doppel-Shitstorm aus. Teilweise treten dort gar skurrile Nutzerbeiträge auf.

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Noch interessanter ist zu beobachten, dass an dieser Stelle wiederum andere Nutzer einspringen und die Aufgabe des Social Media Teams übernehmen. Das Ganze lässt sich auf der Facebookseite bei LIDL beobachten (hier der Link). Dabei fällt natürlich nicht jede Beantwortung so harmlos aus wie diese hier:

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Hier betreibt LIDL eine eher schwache Kommunikation, was auch schon bei der Aussage mit der Bilddatenbank bezüglich der Kreuze aufgefallen ist, da sich bereits dort nicht nachvollziehen ließ, um welche Quelle es sich handelt.

Und am Ende?

Am Ende bleibt ein altes deutsches Volkslied übrig: alles wird aus Hack gemacht!