Dahinter steckt ein lukratives Geschäftsmodell mit euren Daten

Deshalb funktionieren Fake-Gewinnspiele immer noch

Von | 20. März 2019, 12:15

3 Schritte nur sind nötig, um täglich tausende Nutzer zu Fake-Gewinnspielen und Provisionsprogramme zu locken.

Nicht nur auf Facebook, sondern auch auf WhatsApp begegnet man ihnen immer wieder:
den Gewinnspielen, bei denen man mit nur wenigen Klicks Reisen, Autos oder Freikarten gewinnen kann. Angeblich. Denn zu gewinnen gibt es meistens nichts!

Der Sinn und Zweck von Fake-Gewinnspielen

Echte Gewinnspiele haben einen bestimmten Zweck, nämlich ihr Produkt zu promoten.
Fake-Gewinnspiele haben jedoch ein anderes Ziel, nämlich die Daten der Nutzer, mit welchen dann gehandelt werden kann. Das falsche Gewinnspiel dient nur als Lockmittel!

3 Schritte

Allen Fake-Gewinnspielen gemeinsam ist eine bestimmte Vorgehensweise, auf die jenes Geschäftsmodell basiert.

Schritt 1: Der Köder

Dieser besteht aus einer Facebook-Stausmeldung („Liken und Teilen, um bei der Verlosung teilzunehmen!“) oder aus einer WhatsApp-Nachricht („Ich habe hier einen 250 € Gutschein bekommen! Mach du auch mit!“), in seltenen Fällen sind diese Fake-Gewinnspiele aber auch auf Instagram zu finden.

Durch die virale Verteilung auf den sozialen Netzwerken, denn Teilen und Weiterleiten sind immer Bedingungen, um mitmachen zu können, bekommen solche Fake-Gewinspiele schnellen Zuwachs, zudem ist die Einfachheit, nämlich nur Liken und Teilen, für viele Nutzer angenehm, sie müssen sich nicht groß für einen vermeintlich sicheren Gewinn „anstrengen“ und nicht viel Zeit verlieren.

Schritt 2: Die Brücke

Die Nutzer werden auf eine Webseite weitergeleitet, die wir als Brücke bezeichnen, da sie nur dazu dient, dem Nutzer ein Gewinnspiel vorzugaukeln und zum angestrebten Punkt 3 führt.

Auf Facebook geschieht dies, indem man bei Kommentierung eines Fake-Gewinnspiels durch einen Bot eine Nachricht geschickt bekommt, dass man auf eine bestimmte Seite gehen solle, um die Teilnahme am Gewinnspiel abschließen zu können.
Auf WhatsApp gerät man nach dem Antippen eines Links sofort auf jene Brückenseite.

Auf jener Seite findet sich oftmals eine belanglose Fragerunde, über die man sich angeblich qualifizieren soll (dabei ist es vollkommen egal, welche Antworten man gibt, man „qualifiziert“ sich immer). Bei Gewinnspielen über WhatsApp gibt es vorher noch als Bedingung, dass man das Gewinnspiel an eine bestimmte Anzahl Kontakte weiterleiten muss, um teilnehmen zu können.

Schritt 3: Der Ausgang

In jenem Schritt muss man nun seine Kontaktdaten angeben. Im Hintergrund laufen allerdings noch viel mehr Dinge ab: sogenannte Affiliate Programme.
Jene Provisionsprogramme, welche übrigens nicht illegal sind, sorgen dafür, dass die Teilnehmer der Fake-Gewinnspiele den Geschäftspartnern zugeordnet werden können, die diese auf die Seite lockten. Diese Geschäftspartner bekommen dann vom eigentlichen Veranstalter des Fake-Gewinnspiels eine kleine Provision, die sich bei tausenden Nutzern gut summieren kann.

Häufig kommt es auch vor, dass die Gerätedaten und das Herkunftsland der Nutzer ausgelesen werden, so dass die Nutzer auf länder- und gerätespezifische weitere Gewinnspiele und Angebote weitergeleitet werden, sei es die Chance, angeblich ein neues iPhone zu gewinnen oder günstig ein Zeitschriftenabo abzuschließen, wofür es dann natürlich ebenfalls Provisionen gibt.

Quelle: mimikama.at

Quelle: mimikama.at

Ein guter Köder ist der halbe Gewinn

Der Trick ist, dass Fake-Gewinnspielveranstalter ihren Köder möglichst einfach, aber auch glaubwürdig gestalten müssen, damit viele Nutzer sich zum Klick verleiten lassen.
Zudem muss die Brtücke so gestaltet sein, dass sie „echt“ ausieht, also so, dass die Nutzer den Eindruck haben, wirklich an einem Gewinnspiel von beispielsweise Nutella, Audi, Samsung oder Aldi teilzunehmen.
Nur im Kleingedruckten ganz unten auf der Seite kann man in Mikroschrift lesen, dass jene Marke in keinerlei Bezug zu dem Gewinnspiel steht und auch nicht der Veranstalter ist. Jener findet sich auch nur, wenn man sich eine solche Seite genauer anschaut.

Gut gelogen ist daher im Falle von Fake-News, sowie auch Fake-Gewinnspielen, bereits halb gewonnen.

Beide bedienen sich an denselben Elementen und sind daher durchaus als artverwandt zu sehen. Fake-Gewinnspiele sind zumeist jedoch etwas rudimentärer gestaltet und auch einfacher in ihrer Darstellung, da der pseudoredaktionelle Part ungleich kleiner ausfällt.

Dies dürfte auch der Grund sein, warum Fake-Gewinnspiele wesentlich stärker verbreitet sind als kommerzielle Fake-News.

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