Der Zeitungsartikel "Warnings of Virus in 1981"

Der Zeitungsartikel „Warnings of Virus in 1981“

Von | 1. April 2020, 14:54

In sozialen Medien kursiert das Bild eines Zeitungsartikels, wonach schon 1981 vor dem neuen Coronavirus gewarnt wurde.

In jenem englischsprachigen Artikel einer Zeitung, die mit „Warnings of Virus in 1981“ („Warnungen vor Viren in 1981“) betitelt ist, wird berichtet, dass zwei Autoren bereits Jahrzehnte vorher den Ausbruch des neuen Coronavirus vorhergesagt haben.

Jenes Bild mit dem Zeitungsartikel kursiert:

"Warnings of Virus in 1981"

„Warnings of Virus in 1981“

In dem kurzen Artikel steht:

TWO authors appeared to predict corona virus decades before the outbreak.
Dean Koontz’s thriller The eyes of the darkness, published in 1981, tells the story of a lethal man-made virus in Wuhan – the same Chinese city where coronavirus broke out.
In another spooky coincidence, the doomsday book End of the days – written by American psychic Sylvia Browne and published in 2008 – predicted there would be a pneumonia-like global pandemic in 2020.

Auf Deutsch:

ZWEI Autoren schienen das Coronavirus Jahrzehnte vor dem Ausbruch vorherzusagen.
Dean Koontz‘ Thriller The eyes of the darkness, der 1981 veröffentlicht wurde, erzählt die Geschichte eines tödlichen, von Menschenhand geschaffenen Virus in Wuhan – der gleichen chinesischen Stadt, in der das Coronavirus ausbrach.
In einem weiteren unheimlichen Zufall sagte das Buch End of the Days – geschrieben von der amerikanischen Hellseherin Sylvia Browne und 2008 veröffentlicht – voraus, dass es 2020 eine lungenentzündliche globale Pandemie geben würde.

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Aus welcher Zeitung stammt der Artikel?

Er erschien am 20. Februar 2020 in dem englischen Boulevardblatt „Daily Star“. Die Zeitung ist bekannt für teils haarsträubende Artikel, beispielsweise das Elvis noch lebt und ein Zeitreisender ein Foto aus 2118 mitbrachte.

Der Roman

Der Roman mit dem Titel „The Eyes of Darkness“ (auf Deutsch: „Die Augen der Dunkelheit“) des Autors Dean R. Koontz, damals unter dem Pseudonym „Leigh Nichols“, aus dem Jahr 1981, handelt laut dem Artikel von einem tödlichen, von Menschenhand geschaffenen Virus in Wuhan.

Diese Aussage ist falsch!

  • In dem Buch geht es um eine Frau, die auf der Suche nach ihrem vermeintlich toten Sohn ist, der in einem unterirdischen Versuchslabor gefangen gehalten wird, um an ihm einen tödlichen Virus zu testen
  • Das Virus wird (in der englischsprachigen Ausgabe) erst im Kapitel 39 erwähnt
  • Im Original hieß das Virus „Gorki-400“, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wurde das Virus in der Neuauflage in „Wuhan-400“ umbenannt
  • Das Virus unterscheidet sich auch in anderen Punkten von dem neuen Coronavirus: man stirbt spätestens 24 Stunden nach der Infektion, die Sterblichkeitsrate liegt bei fast 100 Prozent, es greift den Gehirnstamm an

Somit hat das Virus im Roman fast nichts mit dem neuen Coronavirus gemeinsam, einzig der Name des Virus in der Neuauflage (Wuhan-400) bildet einen Bezug.

Das Buch von Sylvia Browne

In jenem Buch namens „End of Days: Predictions and prophecies about the end of the world“ („Das Ende der Tage: Vorhersagen und Prophezeiungen über das Ende der Welt“), welches im Jahr 2008 erstmals erschien, steht folgender Abschnitt:

„Um das Jahr 2020 wird sich eine schwere, lungenentzündungsähnliche Erkrankung über den ganzen Globus ausbreiten, die die Lunge und die Bronchien angreift und sich allen bekannten Behandlungen widersetzt.“

Das Buch wurde zuletzt im Jahr 2011 neu aufgelegt, was nicht weiter verwundert, da die Vorhersagen des Buches über das Jahr 2012 (das Ende des Maya-Kalenders) so ganz und gar nicht zutreffend waren; danach bekam es keine Neuauflage mehr.

Dazu sei gesagt, dass es zwar tatsächlich noch keinen Impfstoff gegen die COVID-19 Erkrankung gibt, jedoch das menschliche Immunsystem die Symptome recht gut bekämpft und dies mit medikamentöser Unterstützung noch besser läuft. Es ist also beileibe nicht so, dass sich das neue Coronavirus „allen bekannten Behandlungen widersetzt“.

Das Erscheinungsjahr des Buches ist in dem Zusammenhang auch noch interessant:
Jene Vorhersage wurde nur wenige Jahre nach dem Ausbruch des SARS-Virus getroffen, so ist die „Prophezeiung“, dass in etwa 10 Jahren ein ähnliches Virus auftaucht, nichts weiter als ein statistischer Glücksgriff.

Zuletzt sei noch zu erwähnen, dass jene Behauptung nur eine von vielen „Prophezeiungen“ ist, die aber überhaupt gar nicht eintrafen:
Angeblich sollte es seit 2012 eine Heilung für Lähmung und Parkinson geben, und 2020 werde Blindheit der Vergangenheit angehören.

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Fazit

Der Artikel der „Daily Star“ ist somit nichts weiter als eine reine Sensationsmeldung ohne faktische Basis.

Unsere ausführlicheren Artikel in dem Zusammenhang:

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