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Der Weihnachtsmann ist mittlerweile aus der Weihnachtszeit nicht mehr wegzudenken, doch auch der liebe Mann mit rotem Mantel und weißem Bart ist einem Mythos unterlegen: angeblich stamme er von Coca Cola!

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Mimikama: Fake

Nun, Coca Cola wird zwar maßgeblich an der Verbreitung des Bildes des Weihnachtsmannes beteiligt gewesen sein, denn die heute bekannte Darstellung des rot-weiß gekleideten Weihnachtsmannes mit Zipfelmütze illustrierte 1931 der Zeichner Haddon Sundblom im Auftrag von Coca Cola in dieser uns bekannten Form, jedoch war er damit nicht der Erste.

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Der Begriff “Weihnachtsmann” im deutschsprachigen Raum ist ebenfalls schon weitaus älter als die Illustration von 1931. Der Weihnachtsmann tritt speziell in protestantisch geprägten Regionen häufiger als der Nikolaus auf und ist von diesem optisch insofern abzugrenzen, dass er keine Bischofsgestalt hat. Der Weihnachtsmann und auch sein Artverwandter Santa Claus sind in rot-weiß gehalten, haben einen Bart und eine Zipfelmütze. Angelehnt ist die Figur jedoch durchaus an den Nikolaus und entwickelte sich in verschiedenen Ländern zu verschiedenen gestalten: in den USA Santa Claus, in Holland Sinterklaas und in Russland Väterchen Frost.


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Das seit 1835 gesungene Lied mit dem Text “„Morgen kommt der Weihnachtsmann“ von Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) zeigt deutlich, dass der Weihnachtsmann schon zu dieser Zeit eine gewisse Popularität im deutschsprachigen Raum hatte, also schon gut 100 Jahre vor der Coca Cola Illustration durchaus flächendeckend thematisiert wurde.

Ebenso gab es 1821 in einem Gedicht eines unbekannten Autors, welches der New Yorker Verleger William Gilley veröffentlichte, bereits eine Umschreibung des „Sante Claus“, einer Figur, welche  holländischen Einwanderer unter dem Namen Sinterklaas mitbrachten und dem Weihnachtsmann entspricht.

Weitere Informationen zum Verhältnis zwischen Nikolaus – Weihnachtsma – Christkind gibt es noch in diesem Artikel, jetzt wollen wir das aber nicht weiter vertiefen.

1897

Das ist das Jahr, auf welches sich die bisher ältesten farbigen Funde eines rot-weißen Weihnachtsmannes mit Zipfelmütze datieren lassen. Einem Pressebericht der APA aus 2007 ist zu entnehmen:

Der alte Mann in der rot-weißen Kluft ist anscheinend keine Erfindung einer amerikanischen Limonadenfirma. Sein Antlitz wurde nun auf einer Postkarte aus dem 19. Jahrhundert gefunden.

Den Weihnachtsmann im rot-weißen Mantel gab es schon im 19. Jahrhundert und damit viel länger als bislang angenommen. Dies hat Postkartensammlerin Christl Hütten aus Beuren im thüringischen Eichsfeld entdeckt, wie die in Erfurt erscheinende „Thüringer Allgemeine“ in ihrer Ausgabe zum Heiligen Abend berichtet.

Entsprechende Postkarten, die den Weihnachtsmann in einem rot-weißen Mantel zeigen, befinden sich in der Kollektion der Thüringer Sammlerin. Das älteste Motiv datiert vom 18. Dezember 1897. Auf der Karte, die innerhalb Deutschlands verschickt worden ist, stopft [sic! Anmerkung: wohl eher stapft] der Weihnachtsmann im roten Mantel mit weißem Saum durch den Schnee.

Bisher hatte eine amerikanische Limonadenfirma für sich in Anspruch genommen, den Weihnachtsmann in seiner typischen Kluft 1931 als Reklamefigur erfunden zu haben.

(Quelle: APA)

So gibt es entsprechende zeitgenössische Postkarten mit dem Weihnachtsmannmotiv, welche sich im Besitz der Postkartensammlerin Christl Hütten aus Beuren im thüringischen Eichsfeld befinden. Diese Art von Karten wurden im deutschsprachigen Raum als Weihnachtsgruß versendet und griffen das Motiv des Weihnachtsmannes auf. In einem Interview der Süddeutschen  mit der Sammlerin erfahrt man zusätzlich, dass sie im Besitz noch weiterer Karten sei, die auf 1904 und 1905 datiert werden können – also ebenfalls weit vor der Coca Cola Illustration. Jedoch habe er auf nicht allen dieser Karten immer Konsequent die kontrastreiche rot-weiß Darstellung gehabt. Manche dieser älteren Quellen zeigen den Weihnachtsmann in braun oder blau abgebildet. Tatsächlich hatte der Weihnachtsmann verschiedene farbliche Prägungen. Aus Nordeuropa kennt man durchaus auch einen grünen Weihnachtsmann, letztendlich hat sich allgemein die Rote durchgesetzt.

1899
(Nutzerupload in den Mimikama Kommentaren)

Nach Angaben von Christl Hütten sei die Karte von 1897 jedoch eindeutig:

Der Mann im rot-weißen Gewand hat Spielzeug um den Hals gehängt und steht mit zwei Engeln im Schnee vor einem erleuchteten Fenster. Von den Engeln trägt einer einen geschmückten Tannenbaum.

Ein Beispiel dieser Karten aus der Zeit vor der Coca Cola Illustration ist in der Thüringer Allgemeinen vom 24.12.2010 zu sehen, in der eine Karte aus dem Jahre 1908 bereits deutlich den Weihnachtsmann in seiner heute bekannten Illustration darstellt.

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(Screenshot: Thüringer Allgemeine)

Coca Cola antwortet auf Nutzerfrage

Auf die Anfrage „Is it true that Santa traditionally wears red because of Coca‑Cola?“ (Stimmt es, dass Santa traditionell in rot gekleidet ist aufgrund von Coca Cola?) antwortet Coca Cola auf der Seite „Coca-Cola answers„:

No. It’s widely believed that today’s Santa wears a red suit because that’s the colour associated with Coca‑Cola, but this isn’t the case. Before the Coca‑Cola Santa was even created, St Nick had appeared in numerous illustrations and written descriptions wearing a scarlet coat.

However, it is true that Coca‑Cola advertising played a big role in shaping the jolly, rotund character we know and love today.

Auch in Deutschland antwortet Coca Cola:

Er sei eine Erfindung von Coca-Cola, so heißt es immer wieder. Stimmt das? Nein.

[…]

Und wie kommt Coca-Cola in die Geschichte? Die The Coca-Cola Company ließ sich von den verschiedenen Weihnachtsfiguren inspirieren und verhalf dem weihnachtlichen Botschafter schließlich zu seinem charakteristischen Aussehen.

(Quelle: Wer ist dieser Mann / Coca Cola)

Diese Antwort bestätigt, dass es den rot-weißen Weihnachtsmann bereits vor der Coca Cola Illustration gab, jedoch Coca Cola maßgeblich an dessen Verbreitung verantwortlich ist.

Der Weihnachtsmann heute

Mittlerweile handelt es sich beim Weihnachtsmann heute um eine kulturell stark verschmolzene Person. Da es im evangelischen Glauben keine Heiligenverehrung gibt, entwickelte sich in der Zeit nach der Reformation in evangelisch geprägten Regionen schrittweise der Weihnachtsmann aus dem Nikolaus (parallel zum Christkind), dabei entfielen logischerweise katholische Symbole wie Bischofsstab und Bischofsmütze. Der Weihnachtsmann, in seiner alten Form teilweise auch an nordische Mythen angelehnt, wurde ebenso auch in die USA „exportiert“ und nahm dort seine eigene Entwicklung, welche nach Europa durch eben auch Coca Cola und Hollywood wieder re-importiert wurde.

Da es heute nicht mehr diese klaren Kulturgrenzen wie zu früheren Zeiten gibt, haben sich die Formen von Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind teilweise vermischt, jedoch ist speziell der Nikolaus auf den 6. Dezember und seinem Vorabend beschränkt, dem Weihnachtsmann und dem Christkind wird eher das Weihnachtsfest selbst als Arbeitszeit zugesprochen.

Weitere Quellen:

Artikel- und Vorschaubild: Kiselev Andrey Valerevich / Shutterstock.com