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Memes mit Spinnen erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch jenes Meme hier, welches international unterwegs ist, erzeugt ein wohliges Schauern im Internet. Doch ist dieses Bild echt? Und wenn ja, wo kommt es her? Die Geschichte eines Bildes…

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„Verbringe 24St. Ohne Bett in diesem Zimmer für 75 Mill €.
Bist du Bereit es zu tun?“

…steht dort in sehr holprigem Deutsch. Auch auf Englisch findet sich jenes Meme:

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„Stay In This Room For 24 Hours For $75 BILLION W/ Nothing But A Metal Bat. What You Doing?“

Ihr merkt schon: es wurde recht schlecht ins Deutsche übersetzt. Aus den Billion (=Milliarden) wurden kümmerliche Millionen, und aus dem „without nothing but a metal bat“ (nichts als einem Baseballschläger) wurde ein „ohne Bett“.

Die Sprache soll uns aber weniger interessieren, denn das Bild ist ja das wichtige daran: Gibt es denn wirklich solche Riesenspinnen?


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Big Ass Spider

Eine Spinne, so groß wie eine Zimmerwand, und dazu noch hunderte, wenn nicht tausende ihrer Babys. Das ist der Stoff, aus dem Alpträume und Horrorfilme gemacht sind! In der Tat gibt es z.B. in Australien wirklich furchterregend große Spinnenexemplare, jedoch keine davon erreicht eine solche Größe. Wurde hier also getrickst?

Das Bild ist echt, aber…

Nein, kein Photoshop war im Einsatz. Die Spinne ist echt, die Babys sind echt. Aber es handelt sich hier nicht etwa um ein Zimmer, sondern um eine kleine Nische unter einem Bett. Die Kameraperspektive lässt es aber tatsächlich so wirken, als ob dies ein Zimmer sei.

Die Geschichte

Der Entomologe und Fotograf Gil Wizen veröffentlichte dieses und andere Fotos am 30. April 2014 erstmals auf seinem Blog. Damals war er in Ecuador unterwegs und wohnte in einem Zimmer in Napo. Am dritten Tag bemerkte er, dass überall in seinem Zimmer kleine Spinnchen herumkrabbelten. Er schloß daraus, dass irgendwo in seinem Zimmer also ein Spinnennest sein musste. Während viele sicherlich schon irre lachend mit einem Flammenwerfer sich dieses Problems entledigt hätten, beobachtete Wizen die Spinnen und konnte erkennen, dass die Meisten von ihnen an einer bestimmten Wand beim Bett krabbelten. Da oben an der Wand nichts zu sehen war, musste sich das Nest also unter dem Bett befinden.

Das Monster unter dem Bett

Sehr überrascht war Wizen, als er ein Blick unter sein Bett warf:

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Quelle: Gil Wizen

Buchstäblich Tausender kleiner Spinnchen krabbelten unter dem Bett, daneben die Mama mit einer Körpergröße von 45 Millimeter. Zusammen mit den Beinen erreicht diese Spinnenart, welche Wizen als „Phoneutria bolivensis“ identifizierte, locker die Größe einer Handfläche.

Fütterungszeit

Spätestens jetzt dürften die Meisten im Kreis rennend und schreiend wie ein Mädchen auf so einen Anblick, nur Zentimeter entfernt, reagiert haben. Aber nicht Gil Wizen. Der Mann fotografiert schon seit Jahren Spinnen, also legte er sich auf den Bauch und kroch, nur mit seiner Kamera bewaffnet, noch näher an Mama Spinne heran:

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Mami hatte anscheinend kürzlich erst eine Kakerlake gefangen und sättigte sich erstmal, Wizen gar nicht beachtend.

Nun war Wizen war froh, eine solche Spinne aus der Nähe fotografieren zu können, jedoch wollte er nicht unbedingt Über einer der giftigsten Spinnen weltweit schlafen. Andererseits wollte er die Mutter auch nicht von ihren Babys trennen. Die Vernunft siegte schließlich: Babyspinnen sind vom ersten Moment an selbstständig. Futter haben sie im Prinzip auch, die meisten fressen nämlich in den ersten Tagen ihre eigenen Geschwister. Und Mutterspinnen dieser Art sind, wenn sie noch einen Eiersack mit sich tragen, noch giftiger als ohnehin schon. Also raus damit.

Happy End im Regenwald

Wizen beförderte Mami-Spinne also vorsichtig in ein Gefäss und setzte sie im Regenwald wieder aus. Die Spinne war ungewöhnlicherweise nicht aggressiv, was aber auch daran gelegen haben mag, dass sie satt von der Kakerlake war. Als sie allerdings dann frei war, „posierte“ sie noch ein letztes Mal für einige Fotos:

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Nun ja, eigentlich droht sie eher, aber Wizen faszinierte die Farbenpracht, welche die Spinne dadurch zeigte.

Lange konnte er aber nicht fotografieren… denn Mami beschloss, Wizen auf die Kameralinse zu krabbeln! Das war dann auch dem Profi-Fotografen und Spinnenliebhaber ein wenig zu viel.

Fazit

So schaurig Spinnen für viele auch sein mögen: Sie sind sehr wichtig für das Gleichgewicht in der Natur. Sowohl die Riesentaranteln als auch die bei uns eher verbreiteten „Hausspinnen“ erfüllen ihren Zweck. Giftig sind hierzulande nur die wenigsten Spinnenarten, und sie haben eher Angst vor uns als wir vor ihnen.

Der Autor grüßt damit seinen „Spider-Bro“, der abends im Wohnzimmer auf Tour geht, alle Netze abklappert, sich die gefangenen Insekten einverleibt, und wenig später wieder hinter dem Kabelmodem verschwindet.