Der likegeile Georg und die böse Spinne

Von | 27. August 2018, 11:52

Georg A. ist das, was man auf Facebook „likegeil“ nennt. Und Georg scheut sich nicht davor, Beiträgen von anderen zu kopieren, um Likes zu bekommen.

So findet ein Betrag Georgs gerade große Aufmerksamkeit.

Screenshot Facebook

Screenshot Facebook

Georg schreibt da:

„WICHTIGE INFORMATION !!
An alle Facebook-Nutzer

Bei dem abgebildeten Tier handelt es sich um einen sogenannten Ammen-Dornfinger dieser hat heute morgen meinen Ridge gebissen. Das Tierchen krabbelte über seine Decke und hat sofort zu gehackt, durch einen Zufall habe ich es gesehen. Habe das Tier eingefangen, um es mir genauer anzugucken. Obwohl ich lange selber Vogelspinnen gehalten habe, hat mir dieses Tierchen überhaupt nichts gesagt.
Nach etwa einer halben Stunde finden mein Hund an sich wie irre die Pfote zu lecken und wir sind darauf hin zum Tierarzt. Beim Tierarzt angekommen war die Pfote schon sehr dick angeschwollen.
Mein Hund hat ein Antiallergikum, Antibiotikum sowie Schmerzmittel gespritzt bekommen und der Tierarzt hat mich aufgeklärt um welche Spinnenart es sich handelt, da ich das Tierchen gottseidank bevor ich es im Klo versenkt hatte fotografiert hatte.
Der Ammen Dornfinger kommt eigentlich aus Südeuropa und wandert seit einigen Jahren auch in Deutschland ein. Das Gift kann auch für den Menschen sehr unangenehm sein für Tiere kann es zum Teil sogar lebensgefährlich werden, der Tierarzt sagte ich kann froh sein dass er nicht meine kleine Katze gebissen hätte, die hätte es sicherlich schlimmer erwischt.
Solltet ihr also so ein Tierchen in eurer Wohnung entdecken, lege ich es euch nah ist entweder zu eliminieren oder ganz schnell aus der Wohnung zu entfernen, da sie euren Haustieren wirklich gefährlich werden können.“

Georg ist auch nett und bedankt sich immer wieder unter seinem Beitrag fürs Teilen.

Screenshot Facebook

Screenshot Facebook

Georg und sein fiktiver Hund

Wir erfahren hier, dass Georg einen Hund namens „Ridge“ hat. Und sein Hund wurde von einer Spinne aggressiv attackiert. Der tapfere Georg, zufällig auch likegeil, fotografierte die Spinne und brachte seinen Hund zum Tierarzt. Dabei erfuhr Georg, er habe eine gefährliche Spinnenart entdeckt. Nun muss Georg alle warnen. Tapferer Georg!

Leider aber ist Georg mit dem Armani-Anzug nichts davon passiert. Dies geschah nämlich vor über einem Jahr einer anderen Dame:

Screenshot Facebook

Screenshot Facebook

Das ist aber peinlich, George! Du kannst doch keinen Beitrag dreist kopieren, der selbst schon große Verbreitung fand! Nutzer könnten das herausfinden! Es sei denn…

Screenshot Facebook

Screenshot Facebook

Kluger Georg! Georg löscht einfach alle Kommentare, die ihn des Diebstahls bezichtigen. Manchmal blockt er auch, wie beispielsweise unsere Kollegin Anke. Denn Georg trägt Armani. Und somit hat Georg auch immer eine weiße Weste.

Meinte es Georg nur gut?

Vielleicht hat Georg es ja gut gemeint. Georg warnt schließlich vor einer giftigen Spinne. Und tatsächlich gab es in den Sommern 2016 und 2017 eine Spinnenpanik rund um die sogenannte „Ammen-Dornfingerspinne“, die gar nicht mal so neu ist, sondern seit den 1950er-Jahren in Deutschland lebt. Letztes Jahr wurden auch eine Menge Clickbait-Artikel rund um die Spinne verbreitet, über die wir berichteten. Und so warnten viele Seiten vor dieser „neuen“ Spinnenart in Deutschland, die allerdings nur in hohem Gras beheimatet ist und nur aggressiv wird, wenn sich jemand direkt ihrem Nest nähert.

Nein. Denn diese Spinne…

…ist nicht einmal eine Dornfingerspinne. Zahlreiche Kommentare weisen sowohl die Originalerstellerin als auch den Georg darauf hin, dass sich der Tierarzt, der nur das obige Foto sah, geirrt hat, vielleicht „angesteckt“ durch die vielen, teilweise clickbaitartigen Warnungen in den Medien zu der Zeit.

Screenshot Facebook

Screenshot Facebook

Haben diese Nutzer recht?

Da vergleichen wir doch die Spinnen einmal:

Screenshot mimikama.at

Bildquelle Links: Instagram,  Bildquelle Mitte: Fotocommunity

Auch den Laien wird auffallen, dass die Dornfingerspinne sehr viel längere Beine und eine auffällige Zeichnung am Hinterleib hat, auch die Beißzangen sind sehr viel größer. Die Asseljägerspinne, welche sich gerne in Kellern aufhält (weswegen es auch logischer ist, wenn sie mal im Haus auftaucht), hat kürzere Beine, einen helleren Hinterleib ohne Zeichnung und kleinere, aber auch kräftige Beißzangen, um Asseln wortwörtlich zu knacken.
Bei dem Exemplar auf dem Nutzerfoto handelt es sich entweder um einen einen Kleinen oder Großen Asseljäger. Da sich beide Spinnenarten sehr ähnlich sehen, kann man sie meist nur durch die Größe unterscheiden. Ihr Biss ist für gesunde Menschen zwar schmerzhaft, das Gift  aber harmlos und sorgt zumeist nur für einen Juckreiz.

Fazit

Nein, George hat diese Spinne nicht in seiner Wohnung entdeckt. Und diese Spinne ist auch nicht so gefährlich und angriffslustig, wie Georg oder die Originalerstellerin beschreiben. Zudem gibt es die Dornfingerspinne, vor der gewarnt wird, schon seit den 1950er-Jahren in Deutschland, was manche Nutzer aber nicht so recht glauben wollen und die Gelegenheit lieber für Hetze nutzen:

Screenshot Facebook

Screenshot Facebook

Glaubt also nicht alles, was anzugtragende, likegeile Nutzer auf Facebook verteilen. Denn auch, wenn es so aussieht: Ihnen passieren nicht immer so viele irre Dinge. Deswegen müssen sie sich eben die Beiträge zusammenklauen.

Vielleicht hat aber auch jener Nutzer mit seiner Feststellung recht 😉

Screenshot Facebook

Screenshot Facebook

„Sowas krasses passiert irgendwie immer nur Bloggern, die ein paar Likes haben wollen.
Als wüsste die Spinne in welches Haus sie muss“

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