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Na, heute schon in den Geldbeutel geschaut? Da finden sich doch bestimmt noch ein paar Euro. Also gleich mal einkaufen gehen… aber vielleicht geht das gar nicht? Laut einer Internetseite ist der Euro nämlich ungültig.

Und was nun? Mit Kieselsteinchen bezahlen? Was steckt denn hinter dieser Behauptung? Kann ich mir aus den Euro-Scheinen nun Zigaretten drehen oder sollte ich sie doch behalten?

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So heißt es dort:

„Ist der Euro ungültig?
Der EURO ist weder gesetzliches Zahlungsmittel noch Währung, sondern nur noch „öffentliches Zahlungsmittel“, das keinem Annahmezwang unterliegt! – Der EURO ist in der „BRD“ und in Berlin nach den immer noch geltenden SHAEF-Gesetzen  der alliierten Siegermächte rechtswidrig und gesetzwidrig.“

Zum Autor und zur Quelle

Dem Blog „Chamy“ gehen anscheinend die Themen aus. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie per Copy&Paste einen Artikel als aktuell anpreisen, der bereits fünf Jahre alt ist. Im Dezember 2010 erschien er bereits auf „MMnews“, nach eigener Aussage der „größte Wirtschaftsblog Europas“.


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Der Autor des Artikels, Norbert Knobloch, ein deutscher Autor und bekannter Verschwörungstheoretiker, ist seit etwa März 2015 wegen einer Krebserkrankung, die er mit „alternativmedizinischer Behandlung“ bekämpft, nicht mehr aktiv tätig, so berichtet Psiram.

Was sind diese SHAEF-Gesetze und warum sollen sie noch gültig sein?

SHAEF ist die Abkürzung für „Supreme Headquarters, Allied Expeditionary Force“. Dabei handelt es sich mitnichten um Gesetze, sondern um die Bezeichnung des Hauptquartiers der alliierten Streitkräfte in Nordwesteuropa. Am 14. Juli 1945, nach Kriegsende, wurde das SHAEF aufgelöst und durch das USFET (US Forces, European Theater) ersetzt. Die sogenannte „Reichsbürgerbewegung“ geht aber davon aus, dass Deutschland immer noch ein besetztes Land ist und sämtliche Regelungen, die vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland galten, heute immer noch gelten, ungeachtet der Tatsache, dass die jetzigen Standorte des US-Militärs in Deutschland eigentlich nur noch existieren, weil sich die USA als Verbündeter jene Standorte innerhalb Deutschlands sicherte.

Reichsbürger?

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, dies genauer zu erläutern, wir verweisen deswegen an dieser Stelle mal auf unsere Artikel „Krieg und Frieden – Ausverkauf der BRD?“, „Die BRD-Lüge – Demontage einer Verschwörungstheorie“ und „Kennzeichen verkehrt herum?“, um einen Einblick in deren Denkweise zu bekommen.
Bereits im ersten Absatz des Artikels wird bemängelt, dass der Euro nur als Währungsmittel in einem souveränen Staat gilt. Da aber nach deren Ansicht Deutschland nicht souverän, sondern immer noch ein besetztes Land ist, muss auch der Euro ungültig sein.

Das Copyright-Zeichen

Um aufzuzeigen, dass Deutschland von privaten Firmen und Familien geführt wird, verweist man auch in diesem Artikel auf das Copyright-Zeichen auf jeder Banknote, angeblich ein Hinweis, dass sämtliche Banknoten von einem Verein stammen, der von der Familie Rothschild („Chrrr! De Jodn! Chhrrr!“ – mit Grüßen an Walter Moers) und dem Vatikan gegründet wurde.

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Jenes Copyright-Zeichen hat aber einen guten Grund, und der liegt in den strengen Auflagen, die damit verbunden sind, wenn ein Euro-Schein abgebildet wird.

„Abbildung und Urheberrecht der Euro-Banknoten
Niemals darf der Eindruck entstehen, es handele sich um echte Noten.
Die Bevölkerung vor Falschgeld zu schützen gehört zu den Aufgaben der Europäischen Zentralbank. Gemeinsam mit den Nationalen Zentralbanken wacht sie darüber, dass möglichst keine gefälschten Scheine und Münzen in Umlauf geraten. Um Verwechslungen auszuschließen, werden auch an Abbildungen von Euro-Scheinen hohe Anforderungen gestellt. Die Regeln wurden im Jahr 2003 nochmals verschärft.“

…so „EU-Info“. Neben diversen Auflagen wie z.B. die Maximalgröße oder –auflösung bei der Abbildung eines Euro-Scheines ist auch verpflichtend, dass das Copyright der Europäischen Zentralbank (EZB) immer sichtbar sein muss.

Die Unterschrift

In dem Artikel wurde auch bemängelt, dass laut internationalem Recht die Euro-Geldscheine eine Unterschrift haben müssen. Diese existiert auch auf jedem Euroschein. Allerdings ist die Unterschrift auf dem oben abgebildeten Geldschein tatsächlich falsch, damit jene Abbildung nicht als Vorlage zur Fälschung von Geldscheinen verwendet werden kann.

Insgesamt kann man drei verschiedene Unterschriften auf den Geldscheinen finden, welche von den bisher drei bisherigen EZB-Präsidenten stammen, wie man auf den Seiten der Deutschen Bundesbank erfährt:

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Das X auf deutschen Euro-Scheinen

Nun taucht der Artikel vollends ins Verschwörungstheoretische ab, angeblich wurden deutsche Euro-Scheine extra markiert:

„Und deswegen sind alle „deutschen“ Euro-Scheine auch mit dem Buchstaben „X“ vor der Serien-Nummer versehen worden. Deutsche „X“-Euro-Banknoten, von deutschen Touristen eingeführt, werden seit 2009 von ausländischen Banken so schnell wie möglich an die Bundesbank zurückgeschickt und gegen Scheine aus anderen Euro-Staaten (kenntlich an den Buchstaben vor den Seriën-Nummern) ausgetauscht. Denn die Banken der anderen EU-Staaten befürchten (in Kenntnis der oben beschriebenen Illegitimität/Illegalität des „deutschen“ Euros) – wohl zu Recht –, daß bei dem bevorstehenden internationalen Finanz-Crash und der folgenden „Währungs-Reform“ die „deutschen“ Euro-Scheine als erste für ungültig erklärt, beschlagnahmt oder eingezogen werden.“

Das ist nicht etwa eine besondere Kennzeichnung der deutschen Geldscheine, sondern auf jeder Banknote findet sich der Buchstabe des Landes, welches den Schein ausgegeben hat, und zwar aus gutem Grund:
So wird verhindert, dass sich ein Land nicht etwa übermäßig viele EU-Scheine druckt, um Schulden begleichen zu können. Nachfolgend die Bedeutung der einzelnen Buchstaben:

Buchstabe Ausgabestaat
Z België/Belgique (Belgien)
Y Elláda/Ελλάδα (Griechenland)
X Deutschland
W Danmark (Dänemark)
V España (Spanien)
U France (Frankreich)
T Ireland (Irland)
S Italia (Italien)
R Lëtzebuerg (Luxemburg)
Q nicht belegt
P Nederland (Niederlande)
O nicht belegt
N Österreich
M Portuguesa (Portugal)
L Suomi (Finnland)
K Sverige (Schweden)
J United Kingdom (Großbritannien)
H Slovenija (Slowenien)

Quelle: Numispedia

Fazit:

Der komplette Artikel beruft sich darauf, dass Deutschland immer noch ein besetztes Land ist. Die Unterschriften auf den Banknoten seien gefälscht (nein, sind sie nicht, es sind nur noch Banknoten mit den alten EZB-Präsidenten im Umlauf), das Copyright-Zeichen verweise auf Deutschland als eine Firma und das X auf den Geldscheinen gälte extra dazu, weil deutsche Scheine nach dem „großen Finanzcrash“ ungültig werden würden.

Übrigens griff jene Idee mit den ungültigen Scheinen mal der „Postillon“, eine Satire-Seite, auf und berichtete, dass im Falle eines Austritts Griechenlands aus der EU alle griechischen Euro-Scheine ungültig werden würden. Viele Reichsbürger-Seiten nahmen diese Meldung für bare Münze.

Also keine Kieselsteinchen. Wir dürfen weiterhin mit dem Euro bezahlen. Und er ist auch, trotz reichsbürgerlicher Unkenrufe, immer noch gesetzliches und gültiges Zahlungsmittel. Auch wenn jene Herrschaften anscheinend gerne die Reichsmark wieder hätten.

Aber vielleicht fangen sie ja, nach dem Disaster mit den umgedrehten Nummernschildern, nun auch an, mit Reichsmark aus Uromas Mottenkiste bezahlen zu wollen. Zuzutrauen wäre es ihnen.

Autor: Ralf, mimikama.at