“Die Vorhänge einer Wirtschaft haben geflattert!” Wir schreiben den 15. Mai 1895. Der beschaulichen Ort Denzlingen im Breisgau wird an diesem Tage ein historisches Ereignis erleben: der erste Strafzettel der Welt aufgrund von Raserei wird geschrieben. Dies behauptet zumindest ein Bild, welches derzeit in den sozialen Netzwerken verteilt wird.

- Sponsorenliebe | Werbung -

Ganze 3 Mark Strafe soll ein Herr Gütermann zahlen, weil er mit seinem Benz-Motor-Pferd mit “derartiger” Geschwindigkeit unterwegs war, welche die Vorhänge einer Wirtschaft zum Flattern brachten. Folgender Strafzettel sei daher am 16. Mai 1895 ausgestellt worden:

image

Fake? Wahr? Echter Strafzettel?

Der Strafzettel ist nun berühmt geworden, weil er in einem Werbespot von Mercedes-Benz mit dem Untertitel „Sorry Denzlingen, kommt nicht wieder vor“ thematisiert wurde. Sowohl in Plakatform [1], als auch in einem kurzen Videoclip wird auf diesen Strafzettel eingegangen:


SPONSORED AD


Der Strafzettel hat nun tatsächlich eine Vorgeschichte:

So wie hier abgebildet ist er nicht echt. Eine sehr umfassende Erklärung und Beschreibung dieses Strafzettels bietet die Badische Zeitung in einem Artikel vom 17. Mai 2016, den wir hier auszugsweise wiedergeben (bitte dazu auch den vollen Artikel lesen):

  • Der in der Werbung verwendete Strafzettel existiert tatsächlich – zumindest eine Abschrift davon.
  • Die zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug im Großherzogtum Baden seinerzeit 12 km/h außerorts und 6 km/h innerorts.
  • Auf Nachfrage bei der Geschäftsleitung des Museums werden aber doch leichte Zweifel geäußert. „Wir sind uns da nicht hundertprozentig sicher, ob es tatsächlich der Erste ist“
  • Einige Historiker äußerten Zweifel an der Echtheit des in der Werbeanzeige abgebildeten Strafzettels, weil dieser in Schreibmaschinenschrift geschrieben wurde
  • Die Abschrift stamme sicher aus dem Familienarchiv der Gütermanns. „Das Original existiert nach unseren Informationen allerdings nicht mehr

Die ganze Geschichte:

TEMPOSÜNDER: Bekam ein Südbadener den ersten Strafzettel der Welt?

-Mimikama unterstützen-

Weil du diesen Bericht zu Ende gelesen hast…

Kannst du uns bitte einen kleinen Gefallen tun? Mehr Menschen denn je lesen die Artikel von mimikama.at, aber die Werbeerträge sinken rapide. Anders als andere Organisationen haben wir keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten so offen wie möglich halten. Der unabhängige Enthüllungsjournalismus von mimikama.at bedeutet jedoch harte Arbeit, er kostet eine Menge Zeit und auch Geld. Aber wir tun es, weil es wichtig und richtig ist, in Zeiten wie diesen Internetnutzer mit transparenten Informationen zu versorgen. Wir hoffen, dass du es schätzt, dass es keine Bezahlschranke gibt: Unserer Auffassung nach ist es demokratischer für Medien, für alle zugänglich zu sein und nicht nur für ein paar wenige, die sich dieses "Gut" leisten können. Durch deine Unterstützung bekommen auch jene einen Zugang zu diesen Informationen, die es sich sonst nicht leisten könnten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama.at auch weiterhin geben.

Folgende Unterstützungsmöglichkeiten bieten wir an: via PayPal,via Steady

TEILEN