Artikelbild von Yuliya Evstratenko / Shutterstock.com
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Und darüber müssen wir uns echt nicht wundern.

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Streiten, lieben, pöbeln, versöhnen, diskutieren, politisieren, philosophieren, tauschen, kaufen, aber auch stehlen: Wer Social Media verstehen will, sollte sich vielleicht eine Agora des klassischen Griechenlands vorstellen. Nur eben digital und nicht nur mit Griechen bevölkert, sondern mit Menschen weltweit.

Unter Social Media werden alle Medien (Plattformen) verstanden, auf der die Nutzer über digitale Kanäle kommunizieren können und sich interaktiv austauschen. Informationen aller Art spielen eine Rolle, aber auch Bilder, Videos und Musik.

Social Media bedeutet: Jeder ist Autor und die Plattform ist zumeist gratis, bzw. zumindest kostengünstig verfügbar. Wichtig ist auch, dass die technische Hürde zur Teilnahme sehr niedrig ist. Also die Meisten haben irgendwo und irgendwie einen Internetzugang und zumindest ein Smartphone oder einen Computer.

Der Papst

Nun hat sich auch jüngst der Papst zu Social Media geäußert. „Je mehr wir soziale Medien nutzen, desto weniger sozial verhalten wir uns“, sagte Franziskus in seiner Pfingstpredigt (vergleiche).

Sicher, jeder darf zu diesem Thema eine eigene Meinung haben. Ich habe sie auch und bin der Ansicht, dass der Papst a) nicht ganz richtig liegt und b) nicht ganz richtig liegt.

a) bedeutet, dass ich kein Freund der Wortwahl „Soziale Medien“ bin. Das liegt schlichtweg daran, dass der Begriff „Sozial“ ein wenig irreführend wirkt. Die Netzwerke haben nichts Soziales im karitativen Sinne in sich, sondern sind eher gesellschaftliche Netzwerke. Daher spreche ich lieber von Social Media und nicht von sozialen Medien. Sicher, ich weiß, dass auch meine eigenen KollegInnen die verdeutschte Schreibweise gerne nutzen, das liegt halt daran, dass es eben nur meine Meinung ist.

b) bedeutet, dass der Papst davon ausgeht, dass Social Media ursächlich für Hass und Beleidigungen ist. Schauen wir nochmals auf meinen eingangs gewählten Vergleich: Social Media als digitale Agora. Streit, Diebstahl, Ärger gab es immer dort, wo Menschen zusammentreffen. Besserwisserei und Rechthaberei auch, nur konnte diese nie von allen Teilnehmenden so global ausgelebt werden.

Ferner unterschlägt der Papst, was ich sehr schade finde, dass Social Media auch vielen Menschen hilft! Die Vernetzung von Menschen, Gruppen, die sich helfen, wohltätige Projekte, ja nicht zuletzt auch Mimikama, sind Blüten von Social Media. Allein die Möglichkeit, selbst senden zu können und eine global sichtbare Stimme zu haben, sind tolle Instrumente einer sich lebendig entwickelnden Gesellschaft.

Es ist nur allzu logisch, dass Orte, an denen viele Menschen mit unterschiedlichen Meinungen aufeinandertreffen, natürlich nicht nur positive Aspekte mit sich bringen. Dass gilt auf der Mikroebene (da reicht manchmal ein Familientreffen), wie auch auf der Makroebene. Und Social Media ist so eine Makroebene.

Die These „Je mehr wir soziale Medien nutzen, desto weniger sozial verhalten wir uns“ halte ich daher nur für eingeschränkt richtig und kann sie schlichtweg nicht bejubeln, da sie mir zu destruktiv erscheint.

Wutspirale

Natürlich gibt es auch auf Social Media eskalierende Wut und Hass. Hier gibt es eine interessante weitere These (nein, nicht vom Papst): Wenn ich auf Social Media beginne, Kommentare mit Wut und Hass zu verfassen, begebe ich mich in eine Wutspirale. Ich nehme entsprechend auch meine Umgebung als wütenden Angriff auf mich wahr.

Das halte ich für sehr interessant, denn hier könnte man durchaus ansetzen. Sicherlich ist an dieser Stelle eine Selbstreflexion notwendig, das heißt: wie nehme ich mich selbst auf Social Media wahr? Wie möchte ich wirken, wie wirke ich, wie wirken andere auf mich? Als kleine Übung hierzu kann man das hier mal ausprobieren:

Nimm einen Zettel und einen Stift (oder mehrere) zur Hand und MALE dich selbst, wie du dich auf Social Media siehst. Wie sieht dein digitales Ich aus? Unterscheide dabei bitte genau zwischen „Wie will ich aussehen“ und „wie sehe ich aus“. Frage vielleicht auch Freunde (gute Freunde, keine Speichellecker), wie sie dich auf Social Media sehen. Am Ende betrachte die Differenzen: Willst du das so oder möchtest du was ändern?

Social Media ist so viel mehr

Viele Politiker, aber auch der Papst reduzieren Social Media auf eine unkontrollierbare Hass-Hölle, auf der immer nur geklaut und geprügelt wird. Nein, das ist nicht so. Dem möchte ich widersprechen, denn es gibt so viele Facetten.

Klar, es gibt Eskalationsstufen, das liegt natürlich daran, dass Menschen verschiedene Ansichten und Einstellungen haben. Wie beim Thema Erziehung. Aber dafür braucht es ja nicht mal Social Media, um einen Streit zu entfachen.

Social Media ist so viel mehr. Es kann Menschen verbinden, es kann Missstände aufzeigen, es kann Ungerechtigkeiten anprangern. Es kann allen eine gleichwertige Stimme verleihen. Die vermeintlich „Großen“ stehen auf einmal direkt neben den vermeintlich „Kleinen“ und man sieht, dass sie gar nicht so groß sind. Das Resultat ist, dass sie dann anfangen sich zu wehren und zu beißen und Social Media eingrenzen wollen, weil sie nicht verstehen, warum sie auf einmal nicht mehr mächtiger sind.

Ja, Social Media ist die digitale Agora. Und ich habe es selbst in der Hand, an welche Marktstände ich gehe und an welchen Diskussionsrunden ich teilnehme. Ich kann meinen digitalen Raum selbst gestalten, nur dazu ist es notwendig, Social Media mit all seinen Funktionen zu verstehen, es bewusst und vernünftig einzusetzen und sorgsam mit meinem digitalen Ich umzugehen.

Epilog:

Auch die Wahl eines Themenbildes kann das Verhalten auf Social Media beeinflussen. Ich habe als Artikelbild nicht zufällig Bild mit einem Kind und einem Hund gewählt #zwinker

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